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südlichen und nördlichen Grenzen derselben liegeu in jenem nicht so weit aus
einander, als in diesem; gleichwohl zeigt sich deutlich eine Verschiebung
dieser Isothermon-Gebiete naeh Süden (also dem Pole zu) in unserem Winter,
dem antarktischen Sommer — und ein Vorrücken nach Norden (also nach dom
Aequator hin) in unserem Sommer — dem antarktischen Winter.
Für dieselbe Jahreszeit dos Sommers der beiden Halbkugeln liegen die
äquatorialen Grenzon der Isothermen von 4° weiter auseinander, als im Winter,
nämlich für die des Sommers in den Parallelen von bezw. 52° Nord und 50° Süd
und für die des Winters in den Parallelen von bezw. 42° Nord und 48° Süd.
Während aber die äquatorialen Grenzen dieser Isotherme von 4° auf der nörd
lichen Halbkugel sich auf der Westscito des Atlantischen Oceans dicht bei
der Küste Nord-Amerika’$ befinden, liegen sie auf der südlichen Halbkugel
auf der Ostseite dieses Oceans, südlich resp. südwestlich von der Südspitze
Afrika's.
Die vierte Tafel zeigt uns eine Karte der Strömungen und Treib
produkte (Eis und Tang). Bei der Darstellung der Strömungen ist alles,
was in früherer Zeit bis auf die Gegenwart über diesen Gegenstand beobachtet
und geschrieben wurde, in Erwägung gezogen worden. Die Hauptströmungen
in den offenen Meerostheilen des Nord- und Südatlautic sind übersichtlich und
leicht von einander unterscheidbar dargestellt und in deu Erläuterungen kurz
uud prägnant beschrieben.
Die Ergebnisse der neueren Untersuchungen über die Strömungen in dem
Caraibischen Meere und dem Golf von Mexico (s. „Anu. d. Hydr.“ 1881, pag. 395)
sind gleichfalls in diesen Karten berücksichtigt, so dafs uns diese Karte ein
möglichst vollständiges Bild der Strömungen des gesummten Atlantischen Oceans
von 65° N-Br bis 65° S-Br giebt.
Die Vei'breitung der mit der Bewegung der Wassermassen im Ocean
eng verbundenen Treibprodukte, des Treibeises und der Meerestange, ist
gleichfalls auf dieser Tafel dargestellt. Das Treibeis ist für den Seeverkehr
insofern von Wichtigkeit, als es sich vielfach in die grofsen Verkehrsstrafseu
hinein lagert und dabei fortwährend seine Lage ändert. Auf der nördlichen
Halbkugel ist das Gebiet, in welchem Treibeis vorkommt, bei weitem beschränkter
als auf der südlichen; in jener ist, wie die Karte zeigt, nur die Gegend im
SO der Bank von Neufundland besonders von treibenden Eismassen heimgesucht,
da, wo durch mächtige kalte Unterströme grofse Eisberge von Norden nach
Süden getrieben werden und bis tief in den Golfstrom hinein setzen. Der
Einflufs dieses letzteren drängt die Treibeisgrenze östlich von Neu-Fundland
weiter nach Norden hinein, bis nahe an das Kap Farewell, und nördlich von
60° N-Br kommt nur wenig Treibeis südlich von Island vor. Anders in dem
Südatlantic; in diesem wird infolge der durchaus occanischen Natur der Gebiete
in höherer Südbreite das Treibeis nahezu über die ganze Ausdehnung von Kap
Horn bis zum Kap der guten Hoffnung angetroffen. Die Treibeisgrenze der
südlichen Halbkugel dringt, wie die Karte zeigt, von Kap Horn in flacher
Krümmung bis zum Parallel von 40° Süd nach N orden vor und wird erst wieder
bei 15° O-Lg durch die Einwirkung des von Nordost aus dem Indischen Ocean
kommenden M^wiAas-Stromes nach Süden zurückgedrängt.
An den Grenzen der Strömungen und namentlich da, wo diese Greuzeu
nach einem von Strömungen nicht berührten Meeresgebiete zu liegen, treiben die
Meerestange und bedecken in gröfseren oder kleineren Massen die Meeres
oberfläche. Am bekanntesten von allen diesen Tang-Anhäufungen ist das so
genannte Sargasso-Gebiet im Nordatlantic, zwischen den Meridianen der Bahama-
Inseln und der Azoren einerseits und den Parallelen von 18° bis 42° Nord
andererseits; innerhalb dieses Gebietes verändern die treibenden Tange stets
ihre Lage, und die auf der Karte gezogene Grenze für das Sargasso-Gebiet
soll nur andeuten, dafs innerhalb derselben die Sargasso-Massen Vorkommen;
diese selbst verändern stets ihre Lage innerhalb dieses Gebietes. An der Süd
grenze des Golfstromes ist gleichfalls zu Zeiten eine solche zahlreiche Ablage
rung von Meerestangeu beobachtet worden.
Im Südatlantic findet man in der Nähe der Treibeisgrenze gleichfalls
gröfsere Massen von treibenden Tangen. Keine dieser Tangmassen kann übrigens
die Schiffahrt ernstlich behindern oder gar gefährden.