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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 10 (1882)

1* 
Reise der Deutschen Bark „Louise & Georgine“, Kapt. C. H. Meier, 
von Amsterdam nach Makassar, nebst einigen Bemerkungen über 
die Route. 
(Mittheilung von der Deutschen Seeaxtrte.) 
ln dein kürzlich eingelieferten Journal der Bark „Louise if Georgine“ 
giebt Kapt. C. IJ. Meier den folgenden Reisebericht, den wir hier um so lieber 
zum Abdruck bringen, als er Zeugnifs ablegt, dafs die Lehren der neueren 
Richtung der Meteorologie bei den Seeleuten Wurzel schlagen uud bereits 
Früchte zu tragen beginnen. Die Seewarte ist stets bemüht gewesen, diesen 
Lehren Verbreitung zu verschaffen. Sie hat, sowohl in ihren schriftlichen Segel 
anweisungen, als in den für die Schiffsführer bestimmten Veröffentlichungen, 
stets darauf hingewiesen, dafs das wirksamste Mittel zur Beförderung der 
Schiffsreisen in der auf das barischc Windgesetz gegründeten Anschauung zu 
suchen ist, indem dieselbe den Sehiffsfiihrer in den Stand setzt, sich eine Vor 
stellung von der vorhandenen Wetterlage zu bilden und darauf hin seine Route 
nicht blofs den mittleren, sondern, was wichtiger ist, auch den gerade ange 
troffenen Verhältnissen anzupassen. 
Kapitän Meier berichtet, wie folgt. 
Am 14. April 1881 Mittags 1 Uhr verliefsen wir bei frischem SE-Wiudo 
den Hafen von Ymuiden. Die Luft war im Südwesten dick und trübe. Der 
Wind wurde im Laufe des Nachmittags flau und lief bei zunehmender Bewölkung 
auf SW. Aus dieser Richtung wellte es leicht und bei bedecktem Himmel bis 
zum 16. April, an welchem Tage der Wind zuerst auf SE und gegen Abend 
auf Ost zurückging, ohne indessen an Stärke zu gewinnen. Erst am Morgen 
des 17. April, als w'ir uns bei Dungeness befanden, frischte derselbe auf. Am 
18. April Mittags standen wir unter Startpoint. Der Wind hatte sich jetzt bis 
ENE gedreht uud die Stärke 6 angenommen. Dabei war die Luft stark bewölkt 
und sah besonders im Südhorizont sehr trübe aus. Das Barometer war langsam, 
aber stetig bis auf 758,6 mm gefallen. Um 8 Uhr Abends peilten die Feuer 
von Lizard Nord a. K., etwa 12 Sm entfernt. Nach den obwaltenden Witterungs- 
erscheinungen war die Vermuthung berechtigt, dafs über Westeuropa und 
möglicherweise auch noch über dem in derselben Breite gelegenen östlichen 
Theile des Nord atlantischen Oceans ein Gebiet mit niedrigem Luftdruck lagere, 
welches ich mich entschlofs, auf einem westlichen Kurse an seiner Nord- und 
später auf einem südlichen Kurse auf seiner Westseite zu umsegeln. Von 
Landsend ab mit einem rechtweisend WSW-Kurs fortsegelnd, nahm der Wind 
langsam bis zur Stärke 8 zu, ohne zunächst seine ENE-Richtung zu verändern. 
Das Barometer, welches zwischen 759 und 7®) mm schwankte, erreichte seinen 
niedrigsten Stand bei 758,4 mm am 20. April um 3 1 /» h a. m. in 46° 3(F N-Br 
und 10° W-Lg bei trüber, böiger Luft und ENE-Wind, Stärke 5—7. Von hier 
ab begann das Barometer langsam zu steigen, und der Wind holte allmählich 
nördlicher, bis er in 44,5° N-Br und 14° W-Lg eine nordwestliche Richtung er 
langt hatte. Bei stetig steigendem Barometer schwankte der Wind in der 
nächsten Zeit zwischen NW und NNE und holte östlich, als in 35° N-Br und 
20° W-Lg das Maximum des Luftdrucks mit 776'—777 mm eingetreten war. 
Indem auf rw. SzW l /sW-Kurs weiter gesegelt wurde, nahm der Luftdruck 
langsam aber stetig ab, und ohne andere nennenswerthe Kennzeichen fand der 
Uebergang in den NE-Passat statt. Dieser wehte Anfangs mit erwünschter 
Frische. Nachdem jedoch 25° N-Br in 23,5 W-Lg erreicht worden war, bis 
wohin die Luftdruckabnahme sich erstreckte, wurde er mäfsig. Indessen blieb 
seine Richtung ziemlich unverändert bis zur Breite von St. Antonio, welche 
Insel ungefähr 100 Sm westlich passirt wurde. Von hier ab holte der Wind 
östlicher und wurde gleichzeitig unbeständiger als bislang. Südlich von den 
Kap Ferde’schen Inseln steuerten wir etwas östlich von' Süd, und nachdem 
solcher Weise 9° N-Br in 25,5° W-Lg gekreuzt worden war, sank der Wind 
zum ersten Mal zur Stärke 1 herab. Er frischte jedoch aus östlicher Richtung 
bald wieder zur Stärke 2—3 auf und blieb so bis nach 4,3° N-Br und 25,8° W-Lg, 
woselbst mit einer von Süd aufkommenden Böe SE-Wind durchkam.
	        
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