Aug. 31. Wegen Windstille und nördlichen Stromes mufsten wir Morgens
um 2 Uhr in der Nähe der Tioo brothers ankern. Die Luft war bedeckt und
trübe, dabei heftige Regenschauer. Gegen 6 Uhr lief der Wind nördlich, und
hatten wir kaum den Anker auf und die Segel gesetzt, als wir eiu Rauschen
und Toben im SO hörten. Die Luft war so dick und trübe, dabei noch so
wenig Tageslicht, dafs wir nicht entdecken konnten, was die Ursache dieses
auffälligen Geräusches war. Das Getöse kam näher und näher, und sahen wir
danu zu unsorem Schrecken, dafs cs eine furchtbare Wasserhose war; nicht
eine von den kleiuou, die sich schlauchartig aus einer Cumulus- oder Nimbus-
Wolke herunterschlängeln, und die mau an schwülen, sonnigen Tagen oft
dutzendweise sieht, sondern es schien eine ganze blauscliwarzo Wolke sich
aufs Meer herabgesenkt zu haben. Die Oberfläche des Meeres stand wie
ein vielfach gezackter Ilerg in die Höhe. Die Zacken schienen 9—12 m
brausend und schäumend in die Höhe zu steigen und tlieilwoise prasselnd zurück-
zustürzeu. Sobald wir dies erblickten, suchten wir die Segel zu bergen, was
aber nicht gelang. Grofssegel, Vormarsscgel und Bramsegel flogen in Fetzen
weg. Alle übrigen Segel waren mehr oder weniger zerrissen, so dafs wir ein
ganzes Stell anderer Segel unterzubinden hatten. Die Mitte der Hose zog
hinter dem Schiffe um; aber der Durchmesser des Wirbels war so grofs, dafs
trotzdem eine grofse Zerstörung auf dem Schiffe angerichtet wurde. Glücklicher
weise blieben Masten und Stengen stehen, was bei dem fürchterlichen Back-
und Vollsehlagen der Segel und dem plötzlichen Ueberholcn dos Schiffes von
der einen zur anderen Seite, als ob es kentern wollte, sehr zu verwundern
ist. Das Schiff wurde durch eine ungeheuere Wassermenge überschwemmt.
Nachdem der Wirbel passirt war, senkte sich die Oberfläche der Sec, und der
Wind nahm bis zur Windstillo ab, doch fiel der Regen noch längere Zeit in
Strömen nieder.
Die Wasserhose — was eigentlich wohl nicht die richtige Bezeichnung
ist — zog mit einer anscheinenden Geschwindigkeit von 8 bis 9 Sm in der
Richtung vou SSO nach NNW. Der schäumende und brausende Wirbel mochte
90—120 in im Durchmesser halten.
Während des ganzen Tages blieb cs windstill. Banden andere Segel
uuter und brachten das Tauwerk wieder it» Ordnung. Die Lieken der zer
rissenen Segel, Fetzen der Segel, Beschlagzeisingo u. s. w. waren in der selt
samsten Weise zwischen dem stehenden Gut und um die Stengen und Raacn
verschlungen; laufendes Tauwerk war aus den Wegweisern geschoren und oben
in der Takelung verwickelt.
Sept. 1 bis 3. Kreuzten gegen südliche und südöstliche Winde, die im
Ganzen nur leicht waren und mit Windstillen und Mallungen abwechselten,
nach der «Suada-Strafse. Mufsten oftmals wegen Gegenstrom und Windstille
ankern.
Sept. 3. 9 Uhr Morgens kamen nach Anjer, woselbst vou Bumböten
Hühner, Yams, Bataten u. s. w. eingekauft und eingetauscht wurden. Bei
Mallung und umlaufenden Winden trieben wir mit einem westlichen Strome
durch die Sunda-Strafse. Um Mittag peilten Krakatoa Peak West und Third
Point SSW. Gegen 3 Uhr Nachmittags wurde der Strom weuiger, hatten
leichte umlaufende Winde.
Sept. 4. Um 2 Uhr Nachts passirten die Princes - Insel in 8 Sm Ent
fernung, bei einer leichten nördlichen Briese. Sobald wir aus der Swnda-Strafsc
waren lief der Wind nordwestlich, dann durch West nach SW, steife Briese,
bei dicker trüber Luft und Regen. Mittags auf 6° 49' S-Br und 104° 19' O-Lg.
Bis zum Mittag des nächsten Tages hielt der westliche Wiud an; daun trat
Windstille und Mallung ein bis 4 Uhr Nachmittags, zu welcher Zeit der
SE-Passat durchkam.
Sept. 5. Mittags befanden uns auf 7° 23' S-Br und 104° 23' O-Lg. Bis
dahin hatten 32 Tage Reise von Singapore. Bis zum Kap der guten Hoffnung
hatten wir im Ganzen 76 Tage Reise.
Als ich die Rhede von Singapore verliefs, war cs meine Absicht, je nach
Umständen durch die Carimata- oder /ia«Aa-Strafsc zu segeln. Ich halte es
nach den gemachten Erfahrungen aber für vortheilhafter, von vornherein die
/?««Za-Strafsc zu wählen und beim Verlassen der Stngapor e-Stvükc sich möglichst