accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 10 (1882)

28« 
kann die Abweichung in zwei Umständen begründet sein; einerseits kann bei 
hohem Luftdruck, wo bekanntlich durch die verstärkte Strahlung und die geringe 
Intensität der allgemeinen Strömungen die örtlichen Einflüsse stärker wirken, 
ein bestimmter lokaler Gradient und Lokalwind sich einzustellen pflegen, 
wodurch für diese Windrichtung der mittlere Luftdruck sich sehr hoch stellen 
wird; es involvirt diese Voraussetzung nur, dafs die lokale Yertheilung der 
durchschnittlichen Höhe der barometrischen Maxima in dieser Gegend eine 
andere ist, als jene der Barometerschwankungen im Grofsen; andererseits kann 
noch ein ferneres Moment in Präge kommen, welches durch obenstehende Fig. 2 
erläutert wird. Wenn nämlich die mittlere Gröfse des Gradienten zwischen « 
und b gröfser ist, als zwischen b und c — wie dieses sehr wohl der Fall sein 
kann, wenn bc Festland und ab Meeresoberfläche ist — so wird der Luftdruck 
in b höher sein, wenn der Gradient von c nach a, als wenn er von a nach c 
gerichtet ist, auch wenn die mittlere Gröfse der Barometerschwankungen in 
« und c dieselbe ist. Bis jetzt besitzen wir von den Ostküsten der Kontinente 
barometrische Windrosen nur für sehr wenige Stationen, deren Ergebnisse zu 
dem mit einander nicht sehr gut übereinstimmen; es läfst sich daher noch kaum 
eine Vermuthung über die quantitative Bedeutung der so eben angeführten Mo 
mente für die barometrische Windrose dieser Gegenden begründen. 
Auf die verschiedene mittlere Höhe des Luftdrucks bei SW- und NE- 
Winden ist vor einigen Jahrzehnten sehr viel Gewicht gelegt worden in der 
Meteorologie; es wurde dieser Unterschied in Zusammenhang gebracht mit der 
verschiedenen Temperatur des „Polarstroms“ und des „Aequatorialstroms“: 
seitdem die synoptischen Karten uns täglich zeigen, dafs der niedrigste und 
höchste Luftdruck nicht innerhalb einer bestimmten Strömung, sondern zwischen 
den entgegengesetzten Strömungen liegen, und wir aus dem barischen Windgesetze 
gelernt haben, dafs jede Luftströmung einen barometrischen Gradienten zwischen 
ihrem vorderen und hinteren Ende und zwischen ihrer rechten und linken Seite 
erfordert, ist diese Erklärung unstatthaft geworden; die neue, welche ich im 
Jahre 1874 in der „Zeitschrift der Oesterr. Gesellsch. f. Meteorologie“ gegeben, 
und im Vorstehenden mit Ergänzungen reproducirt habe, hat inzwischen noch 
nicht Eingang in die Lehrbücher gefunden, wenn auch die ältere, mit den 
Grundlagen der heutigen Meteorologie unvereinbare, aus denselben im Allge 
meinen verschwunden ist; es wird eben die barometrische Windrose nur erwähnt, 
aber unerklärt gelassen, ln jener älteren Erklärung ist gewifs die Betrachtung 
im Allgemeinen richtig, dafs der Luftdruck in Luftströmungen, welche wärmer 
sind als ihre Umgebung, sinken mufs; aber indem dabei das barometrische 
Minimum nach der Seite der warmen Strömung sich verpflanzt, verschiebt sich 
gleichzeitig das ganze System der Winde. Dove hatte diese Erscheinung der 
Abnahme des Luftdrucks in südlichen Luftströmungen mit dem nach ihm genannten 
„Drehungsgesetze des Windes“ und mit der barometrischen Windrose in Zusammen 
hang gebracht, indem er das Fallen des Barometers bei SE als Folge davon 
ansah, dafs diesem Winde der Regel nach SW folgt und dem letzteren der 
niedrigste Luftdruck zukommt; allein das Barometer siukt ebenso rasch, wenn 
das Wirbelcentrum südlich von uns vorübergeht und dem SE ein Ost und NE 
folgt, nur kommt dieser Fall bedeutend seltener vor und tritt deshalb in den 
Mittelwerthcn zurück. Die synoptischen Karten der Einzelzustände haben uns 
alle diese Vorgänge in einem wesentlich anderen Lichte gezeigt, und deren 
zusammenhängende statistische Bearbeitung ist geeignet, ungleich gröfsere Klarheit 
in diese Fragen zu bringen, als es der einseitigen Auffassung der Witterungs 
vorgänge vom isolirten Beobacbtnngspunkte aus je möglich gewesen wäre.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.