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daran gehindert, ähnlich wie es der gleichzeitig unternommenen ersteu deutschen
Nordpolar-Expedition erging (vgl. „Ann. d. Hydr. etc.“, 1881, pag. 241). Die
„Sofia“ begab sich deshalb an die Westküste von Spitzbergen und ging zunächst
am 31. Juli in Green Harbour im Eisfjord vor Anker, von wo aus die Mitglieder
der Expedition bis zum 12. August theils auf der „Sofia“ theils auf Booten ver
schiedene Untersuchungsfahrten machten.
Während vom 13. August ab Nordenskiöld und Palander die Meer
enge zwischen Prince Charles Foreland und dem Eestlande von Spitzbergen
untersuchten, machte Kapitän von Otter Tiefmessungen bis 67*° O-Lg; die
gröfste am 14. August dabei gelothete Tiefe war 2470 m (1350 Fad.). Die
„Sofia“ ging alsdann weiter nordwärts und erreichte am 21. August die Amster-
ciam-lnscl, um das aus Norwegen daselbst erwartete Kohlenschiff anzutreffen,
was auch der Fall war. Kapitän von Otter machte von hier aus einen Ver
such, nach Westen vorzudringen, um wo möglich die Ostkäste Grönlands zu
erreichen; dies wurde aber durch die ungünstigen Eisverhältnisse unmöglich
gemacht. Bei dieser Gelegenheit wurden etwas südlich von 80° N-Br und in
ca 2° O-Lg Tiefen von 3890m (2100 Fad.) gelothet; der Boden bestand aus
Thon. Während der Fahrt nordostwärts von der Eisgrenze war das Schiff am
26. August bis ca 81° 10' N-Br vorgedrungen. Am 27. August war „Sofia“
wieder bei den Sieben-Inseln und am 28. August bei der Amsterdam-Insel.
Mit dem nach Norwegen zurückkehrenden Kohlenschiffe gingen fünf der
Gelehrten nach der Heimath ab, so dafs für den weiteren Verlaut' der Expedition
der „Sofia“ nur noch Professor Nordenskiöld mit zwei Gelehrten zurückblieb.
Nachdem „Sofia“ am 14. September das Fahrzeug mit den heimkehrenden
Gelehrten in die See hinaus bugsirt hatte, nahm sie zunächst Kurs nach den
Sieben-Inseln zu, konnte sich aber Eises halber den Küsten derselben nicht bis
auf 12—16 Sm nähern. Unter diesen Umständen suchte Kapt. von Otter
nordwärts vorzudringen, wozu er jede nur irgendwie fahrbare Oeffnung benutzte.
Der Eiskante folgend, erreichte „Sofia“ am 18. September die Breite von
81° 32' und am Morgen des 19. in 17'/»° O-Lg die von 81° 42' Nord, der
höchsten bis 1868 zu Schiff erreichten nördlichen Breite. 1 )’ Ein weiteres Vor
dringen nach Norden wurde durch das Eis unmöglich gemacht; das Schiff
mufste wieder bis zum Parallel von 81° Nord zurückkehren; erst in der Nähe
des Meridians von Greenwich nahm das Eis eine südwestliche Richtung an,
welcher das Schiff nunmehr folgte.
In ca 7872° N-Br und 27*° W-Lg wurde am 23. September die gröfste
von der schwedischen Expedition, 1868, und in höheren Breiten überhaupt ge
messene Tiefe von 4846m (2650 Fad.) gelothet. Von dieser Stelle aus wurde
aus Mangel an Kohlenvorrath und durch starke südwestliche Winde gezwungen
zur Rückkehr nach Spitzbergen gewendet; am 26. September ankerte „Sofia“
bei Smeerenberg. Ein weiterer, am 1. Oktober unternommener Versuch, jenseits
des Parallels von 81° Nord vorzudringen, ev. einen Winterhafen auf den Sieben-
Inseln aufzusuchen, scheiterte abermals an den ungünstigen Eisverhältnissen
und einer durch dieselben am 3. Oktober herb ei geführten Havarie dor „Sofia“.
Das Schiff mufste deshalb umkehren und konnte erst am 10. Oktober von der
King-Bai, an welchem Tage der zuvor mit Gletschereis gefüllte Hafen zu ge
frieren anfing, die Heimreise nach Norwegen antreten; am 20. Oktober lief die
„Sofia“ in den Hafen von Tromsö ein. 2 )
Die drei von dem Dampfer „Sofia“ gemachten Versuche, über die Eis
verhältnisse und die Schiffbarkeit des Meeres nördlich von Spitzbergen Aufschlufs
zu erhalten, nämlich die vom 23. bis 28. August, 17. bis 25. September und
1. bis 4. Oktober 1868, haben für diese spätere Jahreszeit die Lücke aus
gefüllt, welche die früheren Expeditionen der englischen Marine 1773 unter
Kapitän Phipps und Dr. Irving (s. pag. 197), 1818 unter Commodore Buchau
7 Es möge hierbei als bemerkenswertli erwähnt werden, dafs die Stellen, wo nach glaub
würdigen Zeugnissen der Parallel von 81° Nord schon früher zu Schiff hat überschritten werden
können (von Scoresby, 1806, bis 81° 30' und von Parry, 1827, bis 81°), ungefähr unter dem
selben Meridian liegen, wo „Sofia* im Septemher 1868 die oben erwähnten Breiten erreicht hat,
nämlich zwischen dem Meridian von 18° und 19° Ost.
2) Ueber die während dieser vierten schwedischen Polar-Expedition, 1868, Juli 20—Okt. 20,
gewonnenen physiseh-oceanisehen Forschungs-Ergebnisse wird weiter unten berichtet werden.