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Full text : 19, 1896

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Aus  dem  Archiv  der  Deutschen  Seewarte  —  1S96  Nr.  4  —

Richtungen  aus  und  bekommt  dabei  die  aus  Ve.ttin’s  Rauchexperimente  bekannte  Champignon-Form.  Der
Rand  dieses  Pilzes  rollt  sich  stellenweise  oder  an  dem  ganzen  Umfange  auf  und  auf  diese  Weise  entsteht
ein  partieller  oder  vollständiger  Wirbelring.  Anfangs  steigt  dieser  Wirbelring  noch  weiter  in  die  Höhe  und
dabei  dehnt  sich  der  Diameter  des  Ringes  aus,  doch  bald  wird  die  ganze  Masse  in  gewisser  Höhe  zum
Stehen  gebracht,  weil  die  anfängliche  Steigkraft  erschöpft  ist,  und  zwar  hauptsächlich  in  Folge  der  eigenthümliehen
  Umstülpung  der  aufsteigenden  Luft,  wodurch  die  mitgeführte  Wärme  schnell  an  die  umgebende
Luftmasse  abgestanden  wird  und  dessen  ungeachtet  die  Expansion  bei  der  Steigung  letztere  noch  befördern
muss.  Bald  ist  die  warme  Luft  gänzlich  mit  der  umringenden  gemischt.  Ist  die  Steigung  nicht  ausschliesslich ­
  Folge  geringeren  spezifischen  Gewichtes,  also  grosser  Hitze  und  Feuchtigkeit,  sondern  wohnt  der  Luft
nahe  der  Erde  bereits  eine  anfängliche  Eigengeschwindigkeit  inne,  dann  wird  der  Ring  höher  steigen.  Weil
die  umgebende  Luft  jedoch  niemals  in  Ruhe  sich  befindet,  werden  die  Wirbelungen  nach  kürzerer  oder
längerer  Zeit  zerstört  und  aufgelöst.
Je  ruhiger  also  die  Atmosphäre,  ceteris  paribus,  desto  regelmässiger  werden  sich  die  Wirbel  bilden  und
weiter  entwickeln,  und  hieraus  erklärt  sich  die  erste  Bedingung  für  das  Zustandekommen  eines  Wärmegewitters: ­
  gleichmässige  Luftdruckvertheilung  über  grössere  Theile  der  Erdoberfläche,  zusammen  mit  Windstille ­
  und  kräftiger  Insolation.
Der  erste  Fall:  Steigung  einer  Luftmasse  ohne  Anfangsgeschwindigkeit  in  Folge  geringen  spezifischen
Gewichtes  und  Expansion  verursacht  lokale  Wärmegewitter.  Kommt  dabei  der  Wirbelring  vollständig  und
kräftig  zur  Bildung,  dann  entsteht  ein  sich  langsam  nach  allen  Richtungen  konzentrisch  ausbreitendes  Gewitter. ­
  Kommt  der  Ring  nur  theilweise  zustande,  dann  breitet  sich  das  Gewitter  nur  in  dieser  Richtung
aus.  Diese  Gewitter  sind  in  den  Niederlanden  ziemlich  selten,  meistens  im  Juni  vorkommend.  Häufiger
treten  sie  in  Gebirgsländern,  sowie  in  den  Alpenländern,  Mittelitalien  und  Sachsen  auf.  In  dem  „Sächsischen
Meteorologischen  Jahrbuche“  für  1884  wird  mitgetheilt,  dass  bei  der  Mehrzahl  der  Gewitter  gewisse  Centra
anzugeben  sind,  von  welchen  die  Gewitterbildung  sich  ausbreitet,  ebenso  wie  die  Wellen  durch  einen  ins
Wasser  geworfenenStein.  Im  gleichen  Sinne  äussern  sich  Ferrari,  Prohaska  und  andere  Gewitterforscher.
Diese  Gewitter  pflanzen  sich  viel  langsamer  fort  als  die  übrigen,  weil  die  Bewegung  nur  durch  die  Ausdehnung ­
  des  Diameters  des  Wirbelringes  verursacht  wird.  Mit  dieser  Erklärung  übereinstimmend  ist  die  geringe
mittlere  Geschwindigkeit  der  Juni-Gewitter  in  den  Niederlanden  im  Vergleich  zu  denen  der  übrigen  Monate
lind  die  geringere  Geschwindigkeit,  welche  nach  Prohaska  den  Gewittern  in  Steiermark  zukommt,  nämlich
30  km,  gegen  40  km  pro  Stunde  in  den  flacheren  Gegenden  Westeuropas.  Weil  der  aufsteigende  Strom  in
diesem  Falle  nicht  lange  gespeist  und  der  Wirbel  bald  zerstört  wird,  sind  diese  Gewitter  schnell  beendigt.
Der  zweite  Fall,  wenn  die  auftsteigende  Luftmasse  ausser  der  innewohnenden  Steigkraft  noch  eine
Anfangsgeschwindigkeit  nahe  der  Erdoberfläche  besitzt,  ist  der  mehr  komplizirte  und  verursacht  die  eigentlichen ­
  Wärmegewitter.  Dieser  Umstand  zeigt  sich  da,  wo  nicht  eine  gesonderte  Luftmasse,  sondern  ein
konstanter  Strom  emporsteigt,  wie  er  im  Zentrum  jener  kleinen  selbständigen  Luftdruck-Minima  vorhanden
ist,  welche  bei  gleichmässig  vertheilter  Luftdruck  -  Vertheilung  und  grosser  Hitze  durch  Insolation  entstanden,
aus  uns  noch  unbekannten  Gründen  über  grössere  Abstände  sich  fortbewegen.  Der  zentrale  Theil  eines
solchen  Minimums  bildet  gleichsam  den  Schornstein,  durch  welchen  die  Luft,  aus  ziemlich  grosser  Entfernung
angezogen,  in  die  Höhe  geführt  wird.  Unmittelbar  auf  der  Erde  strömt  die  Luft  von  allen  Seiten  nach
dem  Zentrum  und  geräth,  nachdem  sie  sich  diesem  nähert,  nach  und  nach  in  Steigung.  Die  horizontalen
konvergirenden  Ströme  verursachen  nur  schwache  Winde,  dennoch  ist  die  Aufsteigung  im  Zentrum  rasch,
weil  der  Schornstein  ziemlich  enge  ist  und  also  grosse  Verengung  des  Strömungsprofils  eintritt.  In  Folge
des  kontinuirlichen  Stromes  werden  die  Erscheinungen  sehr  komplizirt.  Es  entsteht  nicht  ein  einziger  Wirbelring, ­
  sondern  eine  Menge  schnell  aufeinanderfolgender  Wirbel.  Diese  Wirbelbruchstücke  greifen  in  und
durch  einander,  wie  Ob  erb  eck  dargethan  hat.  Diese  für  sich  kaum  verfolgbaren  Bewegungen  werden  noch
komplizirter  durch  das  Fortschreiten  des  Minimums  als  Ganzes  durch  die  Atmosphäre.
Wir  unterscheiden  dabei  zwei  verschiedene  Umstände:  1)  Das  kleine  Minimum  ist  gebettet  in  einer
allgemeinen  Luftzirkulation,  wie  z.  B.  die  sekundären  Minima  an  dem  Umfang  des  Hauptminimums.  Das
Gewitter  tritt  auf  nach  dem  Vorübergang  des  Minimums.  Diese  Erscheinung  bildet  einen  Uebergang  zwischen
dem  eigentlichen  Wärmegewitter  und  der  Böe.  2)  Das  kleine  Minimum  ist  selbständig  und  besitzt  eine
Eigenbewegung,  relativ  zur  ziemlich  ruhigen  Atmosphäre.  Das  Gewitter  geht  dem  Minimum  voran;  dies  ist
das  eigentliche  Wärmegewitter.  Der  zentrale  Theil  des  Minimums  besteht  aus  einer  Säule  aufsteigender
            
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