295
Erwähnenswert^ ist, dal's die Lotsen bei Hochwasser die Schiffe über
den westlich vom Kinpai-Tdis liegenden Middle-Ground hinwegführeu. Das für
das Fahrwasser um diesen Middle-Ground als Leitmarke angegebene Fährhaus
ist übrigens sehr schlecht aufzufinden, da noch verschiedene andere Häuser auf
dieser Insel stehen und dasselbe als Fährhaus nicht gut zu erkennen ist.“
6. Reise von Foochow nach Nagasaki (Dezember 1881 bis Januar 1882).
„Am 23. Dezember um 9 h 30™ a. m. verliefs ich mit S. M. S. „ Hertha*
Pagoda Anchorage. Die sehr östliche Richtung des Windes, welcher durch seine
Stärke und den Seegang das rechtzeitige Passiren der äufserou Barre des Min-
Flusses sehr erschwerte, schlofs im Verein mit dem zu erwartenden starken
südwestlichen Strome die Möglichkeit aus, dafs S. M. S. „Hertha“ mit eiuem
Schlage nördlich frei von Formosa passiren könnte, wodurch dasselbe zu einem
längeren und, nach den auf der Reise von Amoy nach Foochow gemachten Er
fahrungen, aller Wahrscheinlichkeit nach vergeblichen Kreuzen gegen Wind und
Strom in der 7‘Vmosa-Strafse gezwungen worden wäre. Ich ging aus diesem
Grunde nach dem Passireu der äufseren Barre des 37m-Flusses unter dem
Schutze der Insel Matsou wieder zu Anker, um günstigeren Wind abzuwarten.
Am ¿5. Dezember Morgens mit NNE-Wind verliefs ich den Ankerplatz,
dampfte zwischen den nördlich liegenden Inseln auf und steuerte zwischen den
Gordon- und Dipfo-Inseln, nördlich von Larne- und Tung-ying-lnacln passirend,
beim Winde östlich, bis ich die Gewifsheit hatte, die Formosa • Strafse passirt
zu haben.
Das Kreuzen gab in den ersten Tagen wenig befriedigende Resultate;
da eine Stromversetzung in nordöstlicher Richtung, wie sie nach Angabe der
Karte vorhanden sein soll, nicht gefunden, im Gegcntheil das Schiff fast südlich
versetzt wurde, auch der Wind sehr nordöstlich blieb, wurden in zweimal zwei
Tagen je nur wenig über 70 Sm in der Kursrichtung zurüekgelegt, und die
Inseln ¡loa-pin-su und Ti-a-usu verschiedentlich in Sicht gelaufen.
Im späteren Verlauf der Reise fand ich leidlich günstige Windverhältnisse.
In den nächsten 'lagen gestattete der nördlich gewordene Wind mehrere lange
Schläge nach Osten zu machen, wodurch in der Kursrichtung gröfsere Etmale
erzielt wurden. Auch die folgenden Etmale blieben im Allgemeinen befriedigend
dadurch, dafs der Wind später auf Ost drehte, so dafs S. M. S. „Bertha“ mit
nördlichem Kurse am 3. Januar 1882 Quelpart iu Sicht lief; hierauf wurde der
Wind wieder nordnordöstlich. Mit diesem Winde konnte Nagasaki mit raumen
Schooten aDgesteuert werden, und ankerte ich daselbst am 5. Januar um 2 L p. m.
Ueber die auf dieser Fahrt angetroffenen Wind- und Stromverhältnisse
ist zu bemerken, dafs der Wiud nur selten und dann nur auf kurze Zeit leicht,
meist mittelstark, bezw. recht kräftig auftrat, so dafs verschiedentlich nur
doppelt, bezw. auch dreifach gereffte Marssegel geführt werden konnten. Die
Richtung war in den ersten Tagen nordöstlich, wurde dann nördlich bis NWzN
und später östlich bis EzS. Der zwischen Shanghai und Nagasaki erwartete
nordwestliche Wind blieb aus, dagegen war hier der Wind am letzten Tage (5. Jan.)
nordöstlich. Der Seegang war meist der Windstärke entsprechend, zeitweise nicht
unbedeutend, nur während des östlichen Windes war auffallend glattes Wasser.
Der Eintritt in den Kwro-siwo markirte sich durch bedeutendes Steigen
der Oberflächentemperatur des Seewassers von 15° auf 24° C., welches gleich
zeitig eine wesentliche Erhöhung der Lufttemperatur mit sich brachte. Mit dem
Steigen der Temperatur stieg auch das specifische Gewicht des Wassers. Die
in der Karte angegebene nordöstliche Stromversetzung wurde übrigens, wie oben
angeführt, nicht gefunden; der Kuro-siwo setzte vielmehr, entsprechend den
Angaben der Wind- und Stromkarten, in der Nähe von Formosa iu sehr süd
licher Richtung südöstlich; nördlich von dieser Strecke, von etwa 26° bis27° 30'
Breite, war die Versetzung überhaupt nur schwach, in der Nähe der Van Diemens-
Strafse fast östlich. Bemerkenswerth ist die südlich der Insel Quelpart vom
3. bis 4. Januar erfahrene Versetzung in westnordwestlicher Richtung.
Das Barometer stand den Windverhältnissen entsprechend hoch, variirte
zwischen 769,4 und 775,3 mm; das Wetter war zwar vielfach regnerisch, doch
immerhin so günstig, dafs nur an zwei Tagen kein Mittagsbesteck erhalten
wurde.“