accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 10 (1882)

287 
mittleren Zugstraisen der Minima daselbst zusammenhängt, müssen weitere 
Untersuchungen lehren. 
Dafs auch die häufige Erscheinung des entschiedenen Vorwaltens zweier 
entgegengesetzten Windrichtungen im Klima eines Ortes mit der Vertheilung 
der Barometerschwankungen Zusammenhängen kann, ist bereits in Herrn Fel- 
foerg’s eingangs citirter Arbeit augedeutet. An vielen Stationen der ektropischen 
Zone, in durchaus günstiger freier Lage — von den in Thälern gelegenen mufs 
man natürlich hier absehen — finden wir zwei Maximn der Häufigkeit der 
Windrose; insbesondere hat die gröfsere Häufigkeit der beiden, mit entgegen 
gesetzten Eigenschaften begabten Winde SW und NE in Europa, gegenüber 
den zwischenliegenden Richtungen, zu jener Auffassung der ersteren, als der 
beiden fundamentalen Luftströme, welche die letzteren durch ihr Zusammen 
wirken nebensächlich hcrvorrufen, geführt, die so lange die Meteorologie, nament 
lich in Deutschland, beherrscht hat. So weit jenes doppelte Maximum der 
Häufigkeit nicht eine Monsunerscheinung ist, sondern sieh auch innerhalb des 
Winters resp. Sommers selbst zeigt, dürfte es wesentlich von der raschen Zu 
nahme der Druckschwankungen zwischen 25° und 60°, wo eben die Erscheinung 
beobachtet ist, abhängen. Denn aus dieser Vertheilung der Schwankungen 
orgiebt sich, dafs z. B. für Mitteleuropa der Norden das aktive, der Süden das 
passive (resp. vorwiegend indirekt wirkende) Element bei der Bestimmung der 
Druckvertheilung ist, und dafs wir somit in einer Majorität von Fällen nur 
mit den beiden Formen dieser Vertheilung: Druck im Nord (resp. NW) hoch 
und Druck im Nord (NW) niedrig zu thun haben, deren erstere Nord- und 
NE-Wind, deren letztere Süd- und SW-Wind hervorruft. 
Im Wesentlichen dieselbe Ursache ist es, welche die Erklärung der ver 
schiedenen durchschnittlichen Höhe des Barometers bei verschiedenen Winden 
in sich schliefst, ln der That, wenn bei Nord- und NE-Winden der gewöhn 
liche Zustand der ist, dafs das Barometer im Norden oder NW von uns sehr 
hoch, im Süden von uns nur mäfsig tief steht, und ebenso bei Süd- und SW- 
Wind der grofsen Erniedrigung des Druckes im Nord oder NW nur eine ge 
linge Erhöhung desselben im Süd entgegensteht, so mufs im Durchschnitt aller 
Fälle auch bei uns das Barometer bei ersteren Winden höher stehen, als bei 
letzteren. Der untenstehende Holzschnitt (Fig. 1) versinnlicht dieses. Wenn die 
Schwankungen bei a gering, bei c grofs sind, so wird in der Mitte bei b das 
Barometer höher stehen, wenn der Gradient von c nach a, als wenn er von 
n nach c gerichtet ist, oder mit anderen Worten, die zwischenliegenden Orte 
stimmen in Bezug auf den Sinn der Abweichung des Luftdrucks vom Mittel 
häufiger mit den Gegenden gröfserer als mit jenen geringerer Schwankung 
überein. Die Probe für die Richtigkeit dieser Erklärung der barometrischen 
Windrose findet sich in Grönland: die Beobachtungen der zahlreichen ameri 
kanischen und der deutschen Polarexpeditionen haben gezeigt, dafs das in Europa 
gefundene Verhältnifs dort nicht mehr gilt; das Barometer steht daselbst bei 
allen Winden durchschnittlich ungefähr gleich hoch, jedoch bei SW-Wind etwas 
höher als bei NE-Wind. Wir haben aber oben bereits gesehen, dafs die 
Schwankungen des Luftdrucks in Grönland, entgegengesetzt ihrem Verhalten in 
Europa, von Nord nach Süd zunehmen. 
In einigen Gegenden, wie an der Ostküste Nordamerikas, deron baro 
metrische Windrose nicht mit dieser Erklärung in Einklang zu stehen scheint,
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.