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der Ostseite der lusel in der Nähe der Passage angelegt hat, wegen des dunklen
Hintergrundes erst aus grofser Nähe wahrzunehmen.*)
Wind und Wetter waren in Jaiuit vom 17. bis 22. Mai sehr unbeständig,
der Himmel häufig stark bewölkt, Regenschauer und Regenböen nicht selten.
Einige Male kam kräftiger Ostwind durch, der indefs nicht lange anhielt
und nach den Angaben der Bewohner der Insel sich nicht weit in See er
strecken soll.
Am 22. Mai 7 h a. m. verliefs S. M. S. „Hertha“ durch die SO-Passagc
den Hafen und steuerte zwischen der Ralik- und Ratfak-Keiio nördlich. Der
leichte südöstliche Wind, welcher draufsen vorgefunden wurde, drehte schon im
Laufe des Tages nach Norden und frischte am nächsten Tage auf ca 8° N-Br
so weit auf, dafs ich unter Dampf und Segel noch bei Tage die Insel Rongelab*)
in Sicht steuern konnte. Nach dem Passiren dieser Insel wurde direkter Kurs
nach Yokohama eingeschlageu.
Von 10° bis 19° N-Br hatte der NE-Passat bei häufig ziemlich nörd
licher Richtung seine gröfsto Stärke durchschnittlich 4 und förderte die Reise
im Durchschnitt von 140 Sm im Etrnal in befriedigender Weise; nördlich von
19° N-Br war er indefs in Uebereinstimmnng mit den Angaben S. M. S. „ Vineta“
uud „Leipzig“ („Ann. d. Hydr. etc.“, 1876, pag. 492, und 1878, pag. 495) sehr
flau und wurde häufig südlich, sogar westlicher als Süd.
Am 4. Juni, auf ca 23° N-Br, verlor der Himmel sein PassatausseheD,
wenngleich der schwache Wind noch vorläufig östlich blieb nnd erst am 6. Juui
auf 26° N-Br und 146,5° O-Lg leichter südwestlicher Wind cinsetzte.
ln den nächsten Tagen wurde dieser Wind westlich, frischte gleichzeitig
auf und drehte am 8. Juni bei Windstärke 6—7 ziemlich schnell nach Nord
und NE, ohne dafs das Barometer besondere Schwankungen zeigte. Auf NE
flaute der Wind am 10. Juui gänzlich ab.
Am 12. Juni mit Tagesanbruch waren die Inseln Miakl und Mikura in
Sicht. Gleichzeitig setzte frischer SW-Monsun ein, wodurch es möglich wurde,
unter Dampf und Segel noch am selben Tage die Rhede von Yokohama zu
erreichen. S. M. S. „Hertha“ ankerte daselbst 5 h 30™ p. in.
Das Wetter während der ganzen Reise war fast durchgängig sehr schön,
die Passate brachten wenig Regen, der SE-Passat fast nur in der ersten Zeit
und dann nur Nachts. Auch im NE-Passat waren Regenböen selten und, wie im
SE-Passat, nur kurz uud von geringer Windstärke. Nur im Acquatorial-Stillen-
gürtel, welcher auf ungefähr 2°—6° N-Br gefunden wurde, gab es einige,
immerhin verhältnifsmafsig wenige, kräftige Regenschauer.
Das Barometer stand während der ganzen Zeit sehr gleiehmäfsig hoch
uud zeigte namentlich stets sehr regelmäfsige tägliche Schwankungen.
Bis 14° N-Br hielt sich der Luftdruck zwischen 760 und 764mm, mit
Ausnahme der Tage in Jaiuit, wo im Durchschnitt ein um 1mm niedrigerer
Stand beobachtet wurde, als in See.
Von 14° N-Br an stieg der Luftdruck auf 763 bis 767mm uud hielt sich
so mit geringen Schwankungen bis zur Ankunft in Yokohama.
Die Stromversetzung, welche S. M. S. „Hertha“ während der Reise erfuhr,
war ganz entsprechend den in den Stromkarten angegebenen. Von Apia bis
ungefähr 4,5° N-Br ergab sich infolge des Passatdriftstromes eine westliche
Versetzung im Durchschnitt N 87° W 16,7 Sm pro Tag. In den Aequatorial-
strom trat S. M. S. „Hertha“ auf ungefähr 4,5° N-Br ein; derselbe erstreckte
sich bis gegen 9° N-Br und versetzte das Schiff im Mittel in der Richtung NO
11,1 Sm im Etoial, zeigte übrigens keine Temperaturunterschiede mit dem
ersteren.
Dagegen war der Eintritt in den nördlichen Passatdriftstrom durch ein
Fallen der Oberflächentemperatur um 2° bis 3° C zu bemerkeu, auch stieg in
letzterem das speeifische Gewicht des Wassers merklich. Der nördliche Passat-
') S. M. 8. Jlcfltm* ankerte nach Angabe <les Kommandanten dicht bei dem Ankerplätze
S. M. S. »Ariadne*, welcher nach „Ann. d. Hydr. etc.“, 1879, pag. 282, in 169° 38' O-Lg lag;
Kapt. z. See von Kall bestimmte die Position seines Ankerplatzes aber zu 169° 35'O-Lg, während
Korv.-Kapt. Kuhn an Bord des Jlahirhi* diese zu 169° 39,1' ermittelte (s. diese Annalen, 1882,
pag. 148).
*) Nach Kapt. Witt Rimgtrik, s. »Ann. d. Hydr. etc.*, 1881, pag. 531.