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durch schwarze Tripod-Bakeu mit weifsen Fässern, Körben oder Brettern sehr
deutlich markirt, so dafs man nur zwischen diesen Baken hindurchzufahren
braucht. Beim Einlaufen bleiben dabei die beiden westlichsten an St. B.,
während an B. B. drei Baken zu passiren sind, bis man um die dritte Bake
herum auf den Ankerplatz dreht. Eine vierte Bake liegt iu der Verlängerung
der drei letztgenannten zur Bezeichnung des Endes des Fahrwassers. Beim
Ein- und Auslaufen ist es zu empfehlen, sich näher an die westlichen Kiffe zu halten,
da diese steil abfallen, während von den östlichen, besonders von dem östlichen
Einfahrtsriffe, die Spitzen sich weiter in das Fahrwasser hinein erstrecken. —
Das Landen für Boote bei der Station auf Lungur ist nur bei Hochwasser
bequem; sonst mufs mau zu Fufs über das Strandriff'. Aus dem Pillapenchocola-
Flusse an der Nordseite von Ponape können die Schiffsboote Wasser nehmen.
Nach Aussage der hier wohnenden Weifsen soll das Wasser gut sein und wird
als Belag dafür angeführt, dafs in diesem Theilc von Ponape wenigstens kein
Fieber vorkommt. Die Fahrt nach dem Flusse ist jedoch beschwerlich und
in der Dunkelheit geradezu bedenklich, da zahlreiche flache Riffe im Fahr
wasser liegen.
Der Hafen von Jamestoivn ist für den europäischen Handel insofern von
Bedeutung, als hier die Handelsstationen von Ponape liegen. Die sehr wohl
eingerichtete Station von Capelle & Co. liegt auf Lungur; sie ist mit einer
Flaggenstange versehen und von See aus erkennbar. Die Station von Herns-
heim & Co. liegt am Pillapenchocola-Flasse auf der Seite des Mont Nut. Au
der Südseite dieses Flusses, dort, wo der westliche Nebenflufs einmündet, liegen
die Besitzungen des bekannten Naturforschers Kubary, welcher hier seinen
Wohnsitz hat. Westlich von dem genannten Nebenflüsse liegt auf einer Anhöhe
die amerikanische frühere Hauptmissiousstation. Die Küste 13t an diesem ganzen
Theile überhaupt höher, als die Karte auzeigt.
Die Ilandelsverhältnisse sind hier ähnliche, wie auf den übrigen Südsee-
Inseln. Kopra wird auf Ponape selbst wenig produeirt, sondern hauptsächlich
von den PaUVi-lnseln geholt, im Uebrigen werden Perlmutter- und Schildkröten-
schalcn in nicht sehr grofsen Mengen gegen die üblichen Tauschartikel eiu-
gehandelt. —■ Lebensmittel sind hier, abgesehen von Bananeu und Brodfrucht,
nur in geringen Mengen zu bekommen. Rindfleisch soll zu Zeiten von der
Station auf Lungur und von den Missionaren zu erhalten sein; während unseres
Aufenthalts war jedoch keines vorhanden. Schweine sind indesseu in aus
reichender Zahl von den Händlern zu bekommen.
Die Insel ist unter fünf Häuptlinge (Könige) getkeilt; die Eingeborenen
sollen dem Einflüsse der Missionare gänzlich unterworfen sein. Die Bevölkerung
gleicht der von Kusaie durchaus, und zeichnet sich zu ihrem Nachtheile durch
Geldgier aus, eine Eigenschaft, welche wir bisher auf keiner anderen Insel
dieser Gegendon angetroffen haben.
Die Witterungsverhältnisse waren während unseres Aufenthalts (vom 7.
bis 14. September) ziemlich günstige. Vorherrschend waren leichte nordöstliche
und östliche Winde, bei schönem Wetter, welches nur zeitweise durch schnell
vorübergehende Regenschauer gestört wurde. Nur am 14. September, gerade
als wir in See gehen wollten, setzte eine länger andauernde frische Böe aus
West mit dickem Regen ein und liefs erkennen, dafs unter solchen Umständen
das Ankeraufgehen in dem engen Hafen nicht geringe Schwierigkeiten hat.“
17. Wetter- und Stroiuverliältnisse zwischen Ponape, Jaluit und Apia
ira September und Oktober 1881.
„Am 14. September verliefs S. M. Aviso „Habicht“ Ponape auf der Rück
reise nach Jaluit-, während derselben wurden nur ganz flaue, wechselnde Winde
angetroffen; vorherrschend wehte der Wind aus nordöstlicher und östlicher
Richtung. Die Stromverhältnisse wurden, wie seit dem Abgänge von Yap, bis
ungefähr 160° O-Lg, in Uebereinstimmung mit den Angaben der Stromkarte
angetroffen. Auf diesem Meridian, jedoch etwas westlich von Kusaie, scheint
die Ostgrenze des Aequatorial-Gegenstrornos zu liegen; von hier ab nahm der
Strom zuerst eine nordwestliche und dann eine ziemlich nördliche Richtung an;
das wurde auch beim Insichtkommen von Jaluit-Rhede am 19. September be