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hebt, zeigen die Lothucgcu No. 24 und 25; innerhalb geringer Entfernung steigt
sie von 142m auf etwa 86m empor. Im Norden und Nordosten von Nowaja-
Semlja übersteigt die Dicke der Schicht mit Wasser über 0° nirgends eine
Mächtigkeit von 20m. In der Nähe der Eiskante tritt die 0°-isotherme an die
Oberfläche“ (s. Weyprecht a. a. 0.).
Entsprechend der Temperatur des Wassers an der Oberfläche sinkt auch
diejenige in der Tiefe. Bei der Lothung No. 23 ist die Bodontcmperatur in
247 m —1,3° (diese Temperatur ist in No. 25 schon in einer Tiefe von 200m
und in No. 29 sogar in 40m gefunden worden); ea 5° nördlicher ist die Boden
temperatur —1,6° in 228m (No. 19).
Eine eigenthümliche Erscheinung zeigt sich bei der Messung No. 11; hier
ist in einer Tiefe von über 300m die Bodentemperatur über 0° (0,4°), während
östlich und westlich von dieser Stelle in Tiefen, welche um mehr als 100m
geringer sind, die Bodentemperaturen unter 0° betragen (—0,9° s. No. 10 und
—1,6° s. No. 13).
Mit demselben Schiffe „hbjörn“ unternahm Graf Ilans Wilczek im
Sommer 1872 auf eigene Kosten eine Expedition in das Meer zwischen Spitz
bergen und Nowaja-Semlja zu dom Zweck, möglichst weit nach Osten ein Kohlen-
und Proviant-Depot für das Schiff „Tegetthoff* der zweiten österreichisch-
ungarischen Polar-Expedition zu errichten. Aufserdem sollten, soweit es die Um
stände gestatteten, meteorologische und geologische, sowie sonstige Forschungen
und Aufnahmen gemacht werden. Der Führer des Schiffes war Kapt. Kjölsen,
wie i. J. 1871; die wissenschaftlichen Theiluehmer an dieser Expedition waren
aufser Graf Wilczek der К. K. Kontre-Admiral Max Frhr. Doublesky von
Sterneck und Ehrenstein, Prof. Dr. Ilans Ilöfer aus Klagenfurt und der
Photograph W. Burger. 1 )
Am 20. Juni verlieft der „Isbjöm“ Tromtö und nahm Kurs nach dem
Südkap von Spitzbergen. Vom 30. Juni bis 5. Juli verweilte die Expedition im
IJomwnd im südlichen Spitzbergen. Die Absicht, nordöstlich von liopc-lnml
die Eiskante aufzusuchen und läng3 derselben möglichst hoch im Norden (nörd
lich von 77° N-Br) das Polarmeer bis Nowaja-Semlja zu durchsegeln, wurdo
durch die gerade iu diosem Jahre im Gegensatz zum Jahre 1871 als sehr un
günstig angetroffenen Eisverhältnisse vereitelt; der „hbjörn“ mufste deshalb in
südlicheren Breiten ein Fahrwasser aufsuchen, erreichte am 27. Juli Kap Britwin
auf Nowaja-Semlja, lief am 29. Juli in Matotschkin Schar ein und verweilte
daselbst bis zum 5. August. Von diesem Tage an steuerte der „Isbjöm“ längs
der Westküste von Nowaja-Semlja nordwärts, stets in der Hoffnung, den
„ Tegetthoff“ anzutreffen; die Begegnung mit diesem fand in der That am 12. August
statt; beide Schiffe segelten gemeinsam bis zu den niedrigen Pamirs-Inseln (bei
Kap Nassau an der Nordküste von Nowaja-Semlja in ca 76° 20' N-Br und
60° 45' O-Lg), wo sie über eine Woche lang (bis zum 21. August) durch ge
schlossene Eisbarriören am weiteren Vordringen gehindert wurden, und wo das
Depot für den „Tegetthoff“ niedergelegt wurde. Am 21. August dampfte der
„Tegetthoff weiter nach Norden, und am 22. August segelte der „hbjörn* süd
wärts läugs der Westküste von Nowaja-Semlja-, am 25. August erreichte das
Schiff das südliche Gänse-Kap, die SW-Spitze Nowaja-Semlja’s, und nahm dann
Kurs nach der Mündung der Petschora, welche „hbjörn“ am 2. September
erreichte. Während die Mitglieder dieser Expedition (aufser dem Photographen
Burger) vom 5. September an eine grofse Landreise durch das nordöstliche
Russland unternahmen, kehrte der „hbjörn“ über Hammerfest nach Tromsö
zurück, wo er am 1. Oktober 1872 eiutraf.
In der Zeit vom 21. Juni bis 2. September 1872 ist an Bord des „hbjörn*
regelmäfsig ein meteorologisches und nautisches Tagebuch geführt worden,
welches in der oben erwähnten Beilage zu den „Mitth. a. d. Geb. d. Seew.“,
1874, pag. 40—63, mitgetheilt ist, und aus dem wir nachstehende Angaben
wiedergeben.
t) Ueber diese Expedition und die während derselben angestellten Beobachtungen und Unter
suchungen s. den ausführlichen Bericht des Kontre-Admirals Frhr. von Sterneck und Ehrenstein
in der Beilage zu den »Mitth. a. d. Geb. d. Secw.“, Pota, 1874, 63 Seiten und 2 Karten, und daraus
im Auszüge Peterroann’s „Geogr. Mitth.“ 1874, pag. 65, 117, 132, 219 und Tafel 4 und 6.
Aufserdem noch ih. 1872, pag. 457.