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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 10 (1882)

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südlichen und nördlichen Grenzen derselben liegeu in jenem nicht so weit aus 
einander, als in diesem; gleichwohl zeigt sich deutlich eine Verschiebung 
dieser Isothermon-Gebiete naeh Süden (also dem Pole zu) in unserem Winter, 
dem antarktischen Sommer — und ein Vorrücken nach Norden (also nach dom 
Aequator hin) in unserem Sommer — dem antarktischen Winter. 
Für dieselbe Jahreszeit dos Sommers der beiden Halbkugeln liegen die 
äquatorialen Grenzon der Isothermen von 4° weiter auseinander, als im Winter, 
nämlich für die des Sommers in den Parallelen von bezw. 52° Nord und 50° Süd 
und für die des Winters in den Parallelen von bezw. 42° Nord und 48° Süd. 
Während aber die äquatorialen Grenzen dieser Isotherme von 4° auf der nörd 
lichen Halbkugel sich auf der Westscito des Atlantischen Oceans dicht bei 
der Küste Nord-Amerika’$ befinden, liegen sie auf der südlichen Halbkugel 
auf der Ostseite dieses Oceans, südlich resp. südwestlich von der Südspitze 
Afrika's. 
Die vierte Tafel zeigt uns eine Karte der Strömungen und Treib 
produkte (Eis und Tang). Bei der Darstellung der Strömungen ist alles, 
was in früherer Zeit bis auf die Gegenwart über diesen Gegenstand beobachtet 
und geschrieben wurde, in Erwägung gezogen worden. Die Hauptströmungen 
in den offenen Meerostheilen des Nord- und Südatlautic sind übersichtlich und 
leicht von einander unterscheidbar dargestellt und in deu Erläuterungen kurz 
uud prägnant beschrieben. 
Die Ergebnisse der neueren Untersuchungen über die Strömungen in dem 
Caraibischen Meere und dem Golf von Mexico (s. „Anu. d. Hydr.“ 1881, pag. 395) 
sind gleichfalls in diesen Karten berücksichtigt, so dafs uns diese Karte ein 
möglichst vollständiges Bild der Strömungen des gesummten Atlantischen Oceans 
von 65° N-Br bis 65° S-Br giebt. 
Die Vei'breitung der mit der Bewegung der Wassermassen im Ocean 
eng verbundenen Treibprodukte, des Treibeises und der Meerestange, ist 
gleichfalls auf dieser Tafel dargestellt. Das Treibeis ist für den Seeverkehr 
insofern von Wichtigkeit, als es sich vielfach in die grofsen Verkehrsstrafseu 
hinein lagert und dabei fortwährend seine Lage ändert. Auf der nördlichen 
Halbkugel ist das Gebiet, in welchem Treibeis vorkommt, bei weitem beschränkter 
als auf der südlichen; in jener ist, wie die Karte zeigt, nur die Gegend im 
SO der Bank von Neufundland besonders von treibenden Eismassen heimgesucht, 
da, wo durch mächtige kalte Unterströme grofse Eisberge von Norden nach 
Süden getrieben werden und bis tief in den Golfstrom hinein setzen. Der 
Einflufs dieses letzteren drängt die Treibeisgrenze östlich von Neu-Fundland 
weiter nach Norden hinein, bis nahe an das Kap Farewell, und nördlich von 
60° N-Br kommt nur wenig Treibeis südlich von Island vor. Anders in dem 
Südatlantic; in diesem wird infolge der durchaus occanischen Natur der Gebiete 
in höherer Südbreite das Treibeis nahezu über die ganze Ausdehnung von Kap 
Horn bis zum Kap der guten Hoffnung angetroffen. Die Treibeisgrenze der 
südlichen Halbkugel dringt, wie die Karte zeigt, von Kap Horn in flacher 
Krümmung bis zum Parallel von 40° Süd nach N orden vor und wird erst wieder 
bei 15° O-Lg durch die Einwirkung des von Nordost aus dem Indischen Ocean 
kommenden M^wiAas-Stromes nach Süden zurückgedrängt. 
An den Grenzen der Strömungen und namentlich da, wo diese Greuzeu 
nach einem von Strömungen nicht berührten Meeresgebiete zu liegen, treiben die 
Meerestange und bedecken in gröfseren oder kleineren Massen die Meeres 
oberfläche. Am bekanntesten von allen diesen Tang-Anhäufungen ist das so 
genannte Sargasso-Gebiet im Nordatlantic, zwischen den Meridianen der Bahama- 
Inseln und der Azoren einerseits und den Parallelen von 18° bis 42° Nord 
andererseits; innerhalb dieses Gebietes verändern die treibenden Tange stets 
ihre Lage, und die auf der Karte gezogene Grenze für das Sargasso-Gebiet 
soll nur andeuten, dafs innerhalb derselben die Sargasso-Massen Vorkommen; 
diese selbst verändern stets ihre Lage innerhalb dieses Gebietes. An der Süd 
grenze des Golfstromes ist gleichfalls zu Zeiten eine solche zahlreiche Ablage 
rung von Meerestangeu beobachtet worden. 
Im Südatlantic findet man in der Nähe der Treibeisgrenze gleichfalls 
gröfsere Massen von treibenden Tangen. Keine dieser Tangmassen kann übrigens 
die Schiffahrt ernstlich behindern oder gar gefährden.
	        
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