495
gekommen war, wurde der Wind frischer und führte er die Bark dann bis zum
19. Dezember zu der in 24,2° W-Lg überschrittenen Linie. „Melusine“ hatte die
zwischen 30° S-Br und dem letzteren Punkte liegende Strecke in 21 Tagen
zurückgelegt und auf derselben 20° S-Br in 1,8° W-Lg am 5. Dezember uud
10° S-Br in 12,3° W-Lg am 12. Dezember geschnitten.
Im Nordatlantischcn Ocean bezeichncte leichte, 12 Stunden anhaltonde
Mallung die am 21. Dezember in der Nähe von 2,5° N-Br uud 26,8° W-Lg
beobachtet wurde, den Stillengürtel. Das Gebiet des NE-Passats, in welchem
man den frischesten Wind auf der zwischen 13,5° und 33,5° N-Br liegenden
Strecke antraf, dehnte sich aus bis nach 34° N-Br in 40° W-Lg. Erst in der
Nähe dieses Punktes drehte der Wind am 4. Januar 1882 nach SE und bei
vorherrschend westlichen uud hoch südlichen Winden legte mau den letzten
Theil der Reise zurück. Am 15. Januar befand sieh „Melusine“ in Sicht der
Lizard-Feuer. Die Dauer der ganzen Reise betrug 131 Tage; 95 Tage waren
verflossen, seit man die Stwtrfa-Strafse verlassen hatte, und von diesen waren
27 im Nordatlautischeu Ocean verbracht; 10° N-Br war in 31,8° W-Lg am
28. Dezember, 20° N-Br in 36,8° W-Lg am 30. Dezember, 30° N-Br in
40,9° W-Lg am 3. Januar und 40° N-Br in 32° W-Lg am 8. Januar ge
schnitten worden.
13. Reise der Bremer Bark „Ölberg“, Kapt. R. A. Alberts.
Am 12. Dezember 1881, sieben Tage nach dem Antritt einer Reise von
Hamburg nach New-York, befand sich die Bark „0Ibers“ in der Nähe von
Fair Island. Der Verlauf der Reiso nach Westen war von hier aus bei der
ungemein grofsen Anzahl westlicher Stürme, die später zu überstellen waren,
ein überaus langsamer. Am 29. Dezember war der Schiffsort 58° N-Br in
22,2° W-Lg gewesen, und am 8. Januar 1882 befand man sich noch in 53,8 N-Br
und 22,4° W-Lg. Ganz selten auftretende güustigc Winde ermöglichten zuweilen
für kurze Zeit eine rasche Fahrt, uud dann war wieder auf lange Zeit hinaus jeder
Fortschritt unmöglich, ging selbst das schon Gewonnene wieder verloren. Einen
ungewöhnlich schweren orkanartigen Sturm überstand „Öfters“ vom 4. bis zum
7. Januar in der Nähe von 55,5° N-Br uud 24° W-Lg. Nachdem derselbe
schon längere Zeit aus West geweht hatte, und der Luftdruck auf 728,0 mm
gesunken war, mäfsigte sich der Sturm sehr rasch und, nachdem für kurze Zeit
leichter nordöstlicher Zug geherrscht hatte, folgte wieder orkanartiger Sturm
aus West. Hagel- uud Schneeböen, die auch sonst häufig beobachtet wurden,
traten auch in diesem Sturme auf. Am 13. und 14. Januar wüthete in der Nähe
von 52° N-Br und 30° W-Lg ein anderer orkanartiger Sturm, bei dem das
Barometer einen Stand von 716,3 mm erreichte. Dieser Sturm begann aus
nordöstlicher Richtung und endete aus West. Nachdem am 15. Januar noch
ein anderer aus SSE wehender Sturm beobachtet worden war, folgten endlich
für längere Zeit mäfsigere Winde, bei denen es möglich war, etwas Länge gut
zu machen. Es dauerte dieser Zustand bis zum 28. Januar, au welchem Tage
in der Nähe von 45° N-Br und 49° W-Lg abermals ein orkanartiger Weststurm
überstanden werden mufste. Der Luftdruck sank in demselben bis auf 726,7mm.
Durch die wild aufgeregte See dieses Sturmes wurden dem Schiffe Ver-
sehanzungen, eiu Boot und vieles Andere zertrümmert. Häufige Stürme er
schwerten auch dio Zurücklegung des letzten Theils der Reiso, uud erst am
20. Februar war cs möglich, dcu Hafen von New-York zu erreichen. Kapitän
Alberts fügt dem Schlüsse dieser Reise die Bemerkung hinzu, dafs er auf
seinen wiederholt ausgeführten Kap Horn-Reisen bei weitem nicht so stürmisches
Wetter erlebt habe, wie auf dieser Winterreise nach Nordamerika. Es waren,
um dieselbe von der Nordspitze Schottlands ab zu vollenden, 70 Tage erfor
derlich gewesen. Während dieser Zeit hatte man 30° W-Lg in 52° N-ßr am
13. Januar, 50° W-Lg in 44° N-Br am 1. Februar, 60° W-Lg in 42° N-Br am
10. Februar und 70° W-Lg in 40,8° N-Br am 19. Februar geschnitten.
Während derselben Zeit, in welcher „Olbers“ diese so überaus mühsame
Reiso auf nördlicher Route ausführte, vollendete dio ebenfalls nach New-York
bestimmte, am 1. Dezember von der Weser aus in See gegangene, am 14. De
zember in Sicht von Lizard befindliche Bremer Bark „Mozart“ ihre Reise auf
einem südlicher gelegenen Wege. Dieses Schiff verfolgte vom Kanäle aus an