151
4) Mille-Atoll. 1 ) Die diesem Hefte beigegebene Skizze der etwa
8 Sm östlich von Port Rhin befindlichen Einfahrt in die Lagune von Mille-
Atoll, welche von einem Schiffsführer der Firma Heinsheim & Co. herrührt,
erwies sich bei Benutzung dieser Passage zwischen Mittag und l b p. m. am
9. Juni durch S. M. Av. ,¡Habicht.“ als zutreffend und die Passage selbst als
praktikabel. 2 ) Nach Zurücklegung derselben wurde mit SWzS-Kurs durch die
vollkommen klare Lagune nach Mille-1. gedampft, woselbst S. M. Av. „Habicht“
um 2 h 30 m p. m. gegenüber der Ostspitze, wo sich der Wohnsitz des Königs
Kaibuki befindet, in 29m Wasser ankerte.
Die Insel Mille, welche der ganzen ein Atoll bildenden Gruppe den
Namen giebt, liegt nicht, wie die B. A.-K. No. 983 (Tit. XI, No. 409) zeigt,
in der SO-Ecke des Atolls, sondern bildet das Westende des sich in einem
flachen Bogen nach Ost erstreckenden südlichen Korallenriffes. Das Besteck
des Ankerplatzes wurde auf 6° 5,8' N-Br und 171° 48,2' O-Lg berechnet, und
wurde von hier aus durch Peilung und Distanzschätzung gefunden:
Mille-1., Westspitze 6° 6,4' N-Br, 171° 47,4' O-Lg.
„ Ostspitze 6° 5,2' N-Br, 171° 47,8' O-Lg.
Die kleineren Schiffsboote können hier ohne Gefahr auf den Strand laufen.
Der westliche, sich etwa von NNW nach SSO erstreckende Korallenstrang
des Atolls scheint um ca 2—3' östlicher zu liegen, als die erwähnte Karte au-
giebt. Dies stimmt mit den Beobachtungen des französischen Schiffskapitäus
Berard, wie sie der Plan von Port Rhin (B. A.-K. No. 989, Tit. XI No. 410)
angiebt, überein. Derselbe giebt die Länge seines Observationsortes auf
171° 46' Ost an. Danach würde die NW-Spitze des Atolls auf 171° 45' Ost
liegen. Diesseitige Beobachtungen ergaben diese Länge zu 171° 44,8' Ost, wäh
rend nach der B. A.-K. No. 983 die Länge 171° 42'Ost ist. Die daselbst ange
gebene Breite scheint richtig zu sein. Für die Ostspitze der Insel Tapimoor
(westlich der neuen Passage) wurde die Breite von 6° 16' Nord gefunden; die
Koppelung von dem Morgenbesteck an ergab die Länge gleich 171° 54,5° Ost.
Auf der westlichen Insel an der Einfahrt zu Port Rhin, Tokowa (Takävo),
woselbst S. M. Av. „Habicht“ am 10. Juni 2 h 30 m p. m. ankerte, befindet
sich eine Handelsstation von Capelle & Co. Der oben erwähnte Plan von
Port Rhin scheint ziemlich korrekt zu sein, jedoch ist bei der Benennung der
Inseln insofern eine Verwechselung vorgekommen, als die, die Einfahrt westlich
begrenzende Insel nicht Bar, sondern Tokowa (Takävo), dagegen die östliche
Insel Bar heifst.
Die Stärke der Bevölkerung der Mille-Gruppe liefs sich nicht ermitteln.
Die gröfsere Zahl derselben wohnt auf der Hauptinsel Mille. Auch ist dort
ein farbiger Missionar stationirt; sämmtliche Bewohner Mille’s sind Christen.
Von dem Missionar konnten Schweine in ausreichender Zahl erhandelt werden,
ebenso Hühner von den Eingeborenen. Trinkwasser ist auf der Insel nicht
zu haben.
Bei dem Auslaufen aus der Lagune am Nachmittag des 11. Juni wurde
konstatirt, dafs die in dem erwähnten Plane angegebene 272Faden-Stelle sich weiter
nach aufsen befindet, etwa dort, wo in dem Plane der durch ein -f- bezeichnete
Stein vermerkt ist. Dieser Stein ist übrigens keinem der hier oft verkehrenden
deutschen Schiffsführer bekannt und konnte auch vom Bord des „Habicht“
aus nicht aufgefunden werden, obwohl diese Stelle in nächster Nähe passirt
wurde. Es scheint, als ob bei der Zeichnung des Planes eine Verwechselung
vorgekommen ist.
5) Arno-Atoll. 3 ) Am 12. Juli 8 h a.m. stoppte „Habicht“ vordem Arno-KtoW,
gegenüber der in der B. A.-K. No. 988 (Tit. XI, No. 411a) an der Südseite
angegebenen „Tracking-Station“, wo sich je ein Agent von Hernsheim & Co.
und Capelle & Co. befindet; bei dem späteren Passiren der SW-Spitze des
Atolls wurde die Lage desselben zu 7° (H N-Br und 171° 35,2'O-Lg. berechnet.
Die Südostspitze des Atolls scheint sich flacher nach Ost zu auszurunden,
*) Ygl. „Ann. d. Hydr. etc.“, 1881, pag. 532.
*) Aiifser dieser Passage soll es an der Nord- und Nordost-Seite des Atolls noch «5—G gute
Passagen geben.
3 ) Lage und Beschreibung s. »Ann. d. Hydr. etc.“ 1881, pag. 532.