hältnisscn leben und von europäischen Sitten und Gewohnheiten wenig angenommen
haben, mit Ausnahme der Feuerwaffen, von welchen sie Exemplare der neuesten
Konstruktionen besitzen. Die Kleidung besteht noch überall bei den Frauen
aus selbstgefertigten Matten, bei den Männern aus dem von Pandanusbast
streifen gefertigten dicken Schurzrock. Die Männer drehen das Haupthaar noch
zu einem Knoten auf dem Scheitel, während sie auf den südlichen ÄaKc/fc-Inseln
dasselbe schon durchweg lose und meist kurz tragen; ebenso herrscht hier noch
überall dio Sitte, die Ohrläppchen aufzuschlitzen und herunterzuziehen, um in
die so ausgeweiteten Löcher Ringe von Pandanusbast einzulegeu, was auf den
südlichen fiaZici-Inseln jetzt immer seltener geschieht. Hier auf Majuro wurde
von uns die extremste Ausdehnung der Ohrläppchen bemerkt; bei dem Könige
Gibrick auf Antel betrug der Durchmesser dieser eigentümlichen Ohrringe
113 mm.
Sonst machen auch hier die Eingeborenen einen besseren, kräftigeren
und selbstständigeren Eindruck, als beispielsweise auf Jaluit und Ebon.
Auch hier auf Majuro besieht ein unaufhörlicher Krieg zwischen den Be
wohnern der südlichen Hauptinsel Majuro und denen der nördlichen Inseln, welcher
sich aber hauptsächlich auf Raub und Zerstören von Kokosbäumen beschränkt.
Auf Majuro lebt der alte, fast ganz erblindete König Kaibucki; das Haupt
der nördlichen Inseln ist König Gibrick auf Aniel, ein kräftiger Mann, welcher
von allen bis jetzt gesehenen Eingeborenen seiner äufseren Erscheinung nach
den besten Eindruck machte. Er war nicht zu bewegen, das Schiff zu besuchen,
da sein böses Gewissen und das den Eingeborenen innewohnende Mifstrauen
ihn für sein Leben fürchten liefs. Auch scheinen die Häuptlinge wenigstens
hier vermögender zu sein, wie auf Jaluit und Ebon. Das sehr wohlgebaut
Haus des Königs Kaibucki von Majuro war mit einer dicken Steinmauer mit
Schicfssckaiten umgeben, hinter welcher drei kleine Böller aufgestellt waren.
Auf der Hauptinsel Majuro befindet sich ein farbiger Missionar, welcher
aber nichts zu thuu hat, da die Eingeborenen hier vom Christenthum nichts
wissen wollen. Es giebt auf dieser Inselgruppe weder Kirche noch Schule.
Sämmtliche Missionäre auf den Marshall-Inseln rossortiren von der von Dr.
Pease auf Kusaie geleiteten Hauptstation, welche wiederum unter der zu
Honolulu befindlichen „Hawaian Evangelical Association“ steht. Die Gesell
schaft besitzt einen Dampfer „Morning Star“, welcher den Verkehr zwischen
den Missionen vermittelt. Weifse Missionare giebt es jedoch auf den Marshall-
Inseln nicht mehr. Nach dem letzten Jahresbericht der Gesellschaft giebt es
auf Mille, Arno, Jaluit, Ebon und Kusaie je eine Kirche, auf letzterer Insel
aufserdem eine „training school“.
Von Lebensmitteln sind auf Majuro Schweine und Hühner ziemlich
reichlich zu haben, im östlichen Theil der Lagune bei Djarrit jedoch nicht.
Trinkwasser ist auch hier nicht zu erhalten.
Auf dem Nordende der Insel Uliga liegt eine von einem Neger geleitete
Handels Station von Capelle & Co. und auf der Insel Edjit die Hauptstatiou
einer Neu-Seeland-Kopra-Firma, Henderson Me. Farlane & Co., welche gleich
falls auf Namorik, Ebon und Arno Agenturen besitzt. Die Firmen Hörnsheim
& Co. und Capelle & Co. haben aufserdem auf der Hauptinsel Majuro in der
Nähe der Residenz des Königs Kaibucki je eine Agentur etablirt. Die Station
von Hernsheim & Co. ist mit einem Flaggenstock versehen.
Die diesem Hefte beigegebene Skizze des östlichen Theiles der Lagune
von Majuro zeigt für diesen Theil einige Verbesserungen der dort von den
Schiffsführern gebrauchten Kartenskizze. Von der Insel Arniel ab ziehen sich
die anschliefsenden Inseln zunächst fast rechtwinklig nach NO und sodann in
einem weiten Bogen nach dem Ostende Woot der Hauptinsel Majuro herum;
auch ist ihre Zahl gröfser, als in der genannten Skizze angegeben ist. Die
einzelnen Inseln führen bei den Eingeborenen verschiedene Namen, indem diese
die Inseln nicht als solche, soweit sie durch Brüche in dem Riffe gebildet
werden, sondern die einzelnen, durch Lücken von einander getrennten Gruppen
von Kokospalmon benennen, welche allerdings auch aus gröfserer Entfernung
wie Inseln aussehen. Die Wassertiefen betragen in diesem Theile der Lagune
von Majuro 42—50 m bis dicht an die Strandriffe heran.
Ann. d. Hydr. etc., 1882, Heft III.
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