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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 10 (1882)

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Die Meeresoberfläche war also im Durchschnitt um fast 5° wärmer, als 
die Luft, und zwar bei Ostwind, welcher dieser letzteren keine Wärme zuführen 
konnte; die Temperatur des Meeres war mithin die Quelle der oben erwähnten 
höheren Temperatur der Lul't über dem Meere im Vergleich zu den östlicher 
gelegenen Kiistonpunkten. 
Nach Kapt. Otto’s Angaben über den Unterschied zwischen dem Besteck 
und der am 4. und 5. Dezember beobachteten astronomischen Position stellte 
sich heraus, dafs der Strom das Schiff in 13 bis 14 Tagen 2° 10' nach Norden 
und 1° 3' des gröfsten Kreises gegen West geführt hatte; hieraus ergiebt sich 
die Richtung der Strömung nach NNW mit einer Geschwindigkeit von 0,445 Srn 
die Stunde. Hierdurch ist auch das Vorhandensein einer nördlichen Strömung 
im Meere, welche infolge der vorherrschenden östlichen Winde zum Theil nach 
Westen abgelenkt wurde, erwiesen, und in diesem von Süden berkommenden 
warmen Strom zugleich die Ursache der hohen Temperatur der Meeresober 
fläche gefunden. 
Die von Bravais und Martins in den Monaten Juli und August der 
Jahre 1838 und 1839 auf dem Schiff „La Recherche“ zwischen 70°—797s° N-Br 
und 9°—23Vs“ O-Lg, in welches Gebiet auch diejenigen des Kapt. Otto auf 
dem „Albert“ fallen, ausgeführten Tiefsee-Temperatur-Beobachtungen (s. „Aun. 
d. Hydr. etc.“, 1882, pag. 133) haben erwiesen, „dafs im Sommer warmes 
Wasser, ohne bis unter 0° abgekühlt zu sein, die ganze Tiefe des Meeres 
zwischen Norwegen, der ßdmt-lusel und Spitzbergen ausfüllt“ (vgl. diese An 
nalen 1881, pag. 590 sub 5). Aus den oben mitgetheilten Beobachtungen von 
Kapt. Otto geht nun hervor, dafs auch zu Anfang des Winters ein warmer 
Meeresstrom westlich von der Thmm-Insel nach der Westküste Spitzbergens 
hinaufgeht. 
Der eifrige und stets opferwillige Förderer der deutschen Polarforschung, 
der am 20. Mai d. J. verstorbene Rheder Albert Rosenthal in Bremen, hatte 
bereits i. J. 1868 zwei seiner Schiffe, den obenerwähnten Dampfer „ Albert“ und 
den „Bienenkorb“, in das europäische Nordmeer zwischen Grönland und Spitz 
bergen ausgesandt, um in diesem aufser dem Robben- und Walfischfang auch 
noch Beobachtungen über die Eisverhältnissc anzustellcn.*) In dem folgenden 
Jahre, 1869, machten dieselben Schifte Fahrten in dcu Meeren westlich und 
östlich von Spitzbergen, bei welchen von den an Bord befindlichen Gelehrten 
wissenschaftliche Beobachtungen über verschiedene physisch-occauischo Erschei 
nungen gemacht wurden. Den „Bienenkorb“, Kapt. Hägens, begleitete auf seiner 
Fahrt vom 21. Februar bis 21. August 1869 von Bremerhaven bis ca 78V*° N-Br 
und von da zurück nach Bremerhaven als Physiker und Astronom Dr. F. J. Dorst 
aus Jülich, welcher während dieser ganzen Zeit stets auf See unausgesetzt 
zweistündliche Beobachtungen ausführte. Von diesen theilt Petormann in 
seiner trefflichen Arbeit über den Golfstrom in den „Geogr. Mitth.“, 1870, 
pag. 214, die zweistündlich während des Monats Juli beobachteten Temperaturen 
der Luft und dos Meeres mit; wir entnehmen diesen Angaben hier die Mittel- 
werthe in °C. für je zwei Stunden vom 1. bis 31. Juli 1869 innerhalb von 
71° 40'—74° 40' N-Br und 8° ÖO'—13° 10' W-Lg. 
p 
Luft 
Meer 
Luft 
Meer 
Mitternacht 
gl» n. re. 
4)1 . 
C h „ 
1 » h „ 
10» „ 
0,16 
0,18 
0.24 
0.39 
0.64 
0,88 
0,29 
0,33 
0,41 
0,39 
0,46 
0,43 
Mittag 
2» p. re. 
4 h „ 
6» „ 
8'« • 
10» * 
0,88 
0,90 
0,84 
0,82 
0,58 
0,31 
0,41 
0,45 
0,52 
0,48 
0,55 
0,36 
¡1 _ 
Mittel 
Differenz 
0,58 
0,16 
0,42 
Hieraus folgt, dafs im Juli das Meer au der Oberfläche von 6 v a. m. bis 
8 h p. m. kühler und von 10 h p. in. bis ö» a. m. wärmer ist, als die Luft. Ungefähr 
um 6 h a. m. und zwischen 8' 1 und IO 11 p. m. sind die Temperaturen von Luft und 
i) Vgl. hierüber Petermann's „Mittheilungen 1 *, 1368. pag. 366 —369.
	        
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