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geführt werden konnte. In den nächsten Tagen drehte der Wind innerhalb
24 Stunden mehrfach ganz um die Kompafsi'ose, und häufig einsetzende Böen
geboten namentlich während der Nacht eine vorsichtige Segelführung, so dafs
das Vorwärtskommen sehr mäfsig war, wozu auch noch ein schwerer SW-Sturm
in der Nacht vom 1. zum 2. Januar 1882 und die von ihm aufgewühlte hohe
See beitrugen. Dieser Sturm hielt nur 12 Stunden an, und folgte ihm eine
ebenso lange dauernde Windstille und dann eiue leichte östliche Briese.
Vom 3. auf den 4. Januar wiederholte sich ein zehnstündiger von Süd
bis SE drehender Sturm, und erst dann kam wieder ein güustiger NW-Wind
durch, der bis zum 6. Januar anhielt. An diesem Tage sprang während eines
Gewitters auf der Mittelwache der aus Nord, Stärke 7, wehende Wind plötzlich
auf Süd um, lief dann noch einmal um die ganze Rose und setzte sich auf
West fest, in welcher Richtung er bis zum 9. Januar blieb. Am 9. Januar
wehte abermals ein neuer SW-Sturm, der durch Böen von Stärke 8 eingeleitet
wurde, Anfangs aus WSW, dann aber bei langsam fallendem Barometer aus
SW kommend. Um 10 h a. m. erreichte der Sturm bei 739,6 mm seine gröfste
Stärke, das Schiff lag unter Grofsmarssegel, Sturmfock und Sturrnbesan bei.
Nachmittags ging der Wind abflanend über Süd nach SE, und trat gegen Abend
wieder Stille ein, der am 10. und 11. Januar wieder leichte Winde aus allen
Richtungen und kurze Windstillen folgten. Bei leichtem Südwinde wurde am
11. Januar Morgens Land gemacht und durch Peilung von Kap San Francisco
und Wood Mount die Richtigkeit des beobachteten Bestecks gefunden. Am
Abend kamen wiederholt Böen von Stärke 8 durch, tlieilweise so überraschend,
dafs ein Abhalten nicht mehr möglich war; dann trat wieder Windstille ein.
Bei diesigem Wotter kam gegen 6 h p. m. die Küste nördlich von Kap
Virgin« in Sicht, und wurde dieses Kap um 8 h in West querab gepeilt. Um
9 h wurde auf der Rhede von Dungeness, auf 20m Wasser, in den Peilungen:
K Dungeness-B&ka SSW 6 /sW, Kap Virgins N'/sW“ geankert.
Während der Reise von Montevideo nach der Magellan-Strafse hatte der
Strom mit einer einzigen Ausnahme nordöstlich, zwischen 4 und 23 Sm wechselnd,
durchschnittlich 15 Sm im Etmal gesetzt. Näher unter Land war er meist
geringer, als im gröfseren Abstande, auch liefs die Wassertemperatur zu
verlässig auf den Strom schliefsen. Sie nahm, je weiter nach Süden, umsomehr
ab, und war näher an Land höher, als weiter nach See zu.
Auf der Rhede von Dungeness wehte während der Nacht ein starker,
von Nord nach West drehender Wind. Strombeobachtungen, die halbstündlich
angestellt wurden, ergaben einen Fluthstrom nach WzN, im Maximum von 1 */* Sm.
Um 3 1 * 30 m a. m. am 13. Januar wurde wieder Anker gelichtet und gegen
einen starken WSW-Wind die Reise fortgesetzt. Der Wind hatte eine kurze
See aufgeworfen, die zeitweise über Deck gefegt wurde, und als er gegen
Mittag die Stärke 10 erreichte, hatte er fast das Vorwärtskommen in Frage
gestellt. Winkolmessungen ergaben Vormittags eine Fahrt von etwa 6Sm über
den Grund. Der Strom setzte in der PoMmion-Bueht auf die Orange-Bank zu,
auf welcher die in den Karten angegebene Tonne fehlte. 1 ) Gegen Mittag
wurden die First Narrows, gegen 5 h p. m. die Second Narrows und zwei Stunden
später der Queen Channel passirt. Um 9V* h P- m. wurde auf der Rhede von
Punta Arenas auf 22 m Wasser geankert.
Auf dieser Rhede blieb das Schiff bis zum 16. Januar Morgens und lichtete
dann um 7 Uhr Anker. Die Reise wurde bei frischem SW fortgesetzt und
um 2 h p. m, Kap Froward. passirt. Von hier ab flaute der Wind fast gänzlich
ab, so dafs noch um 8 h p. m. die Bor ja-Wicht erreicht wurde, in der das Schiff
bis zum folgenden Morgen 3 h blieb. Abends kam ein Boot mit Eingeborenen
längsseit; die Männer kamen an Deck, bettelten um Tabak und zogen dann
wieder ab.
Während der Nacht war der Wind sehr flau gewesen, doch frischte er
bald, nachdem der Anker gelichtet war, wieder stark auf und erreichte um
9 h a. m. die Stärke 11. Um 10V2 b a. in. lief das Schiff in Port Angosto ein, in
welchem es sehr geschützt lag. Am 18. Januar wurde um 5 h a. m. wieder
Anker gelichtet und in den Sea Reach hineingesteuert. Von See her stand eine
1) Vgl. „Nachr. f. Seef“, 1880, No. 1037.
A»0. ä- Hydr. etc., 1882, Heft VI.
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