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die östliche, endlich der lOüste Mendian die westliche Grenze, welch letztere
einen Theil des Stillen Oceans zwischen 15“ N-Br—65° S-Br und 75°—100° W-Lg
in sich einschliefst.
Die erste Tafel bringt die Tiefenkarte des Atlantischen Oceans,
zn welcher alle bis zum Schlüsse des Jahres 1880 bekannt gewordenen zuver
lässigen Tiefseelothungen verwendet worden sind; für die aus der neuesten Zeit
wurden die in diesen Annalen veröffentlichten Angaben verwerthet. Die Tiefen
kurven selbst sind in Meter-Linien ausgeführt, entsprechend dem in den Karten
der Kaisei'lichen Admiralität seit zehn Jahren eingeführten Metermafs, welches
durch Reichsgesetz in Deutschland allgemein eingeführt ist.
Die Tiefenkurven sind in 8 Abstufungen getheilt nach den Grenzen der
Durchschnittstiefon von 200, 1000, 2000, 3000, 4000, 5000, 6000 und 7000m.
Die Tiefen bis 200m sind auf der Karte weifs, die sieben anderen Tiefenstufen
sind durch verschiedene blaue Farbeutöne von hellblau bis dunkelblau bezeichnet.
Man kann sich aus diesen leicht ein Bild der Tiefenvertheilung und Boden
gestaltung des Atlantischen Oceans konstruiren.‘)
Die 200m-Linie entspricht fast ganz der 100Fad.-Linie oder der Grenze
der unter das Meeresniveau hcrabführenden Fortsetzung der Fcstlandsflächen
von Europa—Afrika einerseits und von Amerika andererseits. Man erkennt
deutlich die Bank, auf welcher einerseits die britischen Inseln sich erheben und
die Nordsee andererseits als ein flaches Wasserbecken sich ausbreitet, ferner die
Ausdehnung der Neufundland- und Baäama-Bänko, die Fortsetzung der Flach
küsten rings um den Golf von Mexiko, der mittleren Theile von Central-
Amerika und der NO- und SW-Küsten von Süd-Amerika. Mau sieht auf einen
Blick den Unterschied zwischen den meist flachen Ostküsten von Süd-Amerika
und der Westküste von Afrika (im Süd-Atlautic) einerseits und von Süd-Amerika
(im Stillen Ocean) andererseits, wo die 200m-Linie ganz nahe dem Fest
lande verläuft. Die 1000-, 2000-, 3000- und 4000m-Linieu verlaufen in der
Nähe der Küsten meist parallel unter sich und mit den Küsten selbst; in
gröfserer Entfernung von diesen und nahe bei dem unterseeischen, die ganze
Mitte des Atlantischen Oceans in S-förmiger Gestalt durchsetzenden Rücken
bilden sie theils in sich geschlossene Kurven, thoils unregelmäfsige Windungen
und Schleifen. Ein Vergleich der 4000m-Liuie an den Ost- und Westküsten
von Südamerika zeigt deutlich den steilen Abfall dieser und die nur allmähliche
Abflachung jener.
Die Gebiete mit 5000m und mehr Tiefe bilden mehr oder weniger
scharf begrenzte und in sich abgeschlossene Einsenkuugen des Meeresbodens
östlich und westlich von dem oben erwähnten unterseeischen Rücken, welche je
nach der Gröfse ihrer Tiefe, nach ihrer Ausdehnung und Gestalt auf der Tafel
mit den Ausdrücken „Tiefe“, „Kessel“, „Rinne“ oder „Becken“ bezeichnet sind.
Die auf der sonst so schönen Petermann’schen Tiefenkarte des Stillen
Oceans, 1877, eingeführte Benennung dieser Tiefengebiete nach Personen oder
Schiffen ist hier mit Recht nicht adoptirt, sondern dafür die Bezeichnung dieser
Gebiete nach den betreffenden Lokalitäten, wo sie sich befinden, gewählt und
angewendot worden. So finden wir z. B. auf dieser Karte eine Westindische
und Trinidad-Tiefe, einen Nordatlantischen Kessel, eine westliche und östliche
Azoren-Rinne und ein Labrador-, Kap Verde’schcs, Brasilianisches und West-
Afrikanisches Becken.
Noch möge hier hervorgehobeu werden, dafs die Routen des „Challenger“
(1873 und 1876) und der „Gazelle“ (1874 und 1876), welche beiden Schiffe mit
ihrem Stabe von Offizieren und Gelehrten für die Kunde der physikalischen
Verhältnisse des Atlantischen Oceans in der neueren Zeit vorzugsweise beige
tragen haben, in diese Tiefenkarte eingetragen sind.
Die zweite Tafel zeigt die Linien gleicher Temperatur des Meer
wassers am Meeresboden zumeist nach den in verschiedenen Jahrgängen
dieser Annalen mitgethoilten Resumc's der hierauf bezüglichen Beobachtungen,
namentlich des „Challenger“ und der „Gazelle“. Da schon in mäfsiger Tiefe
kaum noch wahrnehmbare Temperaturschwankungon beobachtet worden sind,
J ) Vgl. hierüber auch diese Annalen, 1879, pag. 195—199, und a. m. O. in den Jahrgängen
1879—1882,