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Ein aufserdem von einem Fabrikanten eingeliefertes Chronometer ist, da
dasselbe, wie sich im Laufe der Konkurrenz herausstellte, augenscheinlich
schadhaft war, in dieses Verzeichnis nicht mit aufgenoinmen worden.
Die Chronometer wurden die Untersuchungszeit hindurch jeden zweiten
Tag um 10 Uhr Vormittags von dem Abtheilungsassistenten, Herrn Ambronn,
mit der Normaluhr der Sternwarte vermittelst des Registrirapparates auf chrono-
graphischem Wege verglichen, aufserdem wurde von dem Observator der Stern
warte, Herrn Dr. Schräder, an jedem Dekadentage, zwischen 10 und 11 Uhr
Vormittags, eine zweite unabhängige Vergleichung zur Herstellung der erfor
derlichen Kontrole ausgeführt; die zur Ermittelung des Standes der Normaluhr
nothwendigen Zeitbestimmungen wurden diesmal von Herrn Ambronu in sehr
umfassender Weise am Passagen-Instrumente der Sternwarte angestellt.
Bei der Prüfung der Uhren wurde wie bisher das in den Protokollen
über die Sitzungen der Chronometer-Konferenz vom 18. bis 20. März 1878 zu
Hamburg festgesetzte Verfahren genau innegehalten, und es wurden die
Temperaturen, denen die Uhren exponirt wurden, in 10- resp. 20tägigen Inter
vallen von 5 zu 5 Grad variirt, die Instrumente somit folgenden mittleren
Temperaturen: 5, 10, 15, 20, 25, 30 Grad Celsius, wobei jede im Ganzen durch
eine Gesammtsummo von 30 Tagen repräsentirt ist, ausgesetzt. Auf die
Innehaltung dieser Temperaturen wurde besondere Sorgfalt verwendet, und cs
betrug die niedrigste an den meteorologischen Instrumenten abgelesenc Dekaden
temperatur -f- 3,7, die höchste + 30,9 Grad. Die Schwankungen in den Tages-
temperaturon waren gleichfalls sehr geringe, es überstiegen die Differenzen der
an den Maximum- und Minimum-Thermometern abgelesenen Temperaturen für
denselben Tag nur in seltenen Fällen den Betrag von 1 Grad, nur am 23. De
zember und 21. Februar kamen gröfsere, bis zu 4 Grad ansteigende Unter
schiede vor.
Die Prüfung der Uhren in der Minimaltemperatur von -f- 5 Grad wurde
auf die Tage Januar 1 bis 31 verlegt, und es konnte bei derselben, da die
Witterung die Untersuchungen im Allgemeinen begünstigte, an den meisten
Tagen von der Erzeugung künstlicher Kältetemperaturen Abstand genommen
werden, auch wurden die Uhren während der Dauer der Untersuchung von dem
ihnen zu Anfang derselben angewiesenen Orte nicht entfernt.
Die aus der Vergleichung mit der Normaluhr resultirenden Gänge wurden
zu lOtägiger Gangsummc vereinigt und die betreffenden Beträge in die nach
stehenden Gangtabellen I und II eingetragen. Während Tabelle I (pag. 352
u. 353) dieselben nach der Zeit geordnet enthält, giebt Tabelle II (pag. 354
n. 355) dieselben nach den Temperaturen geordnet an, bei welchen die Uhren
in den einzelnen Dekaden untersucht wurden. Wie bei den vorhergehenden
Konkurrenzprüfungen wurde auch diesmal gleichzeitig mit den Chronometern
ein Thermochronometer oder nicht kompensirtes Chronometer mit der Normaluhr
verglichen und die vou letzterem gegebenen Dekadengänge, als die den jedes
maligen Mittcltempcraturen entsprechenden, bei der Anordnung der Tabelle II
zu Grunde gelegt. Unter der Rubrik, welche diese in Sekunden ausgedrückten
Werthe enthält, folgen alsdann die aus den täglichen Ablesungen der meteoro
logischen Instrumente gebildeten mittleren Temperaturen und hierauf die
während des Verlaufs der Dekade abgelesenen Temperatur-Extreme.
Dem Konkurrenzausschreiben der Direktion der Seewarte und den für die
Ankäufe der Kaiserlichen Marine festgesetzten Normen entsprechend, sind die
Chronometer ihrer Güte nach so geordnet, dafs dasjenige Chronometer, bei welchem
der Unterschied zwischen dem gröfsten und dem kleinsten Gauge (Betrag A)
plus dem doppelten Betrage der grösften lOtägigen Gangschwankung zwischen
zwei auf einander folgenden Dekaden (Betrag 2 B) ein Minimum ist, die erste
Stelle in der Prüfungsliste einnimmt, und die anderen Uhren je nach der
Zunahme dieser numerischen Werthe nachfolgen.
Die Maximal- und Minimalgänge sind in Tabelle II bei den einzelnen
Chronometern in den Dekadenrubriken durch ein Sternchen (*) bezeichnet und
aufserdem, auf die nächsten Zehntheile der Sekunde abgerundet, in diese Tabelle
in ihrer Gesammtwirkung — gröfster Gang minus kleinster Gang - eingetragen,
während die Zeiten der gröfsten auf einander folgenden Schwankungen in den
Dekadengängen in Tabelle I für die verschiedenen Chronometer zwischen zwei
Ana. a. Hy,Ir. ot<\, ISS?, Haft VI. 4