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Reise der Deutschen Bark „Louise & Georgine“, Kapt. C. H. Meier,
von Amsterdam nach Makassar, nebst einigen Bemerkungen über
die Route.
(Mittheilung von der Deutschen Seeaxtrte.)
ln dein kürzlich eingelieferten Journal der Bark „Louise if Georgine“
giebt Kapt. C. IJ. Meier den folgenden Reisebericht, den wir hier um so lieber
zum Abdruck bringen, als er Zeugnifs ablegt, dafs die Lehren der neueren
Richtung der Meteorologie bei den Seeleuten Wurzel schlagen uud bereits
Früchte zu tragen beginnen. Die Seewarte ist stets bemüht gewesen, diesen
Lehren Verbreitung zu verschaffen. Sie hat, sowohl in ihren schriftlichen Segel
anweisungen, als in den für die Schiffsführer bestimmten Veröffentlichungen,
stets darauf hingewiesen, dafs das wirksamste Mittel zur Beförderung der
Schiffsreisen in der auf das barischc Windgesetz gegründeten Anschauung zu
suchen ist, indem dieselbe den Sehiffsfiihrer in den Stand setzt, sich eine Vor
stellung von der vorhandenen Wetterlage zu bilden und darauf hin seine Route
nicht blofs den mittleren, sondern, was wichtiger ist, auch den gerade ange
troffenen Verhältnissen anzupassen.
Kapitän Meier berichtet, wie folgt.
Am 14. April 1881 Mittags 1 Uhr verliefsen wir bei frischem SE-Wiudo
den Hafen von Ymuiden. Die Luft war im Südwesten dick und trübe. Der
Wind wurde im Laufe des Nachmittags flau und lief bei zunehmender Bewölkung
auf SW. Aus dieser Richtung wellte es leicht und bei bedecktem Himmel bis
zum 16. April, an welchem Tage der Wind zuerst auf SE und gegen Abend
auf Ost zurückging, ohne indessen an Stärke zu gewinnen. Erst am Morgen
des 17. April, als w'ir uns bei Dungeness befanden, frischte derselbe auf. Am
18. April Mittags standen wir unter Startpoint. Der Wind hatte sich jetzt bis
ENE gedreht uud die Stärke 6 angenommen. Dabei war die Luft stark bewölkt
und sah besonders im Südhorizont sehr trübe aus. Das Barometer war langsam,
aber stetig bis auf 758,6 mm gefallen. Um 8 Uhr Abends peilten die Feuer
von Lizard Nord a. K., etwa 12 Sm entfernt. Nach den obwaltenden Witterungs-
erscheinungen war die Vermuthung berechtigt, dafs über Westeuropa und
möglicherweise auch noch über dem in derselben Breite gelegenen östlichen
Theile des Nord atlantischen Oceans ein Gebiet mit niedrigem Luftdruck lagere,
welches ich mich entschlofs, auf einem westlichen Kurse an seiner Nord- und
später auf einem südlichen Kurse auf seiner Westseite zu umsegeln. Von
Landsend ab mit einem rechtweisend WSW-Kurs fortsegelnd, nahm der Wind
langsam bis zur Stärke 8 zu, ohne zunächst seine ENE-Richtung zu verändern.
Das Barometer, welches zwischen 759 und 7®) mm schwankte, erreichte seinen
niedrigsten Stand bei 758,4 mm am 20. April um 3 1 /» h a. m. in 46° 3(F N-Br
und 10° W-Lg bei trüber, böiger Luft und ENE-Wind, Stärke 5—7. Von hier
ab begann das Barometer langsam zu steigen, und der Wind holte allmählich
nördlicher, bis er in 44,5° N-Br und 14° W-Lg eine nordwestliche Richtung er
langt hatte. Bei stetig steigendem Barometer schwankte der Wind in der
nächsten Zeit zwischen NW und NNE und holte östlich, als in 35° N-Br und
20° W-Lg das Maximum des Luftdrucks mit 776'—777 mm eingetreten war.
Indem auf rw. SzW l /sW-Kurs weiter gesegelt wurde, nahm der Luftdruck
langsam aber stetig ab, und ohne andere nennenswerthe Kennzeichen fand der
Uebergang in den NE-Passat statt. Dieser wehte Anfangs mit erwünschter
Frische. Nachdem jedoch 25° N-Br in 23,5 W-Lg erreicht worden war, bis
wohin die Luftdruckabnahme sich erstreckte, wurde er mäfsig. Indessen blieb
seine Richtung ziemlich unverändert bis zur Breite von St. Antonio, welche
Insel ungefähr 100 Sm westlich passirt wurde. Von hier ab holte der Wind
östlicher und wurde gleichzeitig unbeständiger als bislang. Südlich von den
Kap Ferde’schen Inseln steuerten wir etwas östlich von' Süd, und nachdem
solcher Weise 9° N-Br in 25,5° W-Lg gekreuzt worden war, sank der Wind
zum ersten Mal zur Stärke 1 herab. Er frischte jedoch aus östlicher Richtung
bald wieder zur Stärke 2—3 auf und blieb so bis nach 4,3° N-Br und 25,8° W-Lg,
woselbst mit einer von Süd aufkommenden Böe SE-Wind durchkam.