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Kleine hydrographische Notizen. 1 )
1. Uebor die Ankerplätze in der Kwaliang - Bucht an der
Südspitze von Formosa 2 ) berichtet der Kommandant S. M. Kbt. „Wolf“,
Kapt.-Lieut. Strauch, dafs im Allgemeinen die ganze Nord- und Ostseite der
Kwaliang-Bucht rnäfsig gute Ankerplätze in der Zeit des NE-Monsuns zu bieten
scheinen. Der beste Ankerplatz für ein Fahrzeug von dem Tiefgang S. M. Kbt.
„Wolf“ befindet sich in einer geringen Ausbuchtung des Ufers mit Sandstrand,
die Mitte dieses letzteren in NO, einen auffälligen und nicht zu verkennenden
Pik in NW'/^N und den Leuchtthurm in SO (1400m ab) peilend, auf 10m Wasser
tiefe. Schilfe mit gröfserem Tiefgaug müssen etwas weiter ab ankern. Der
Ankergrund ist hier nicht sehr gut und besteht aus Sand, mit Korallen vermischt;
mit Rücksicht hierauf und auf heftige, von den Bergen kommende Böen ist cs
erforderlich, mit guten Kettenlängen (80 bis 100m) zu ankern. Sobald be
ständiger Wind zwischen Nord und ENE weht, steht nur geringe Dünung, und
macht das Landen mit einer Jolle keine Schwierigkeit. Sobald jedoch Oät-
bis SE- oder noch südlichere Winde wehen oder es still ist, kommt eine lange
auflandige Dünung auf, und ist ein Landen dann nur mit einem leichten Sampan
angängig. Im SW-Monsun ist eine Kommunikation von See aus wahrscheinlich
ganz ausgeschlossen.
2. Flaschenpost. 1) Von S. M. S. „Nymphe“ wurde am 24. Sep
tember 1880 um 12 h Mittags in 12° 4' N-Br und 20° 56' W-Lg, auf der Reise
von Porto Praya nach Bahia, eine Flasche über Bord geworfen. Diese wurde
am 21. Januar 1882 um 8 h 54 miK a. m. am Strande von Chiltepec, im Golf von
Mexico, von Mr. Antonio Berenguer gefunden. Der in derselben enthaltene
Zettel ist von den Herren Romano & Co. zu San Juan Bautüta de Tabasco,
durch Vermittelung der Herren Gebrüder Oetling in Hamburg, eingesandt
worden. Unter der Annahme, dafs die Flasche am Tage ihres Antreibens ge
funden worden ist, hat sie in ca 485 Tagen einen Weg von ca 4484 Sm in der
Richtung rvv. N 85° 6' W zurückgelegt; da aber dieser Weg über Land führt,
so mufs die Flasche, wenn sie auf direktem Wege dem Laufe der Küste folgend
nach der betreffenden Stelle getrieben ist, einen Weg von ca 4700 Sm zurück
gelegt haben. Hiernach würde dieselbe ca 9 bis 10 Sm in 24 Stunden ge
trieben sein.
2) (D.S.) Durch Vermittelung des Deutschen Konsulates in Belize ist der
Seewarte ein Flaschenpostzettel zugegangen, welcher von der deutschen Bark
„Patagonia“, Kapt. E. H. Hellwege, auf der Reise von Hamburg nach Manila
am 27. Januar 1881 auf 1° 20' N-Br und 25° 30' W-Lg über Bord geworfen
und am 29. Dezember 1881 bei dem Orte DosCocos an der Küste von Yucatan,
40 Sm südlich von der Ascension-Bai, durch den Fischer George Young auf
gefunden wurd e.
Unter den bekannten Voraussetzungen hat die Flasche in 336 Tagen
3819 Sm nach WNW 5 /sW zurückgelegt.
] ) Die mit (ü. S.) bezeiohneten Notizen sind von der Deutschen Seewarte eingesendet.
2 ) S. -The China Sea Directory“, Vol. III (1874), pag. 230.
Gedruckt und in Kommission bei E. S. Mittler & Sohn.
Königliche Hofbuchhandlung.
Kochstrafse 69/70.