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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 10 (1882)

hältnisscn leben und von europäischen Sitten und Gewohnheiten wenig angenommen 
haben, mit Ausnahme der Feuerwaffen, von welchen sie Exemplare der neuesten 
Konstruktionen besitzen. Die Kleidung besteht noch überall bei den Frauen 
aus selbstgefertigten Matten, bei den Männern aus dem von Pandanusbast 
streifen gefertigten dicken Schurzrock. Die Männer drehen das Haupthaar noch 
zu einem Knoten auf dem Scheitel, während sie auf den südlichen ÄaKc/fc-Inseln 
dasselbe schon durchweg lose und meist kurz tragen; ebenso herrscht hier noch 
überall dio Sitte, die Ohrläppchen aufzuschlitzen und herunterzuziehen, um in 
die so ausgeweiteten Löcher Ringe von Pandanusbast einzulegeu, was auf den 
südlichen fiaZici-Inseln jetzt immer seltener geschieht. Hier auf Majuro wurde 
von uns die extremste Ausdehnung der Ohrläppchen bemerkt; bei dem Könige 
Gibrick auf Antel betrug der Durchmesser dieser eigentümlichen Ohrringe 
113 mm. 
Sonst machen auch hier die Eingeborenen einen besseren, kräftigeren 
und selbstständigeren Eindruck, als beispielsweise auf Jaluit und Ebon. 
Auch hier auf Majuro besieht ein unaufhörlicher Krieg zwischen den Be 
wohnern der südlichen Hauptinsel Majuro und denen der nördlichen Inseln, welcher 
sich aber hauptsächlich auf Raub und Zerstören von Kokosbäumen beschränkt. 
Auf Majuro lebt der alte, fast ganz erblindete König Kaibucki; das Haupt 
der nördlichen Inseln ist König Gibrick auf Aniel, ein kräftiger Mann, welcher 
von allen bis jetzt gesehenen Eingeborenen seiner äufseren Erscheinung nach 
den besten Eindruck machte. Er war nicht zu bewegen, das Schiff zu besuchen, 
da sein böses Gewissen und das den Eingeborenen innewohnende Mifstrauen 
ihn für sein Leben fürchten liefs. Auch scheinen die Häuptlinge wenigstens 
hier vermögender zu sein, wie auf Jaluit und Ebon. Das sehr wohlgebaut 
Haus des Königs Kaibucki von Majuro war mit einer dicken Steinmauer mit 
Schicfssckaiten umgeben, hinter welcher drei kleine Böller aufgestellt waren. 
Auf der Hauptinsel Majuro befindet sich ein farbiger Missionar, welcher 
aber nichts zu thuu hat, da die Eingeborenen hier vom Christenthum nichts 
wissen wollen. Es giebt auf dieser Inselgruppe weder Kirche noch Schule. 
Sämmtliche Missionäre auf den Marshall-Inseln rossortiren von der von Dr. 
Pease auf Kusaie geleiteten Hauptstation, welche wiederum unter der zu 
Honolulu befindlichen „Hawaian Evangelical Association“ steht. Die Gesell 
schaft besitzt einen Dampfer „Morning Star“, welcher den Verkehr zwischen 
den Missionen vermittelt. Weifse Missionare giebt es jedoch auf den Marshall- 
Inseln nicht mehr. Nach dem letzten Jahresbericht der Gesellschaft giebt es 
auf Mille, Arno, Jaluit, Ebon und Kusaie je eine Kirche, auf letzterer Insel 
aufserdem eine „training school“. 
Von Lebensmitteln sind auf Majuro Schweine und Hühner ziemlich 
reichlich zu haben, im östlichen Theil der Lagune bei Djarrit jedoch nicht. 
Trinkwasser ist auch hier nicht zu erhalten. 
Auf dem Nordende der Insel Uliga liegt eine von einem Neger geleitete 
Handels Station von Capelle & Co. und auf der Insel Edjit die Hauptstatiou 
einer Neu-Seeland-Kopra-Firma, Henderson Me. Farlane & Co., welche gleich 
falls auf Namorik, Ebon und Arno Agenturen besitzt. Die Firmen Hörnsheim 
& Co. und Capelle & Co. haben aufserdem auf der Hauptinsel Majuro in der 
Nähe der Residenz des Königs Kaibucki je eine Agentur etablirt. Die Station 
von Hernsheim & Co. ist mit einem Flaggenstock versehen. 
Die diesem Hefte beigegebene Skizze des östlichen Theiles der Lagune 
von Majuro zeigt für diesen Theil einige Verbesserungen der dort von den 
Schiffsführern gebrauchten Kartenskizze. Von der Insel Arniel ab ziehen sich 
die anschliefsenden Inseln zunächst fast rechtwinklig nach NO und sodann in 
einem weiten Bogen nach dem Ostende Woot der Hauptinsel Majuro herum; 
auch ist ihre Zahl gröfser, als in der genannten Skizze angegeben ist. Die 
einzelnen Inseln führen bei den Eingeborenen verschiedene Namen, indem diese 
die Inseln nicht als solche, soweit sie durch Brüche in dem Riffe gebildet 
werden, sondern die einzelnen, durch Lücken von einander getrennten Gruppen 
von Kokospalmon benennen, welche allerdings auch aus gröfserer Entfernung 
wie Inseln aussehen. Die Wassertiefen betragen in diesem Theile der Lagune 
von Majuro 42—50 m bis dicht an die Strandriffe heran. 
Ann. d. Hydr. etc., 1882, Heft III. 
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