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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 10 (1882)

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hübschen Aublick. I)ic Insel scheint durch vulkanische Einflüsse gehobon zu 
sein, da man auf deu höchsten Punkton derselben mäfsige kahle Korallen blocke 
entdeckt, in einer Höhe von etwa 25 m. Die Insel scheint in der Richtung 
NO — SW eine Ausdehnung von etwa 1 Sm zu haben und bildet nach Westen 
eine weite offene Bucht, an welcher zahlreiche Hütten von Eingeborenen und 
die Häuser der europäischen Handelsagenten liegen. Der Strand ist hier voll 
kommen klar und das Wasser bis auf 50 m vom Strande tief. Der Strand selbst 
wird von Korallen mit zahlreichen starken, dunkel gefärbten Blöcken gebildet, 
und gestattet das bequeme Landen von europäisch gebauten Booten nur bei 
Hoch- und Niedrigwasser. Sonst muss man beim Landen Kanoes zu Hülfe 
nehmen, wenn man nicht über die Riffe waten will. 
Bevölkerung. Die Bevölkerung der Insel, ca 400 Köpfe stark, ist der 
schönste, kräftigste Menschenschlag, welchen wir auf diesen Inseln über 
haupt gesehen, besonders das weibliche Geschlecht, und, wie das Land, 
unter 12 von einander unabhängige Häuptlinge gotheilt. Missionare giebt es 
nicht, und ist daher das Christenthum hier nicht hergedrungen. Da die Ein 
geborenen in diesen Gegenden wogen ihrer Gewalttätigkeit verrufen sind, so 
hielt ich cs für gerathen, die Boote armirt an Land zu schicken. Diese Mafs- 
regel erwies sich indessen sogleich als überflüssig, da sämmtliche Eingeborene 
eiue durchaus freundliche und zutrauliche Haltung bewahrten. Unter ihnen loben 
ungefähr 6 bis 8 Weifse nicht englischer Abkunft; dieselben haben unter den 
Eingeborenen einen sehr mafsgebeuden Einflufs, vorzüglich der Handelsagent 
von Hernsheim & Co. 
Schweine, Hühner, Kokosnüsse und Brotfrucht sind hier in jeder beliebigen 
Menge zu erstehen. Wasser giebt es jedoch auch hier nicht. Die Insel besitzt 
zwar im Innern einen kleinen Süfswasscrsee, welcher aber bei der hier häufigen 
Dürre nicht ausreichendes Wasser liefert. Daher sind hier Spirituosen sehr ge 
sucht, welche mit Brackwasser vermischt getrunken werden. 
Geographische Lage. Die Lage von Pleasant-1. ist in der Karte und 
bei Findlay zu 0° 25' S-Br und 167° 5' O-Lg falsch angegeben. Dies wurde 
bereits in Jaluit von den deutschen Schiffsführern in Erfahrung gebracht und 
von diesen die Position auf 0° 29' S-Br gegeben, während die Längenangaben 
variirteu. Nach der diesseitigen Positionsbestimmung liegt die NO-Spitze von 
Pleasant-1. in 0° 29' und 166° 56,6' O-Lg und die SW-Spitze in 0° 29,7' S-Br 
und 166° 55' O-Lg. 
Am 28. Juni um 5 h p. m. wurde die Insel wieder verlassen und Kurs auf 
Kusaie (Ualan) genommen. Auch während dieser Reise wurden wieder flaue 
Winde zwischen Nord und Ost mit sehr veränderlichem Wetter angetroffen, und 
wurde auch hier kein östlicher, sondern westlicher und etwas südlicher Strom 
von 18 bis 24 Sm im Etmal gefunden. 
5. Kusaie (Ualan) -Insel. 
Am 2. Juli mit Tagesanbruch kam Kusaie-I. in Sicht und um 9 h 30 miB a. m. 
ankerte S. M. Av. „Habicht“ im CWjro/-Hafen unter Leie auf 20m Wasser. Es 
ist nothwendig, da zum Schwingen leider nicht ausreichend Platz ist, mit zwei 
Ankern, und zwar den St. B.-Anker etwa in Ost, und den B. B.-Anker in Nord 
zu ankern; auch empfiehlt es sich, da Seegang hier nicht aufkommen kann, deu 
Mooringsschäckel aufzusetzen, weil das Schiff fortwährend zwischen Wind und 
Strom schwingt; zu Zeiten ist die Ebbe ziemlich stark, wenn der kleine im Westen 
des Hafens mündende Elufs durch Regengüsse augeschwolleu ist. 
Das Auffinden des Hafens ist mit Hülfe der Peilungen nicht schwer, 
obwohl man die etwa 1 Kblg breite Passage in den Riffen erst erkennt, wenn 
man ziemlich dicht bei derselben ist. Schon aufserhalb der Passage wird das 
Wasser, besonders bei auslaufeudem Strome, infolge der Einwirkung des Flusses 
trübe und nimmt eine schmutzig grüne Färbung an, so dafs man anfangs geneigt 
ist, sich hier auf flachem Wasser zu glauben. Trotzdem sind aber die Untiefen 
bei klarem Wetter gut zu erkennen, und bietet das Einlaufen keine Gefahr, 
wenn man von dem, von der Mitte von Leie auslaufenden laugen Riffe, auf 
dessen äufserster Spitze nur lm Wasser ist, weit genug abbleibt. Brandung
	        
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