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Erläuterungen zur Karte der Häufigkeit und mittleren Zugstraisen
barometrischer Minima zwischen Felsengebirge und Ural.
Von Dr. W. Klippen.
(Mit Tafel No. IC.)
In dom Jahresberichte des Leiters der großartigen uordamcrikauischen
Institution für Wettertelegraphie (des „Chief Signal Ofiieer“) vom Jahre 1874
ist eine Reihe durch den Lieut. Jackson hergestellter Karteu veröffentlicht,
welche für die Vereinigten Staaten (östlich vom Felsengebirge) und Canada
die mittleren Zugstrafsen der barometrischen Minima für die 12 Monate nach
dreijährigen Beobachtungen darstellen. Das Verfahren kann zwar auf Schärfe
keinen Anspruch machen, liefert jedoch ein sehr einfaches und werthvolles
Hülfsmittel, um in das Gewirr der Depressionsbahnen Klarheit und Ueber-
sichtlichkeit za bringen. Es beruht auf der, bei anhaltendem Studium synoptischer
Wetterkarten sich aufdrängenden Erkenntniß, dafs die barometrischen Minima,
welche als Centren cykionaler Windsysteme die Witterung der höheren und
mittleren Breiten so mächtig beeinflussen, bei ihrer vorwiegend von West nacli
Ost gerichteten Bewegung nicht regellos über die ganze Zone verstreut vor
rücken, sondern gewisse Zugstrafsen bevorzugen, die sich den physikalischen
Bedingungen, insbesondere der Vertheilung von Land und Wasser, ansehmiegen,
in ähnlicher Weise, wie dieses in neuerer Zeit für die jährlichen Wanderungen
der Zugvögel erkannt ist. Es ist deshalb dasselbe — und zwar der Vergleich
barkeit wegen möglichst genau dasselbe — Verfahren ’) von mir auf Europa
(Anfang 1879) angewandt bei der Ausarbeitung der „Wissenschaftlichen Er
gebnisse aus den Monatlichen Uebersicliten der Witterung, Jahrgang I und II“,
welche Abhandlung dem Jahrgang 1877 der letzteren Publikation der Seewarte
beigegeben ist und n. A. Karten der mittleren Bahnen der barometrischen
Minima für die zwölf Monate und die vier Jahreszeiten enthält.
Um dieselbe Zeit veröffentlichten Herr Prof. E. Loomis und Herr Kapt.
Hegemann Arbeiten über die vorherrschende Lage und Bewegung der De
pressionen auf dem nördlichen Theile des Atlantischen Oceans (vgl. „Ann. d.
Hydr. etc.“, 1879, pag. 141—146 und pag. 58—63), in welchen sie beide an
der Hand der synoptischen Karten von Hoffm eyer Durchschnittswerthe der
geographischen Breite berechneten, entweder für die Schnittpunkte der Bahnen
der amerikanischen Depressionen, welche Europa erreichen, mit den Meridianen
60° West, 30° West und 0° (Loomis, für das ganze Jahr) oder für sämmt-
liche in je einen Abschnitt von 10° Länge fallenden Minima, ohne Rücksieht
auf ihren Weg (Hegemanu, für deu Winter). In dem Aufsatz von Kapitän
Hegemann, welcher ausschliefslieh praktische Zwecke der Schiffsführung ver
folgt, sind übrigens die numerischen Daten nicht aufgeführt, sondern nur durch
eine Kartenskizze annähernd veranschaulicht; in der Arbeit von Loomis sind
dagegen sowohl für die 36 Einzelfälle als für deren Mittel die Schnittpunkte
mit obigen Meridianen und die Tiefe der Depression angegeben.
Etwa ein Jahr später veröffentlichte Herr Direktor Hoffmeyer eine Arbeit
über die Depressionen des Nordatlantischen Oceans, über welche in dieser Zeit
schrift, Jahrgang 1880, pag. 292—306, ausführlich referirt ist; in derselben wird
dasselbe Ziel, die Aufstellung mittlerer Bahnen dieser Phänomene, für den Ocean
nach einer in manchen Stücken abweichenden Methode verfolgt; während näm
lich in den am „Signal Office“ und von mir angestelltcn Untersuchungen die
physiognomische Aehnlichkeit der Bahnen und ihre nahe Nachbarschaft resp.
die Zwischenlagerung von schwach frequontirten Gebieten bei der Bildung der
Gruppen leitend war, hat Herr Hoffmeyer es vorgezogen, diese Gruppen
nach festen, im Voraus bestimmten Grenzen in Breite und Länge zu bilden; die
unvermeidliche Willkür wird hei diesem Verfahren aus der Behandlung der
Einzelfälle in die Wahl der Grenzen verlegt, wodurch einerseits allerdings der
wesentliche Vortheil erreicht wird, die befolgte Methode genau angeben zu
können, andererseits aber auf die Bildung natürlicher Gruppen aus dem Material
b Das Verfahren findet sich angegeben in „Ann. Rep. of the Chief Sign. Off. 1874“, pag. 90,
und in Deutsche Seewarte: „Monatl. I elx-rs.', 1877, Eini. pag. 8.