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Ann. d. Hydr. etc., X. Jalirg. (1882), Heft VII.
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Ueber einige Ergebnisse der neueren Tiefsee- und physisch-
oceanischen Forschungen.
Von Dr. G. von Boguslawski.
V. Arktischer Ocean. 1 )
9. Verschiedene Expeditionen und Beobachtungen in dem
europäischen Nordmeere, der Barents-See und dem Meere bei
Nowaja • Semlja.
(Fortsetzung von pag. 335.)
i) Die beiden österreichischen Nordpolar-Expeditionen unter
der Leitung von J. Payer und K. Weyprecht, 1871 — 1874, und die
Expedition des Grafen Wilczek i. J. 1872.
Für die Kenntnifs der physisch-oceanischen Verhältnisse des Meeres
zwischen Spitzbergen und Noicaja-Semlja sind die von Payer und Weyprecht
in den Jahren 1871—1874 ausgeführten beiden Expeditionen von der ent
scheidendsten Wichtigkeit gewesen.
Die Leiter dieser beiden österreichischen Nordpolar-Expeditionen waren
Julius Payer und Karl Weyprecht. Ersterer hatte schon au der zweiten
Deutschen Nordpolarfahrt erfolgreichen Anthcil genommen, letzterer begann
mit dieser Reise seine in so hohem Grade verdienstvollen Polarforschungen,
durch welche er schliefslich dahin gelangte, das bisherige System derselben,
dessen Schwerpunkt in den Polarentdeckuugeu und in dem möglichst weiten
Vordringen nach dem Pole zu ruhte, zum Theil dahin umzugostalten, dafs die
physikalischen, meteorologischen und oceauographischen Forschungen innerhalb
des Polargebietes eine gröfserc Berücksichtigung finden, als bisher geschehen
war. Sein von ihm auf der Naturforscher-Versammlung zu Graz im September
1875 hierfür aufgestclltes Programm ist allseitig angenommen worden, und seine
rastlose Thätigkeit für Ausführung desselben ist vom Erfolge gekrönt worden,
welchen er leider nicht mehr erleben sollte; er starb am 28. März 1881,
gerade in der Zeit, als das von ihm vorgeschlagene System der „internationalen
Polarstationen“, welche einen Gürtel um den Nordpol selbst bilden, ins Leben
trat, über deren Thätigkeit wir in diesen Annalen seiner Zeit zu berichten
öfters Gelegenheit nehmen werden. 2 )
Die erste derselben, welche gewissermafsen die Vorbereitungsfahrt für
die zweite gröfsere bildete, war gröfstentheils durch Privatmittel von Gönnern
(u. A. von Hans Graf Wilczek und Graf Zichy, Petermann etc.) und
Förderern der Polarforschung zu Stande gekommen; sie hatte zum nächsten
») S. .Ann. d. Hydr. etc.“, 1881, pag. 61-74, 113—123, 231—247, 517—524, 581—593,
641—648; 1882, pag. 129—135, 197—201, 327—335.
*) Diese Stationen sind innerhalb des Nordpolargebietes, vom Meridian von Greenwich be
ginnend und nach Westen fortschreitend: Insel Jan Mayen, Godthaah im südwestlichen Grünland,
Lady Franklin-Hai atn Kennedy-Kanal, Cumberland-Sund (Deutsche Station, an der Westküste der
DaoisStrafse), Große Skloven-See, Jiarrow-Spitze, Lena-Mündung, Didceon-Hafen an der Jenissej-
Mündung, Möller-Hai (Nowaja-Sonlja), Sodankylä (Finnland), Hosnckop (Norwegen), Mossdtai (Spitz
bergen)-, dazu kommt noch als deutsche Sekundärstation ein Ort an der Iscbrador-Küste. In dem Süd
polargebiete werden auf der Insel Süd-Georgien (von Deutschland) und hei Kap Morn Stationen er
richtet. Alle diese Stationsorte sind in der Karte der .Monatlichen Barometerschwankungen etc.“
in Heft V dieser Annalen, 1882, aufgeführt. Uober den jetzigen Stand des Unternehmens der inter
nationalen Polarforschung s. den Vortrag des Kapt, z. See Freiherr von Schleinitz in den Verh.
d. Ges. f. Erdk. zu Berlin, No. 5, vom 7. Mai 1882, pag. 220—229.