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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 10 (1882)

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Wirbel nach Norden bin offen ist. Eine Trennung zwischen solchen sekundären 
und den primären Minima läfst sich nicht durchführen, da sie alle möglichen 
Uebergänge zwischen sich darbieten; selbst eine getrennte Zählung, welche 
gewifs von Interesse wäre, erschieu noch mit zu viel Willkür verbunden, um 
bei dem geringen Material mafsgebende Resultate zu liefern. Die Existenz von 
zwei getrennten Gebieten gröbster Häufigkeit der barometrischen Minima im 
westlichen Theile des Nordatlantisehen Occans lindet ihre überraschende Be 
stätigung in einer älteren, nach ganz anderem Material gemachten Untersuchung 
des niederländischen meteorologischen Instituts über die Vortheilnng der Stürme 
auf diesem Ocean, welche gleichfalls, und zwar sowohl im Winter als im Sommer, 
zwei Gebiete gröfsteu Sturmreichthums in etwa 40° und 65° W-Lg ergab, mit 
einer ruhigeren Zwischenregion in etwa 50° Hänge. Der Zusammenhang ist 
deutlich, denn wiewohl lange nicht alle barometrischen Minima von Sturm be 
gleitet sind, so haben die meisten Stürme in gewisser, nicht zu grofser Ent 
fernung von sich — iu diesen Breiten des Oceans gewöhnlich auf ihrer NW-, 
Nord- oder NE-Seite — ein barometrisches Minimum. In der .Eingangs er 
wähnten Arbeit über die Witterungs Verhältnisse der Monate Januar bis März 
1878 („Archiv der See warte“, III) habe ich ferner nachgewiesen, wie in den 
beiden hier als Strahlungsgebiete bezeiehncten Gegenden — dem St. Lorenz-Golf 
und dem Ocean in der Nähe von 36° W-Lg und 51° N-Br — besonders häufig 
die barometrischen Depressionen rapiden Umbildungen unterworfen sind und 
ihre reguläre Ostwärtsbewegung unterbrechen. 
Bei den Stürmen an der deutschen Küste liegt das zugehörige baro 
metrische Minimum in der Regel in dem Strahlungsgebiet über dem Skagerrak 
und den schwedischen Seen (SW- bis NW-Stürme) oder in dem sekundären 
nördlich von Schottland (Süd- und SW-Stürme), bei NW-Stürmen in der Ostsee 
auch nicht selten in demjenigen am Eingang des Finnischen Meerbusens. In 
der Gegend der schwedischen Seen sind ebenso, wie wir dieses von der Um 
gebung der westlichen Strahlungspunkte erster Ordnung erwähnten, wiederholt 
sehr ausgesprochene Westwärtsbeweguugon von Depressionen beobachtet, am 
auffälligsten bei der grofsen Depression im September 1876. 
Als Strahlungsgebiete zweiter Ordnung spielen in Europa, aufser den 
beiden eben genannten, namentlich die Gegend vor dem Eingang des St. Georgs- 
Kanals und die Umgebung von Corsica eine noch näher zu erwähnende Rolle; 
inwieweit ein solches auch auf dem Schwarzen Meere auzunehmen ist, darüber 
läfst sich noch wenig sagen, da der Mangel von Beobachtungen iu Kleiuasien 
die Zeichnung von Bahnen der Minima in diesen Gegenden nur theilweise 
gestattet. 
Im Westen bildet Dakota und Umgebung ein wichtiges Strahlungsgebiet 
für Depressionsbahnen, die von hier nach Ost, ESE und in der kälteren Jahres 
zeit auch nach SE oder SSE wandern; ob der Durchschnittspunkt mehrerer 
grofser Zugstrafsen, welchen unsere Karte in 45° W-Lg und 43° N-Br zeigt, 
eine wirkliche Bedeutung besitzt, müssen weitere Untersuchungen lehren; iu 
der Zusammenstellung über die Häufigkeit der Minima giebt sich dieser Punkt 
bisher nicht zu erkennen. 
Das Gebiet, wo die Häufigkeit der barometrischen Minima über 20 be 
trägt, zieht sich von Westen her als langes Band vom Felsengebirge über Neu 
schottland nach Island und bildet von da Verzweigungen einerseits nach der 
Davis-Strafse, andererseits nach den Meeren nördlich und südlich der skandi 
navischen Halbinsel. Gebirge, weit entfernt davon, die Depressionen anzuzieben, 
stelleu Gebiete geringster Häufigkeit der Wirbelcentren dar; sehr bemerkens- 
werth und, wie es scheiut, hinreichend festgestellt ist die relative Seltenheit 
der Depressionscentren auf dem östlichen Theile des Oceans, westlich von den 
britischen Inseln. Die häufigeu SW-Winde der letzteren gehören also in der 
Regel sehr grofsen Depressionen an, deren Centren weit im NW und Nord zu 
suchen sind. 
Was nun die Zugstrafsen der Minima selbst betrifft, so sehen wir sie 
mit wenigen Ausnahmen nach der östlichen Seite des Horizonts und dabei vor 
wiegend mit einer Neigung gegen den Pol hin gerichtet, im Einzelnen aber die 
Strahlungspunkte unter einander in sehr mannigfacher Weise verknüpfend. Die 
Frequenz dieser Zugstrafsen steht keineswegs in einem direkten Verhältnis zur
	        
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