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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 10 (1882)

Aug. 31. Wegen Windstille und nördlichen Stromes mufsten wir Morgens 
um 2 Uhr in der Nähe der Tioo brothers ankern. Die Luft war bedeckt und 
trübe, dabei heftige Regenschauer. Gegen 6 Uhr lief der Wind nördlich, und 
hatten wir kaum den Anker auf und die Segel gesetzt, als wir eiu Rauschen 
und Toben im SO hörten. Die Luft war so dick und trübe, dabei noch so 
wenig Tageslicht, dafs wir nicht entdecken konnten, was die Ursache dieses 
auffälligen Geräusches war. Das Getöse kam näher und näher, und sahen wir 
danu zu unsorem Schrecken, dafs cs eine furchtbare Wasserhose war; nicht 
eine von den kleiuou, die sich schlauchartig aus einer Cumulus- oder Nimbus- 
Wolke herunterschlängeln, und die mau an schwülen, sonnigen Tagen oft 
dutzendweise sieht, sondern es schien eine ganze blauscliwarzo Wolke sich 
aufs Meer herabgesenkt zu haben. Die Oberfläche des Meeres stand wie 
ein vielfach gezackter Ilerg in die Höhe. Die Zacken schienen 9—12 m 
brausend und schäumend in die Höhe zu steigen und tlieilwoise prasselnd zurück- 
zustürzeu. Sobald wir dies erblickten, suchten wir die Segel zu bergen, was 
aber nicht gelang. Grofssegel, Vormarsscgel und Bramsegel flogen in Fetzen 
weg. Alle übrigen Segel waren mehr oder weniger zerrissen, so dafs wir ein 
ganzes Stell anderer Segel unterzubinden hatten. Die Mitte der Hose zog 
hinter dem Schiffe um; aber der Durchmesser des Wirbels war so grofs, dafs 
trotzdem eine grofse Zerstörung auf dem Schiffe angerichtet wurde. Glücklicher 
weise blieben Masten und Stengen stehen, was bei dem fürchterlichen Back- 
und Vollsehlagen der Segel und dem plötzlichen Ueberholcn dos Schiffes von 
der einen zur anderen Seite, als ob es kentern wollte, sehr zu verwundern 
ist. Das Schiff wurde durch eine ungeheuere Wassermenge überschwemmt. 
Nachdem der Wirbel passirt war, senkte sich die Oberfläche der Sec, und der 
Wind nahm bis zur Windstillo ab, doch fiel der Regen noch längere Zeit in 
Strömen nieder. 
Die Wasserhose — was eigentlich wohl nicht die richtige Bezeichnung 
ist — zog mit einer anscheinenden Geschwindigkeit von 8 bis 9 Sm in der 
Richtung vou SSO nach NNW. Der schäumende und brausende Wirbel mochte 
90—120 in im Durchmesser halten. 
Während des ganzen Tages blieb cs windstill. Banden andere Segel 
uuter und brachten das Tauwerk wieder it» Ordnung. Die Lieken der zer 
rissenen Segel, Fetzen der Segel, Beschlagzeisingo u. s. w. waren in der selt 
samsten Weise zwischen dem stehenden Gut und um die Stengen und Raacn 
verschlungen; laufendes Tauwerk war aus den Wegweisern geschoren und oben 
in der Takelung verwickelt. 
Sept. 1 bis 3. Kreuzten gegen südliche und südöstliche Winde, die im 
Ganzen nur leicht waren und mit Windstillen und Mallungen abwechselten, 
nach der «Suada-Strafse. Mufsten oftmals wegen Gegenstrom und Windstille 
ankern. 
Sept. 3. 9 Uhr Morgens kamen nach Anjer, woselbst vou Bumböten 
Hühner, Yams, Bataten u. s. w. eingekauft und eingetauscht wurden. Bei 
Mallung und umlaufenden Winden trieben wir mit einem westlichen Strome 
durch die Sunda-Strafse. Um Mittag peilten Krakatoa Peak West und Third 
Point SSW. Gegen 3 Uhr Nachmittags wurde der Strom weuiger, hatten 
leichte umlaufende Winde. 
Sept. 4. Um 2 Uhr Nachts passirten die Princes - Insel in 8 Sm Ent 
fernung, bei einer leichten nördlichen Briese. Sobald wir aus der Swnda-Strafsc 
waren lief der Wind nordwestlich, dann durch West nach SW, steife Briese, 
bei dicker trüber Luft und Regen. Mittags auf 6° 49' S-Br und 104° 19' O-Lg. 
Bis zum Mittag des nächsten Tages hielt der westliche Wiud an; daun trat 
Windstille und Mallung ein bis 4 Uhr Nachmittags, zu welcher Zeit der 
SE-Passat durchkam. 
Sept. 5. Mittags befanden uns auf 7° 23' S-Br und 104° 23' O-Lg. Bis 
dahin hatten 32 Tage Reise von Singapore. Bis zum Kap der guten Hoffnung 
hatten wir im Ganzen 76 Tage Reise. 
Als ich die Rhede von Singapore verliefs, war cs meine Absicht, je nach 
Umständen durch die Carimata- oder /ia«Aa-Strafsc zu segeln. Ich halte es 
nach den gemachten Erfahrungen aber für vortheilhafter, von vornherein die 
/?««Za-Strafsc zu wählen und beim Verlassen der Stngapor e-Stvükc sich möglichst
	        
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