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Full text : Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 10 (1882)

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2.  Witterungs-  und  Stromvcriiältnisse  zwischen  den  Ellice-  und
Marshall-Inseln  im  Mai  1881.
„Nach  der  Passage  von  Sophia*!,  wurde  der  Kurs  NW  direkt  auf  Jaluit,
(Bonham),  Marshall-Gruppe,  gesetzt,  welcher  in  Sicht  der  ca  24in  hohen  Nui-Iusel
  der  ¿7/7ce-Gruppe  vorbeiführen  inufste.  Indessen  schon  am  18.  Mai,  auf
10°  S-15r,  trat  vollständiges  Kalmenwetter  mit  starken  Niederschlägen  ein,
welches  bis  zum  20.  früh  andauerte,  so  dafs  bei  den  mit  Stillen  wechselnden
umlaufenden  Winden  nicht  Kurs  gehalten  werden  konnte.  Am  20.  kam  jedoch
der  SE-Passat,  wenn  auch  zeitweise  von  nordöstlichen  Winden  unterbrochen,
wieder  entschieden  durch,  obwohl  nur  flau,  und  führte  derselbe  unter  ununterbrochen ­
  schönem  Wetter,  bei  allerdings  grofser  Hitze,  am  26.  in  1°  S-Br  und
172°  O-Lg  ohne  weitere  Unterbrechung  in  den  NE-Passat  über,  welcher,  allerdings ­
  durch  Regenschauer  und  Stillen  gestört,  bis  zur  Ankunft  in  Jaluit  durchstaud.
  Wenn  daher  der  ganze  Verlauf  dieser  Reise  meteorologische  Verhältnisse
dargetbau  hat,  die  von  den  Angaben  der  Windkarten  ganz  erheblich  abweicheu,
so  ist  noch  ganz  speciell  zu  erwähnen,  dafs  sich  gerade  während  der  beiden
Kalmentage  vom  18.  bis  20.  Mai  eine  scharf  markirte  Versetzung  von  S  80°  0
21,8  Sm  in  48  Stunden  ergab,  während  vorher  und  nachher  westliche  Strömung
(bis  zu  28,6  Sm  pro  Etmal  in  2°  34'  S-Br)  gefunden  wurde.  Aufserdem  scheint
infolge  der  Lage  der  Gilbert  -  Gruppe  der  sonst  meist  nördlicher  als  West
setzende  Strom  auf  der  Höhe  des  Zwischenraumes  zwischen  der  EUice-  und
G7№eri-Gruppe  in  eine  mehr  südliche  Richtung  gedrängt  zu  werden.“
3.  Bemerkungen  über  die  Jaluit-  oder  Bonham-Inseln l )  und  verschiedene
andere  Inseln  der  Marshall-Gruppe.
„1)  Jaluit-Atoll.  Ansegelung.  Am  29.  Mai  um  7 h  30™  a.  m.  kam  eine
Insel  auf  ca.  15  Sm  in  Sicht.  Nach  dem  Besteck  und  ganz  besonders  ihrer
Gröfse  nach,  wurde  diese  Insel  Anfangs  für  die  in  der  Br.  A.-K.  No.  983  (Tit.  XI
No.  409)  angegebene  gröfstc  östliche  und  speciell  Jaluit-  oder  Bonham-1.  benannte ­
  Insel  gehalten  und  demgemäfs  weiter  westlich  nach  dem  südöstlichen
Eingänge  in  die  Lagune,  welche  der  Karto  nach  zwischen  der  genannten  Insel
und  den  Elizabeth-ln. 2 )  liegen  mufste,  gesucht,  jedoch  wurde  der  Irrthum  sehr
bald  bemerkt  und  dann  ein  nordöstlicher  Kurs  genommen,  da  sich  S.  M.  Aviso
„Habicht“  bereits  westlich  von  den  Elizabeth-ln.  befand.  Hierbei  wurde  speciell
die  von  dem  Kommandanten  S.  M.  S.  „Ariadne“  in  Heft  VI.  der  „Ann.  d.
Hydr.  etc.“,  1879  p.  281,  gegebene  Beschreibung  benutzt,  welche  sich  jedoch
nicht  überall  als  ganz  zutreffend  erwies.  Die  südlichste  Insel  der  Elizabeth-In.
ist  nämlich  weitaus  die  gröfste  dieses  südlichen  Insel-Komplexes,  und  gewährt
die  ganze  Kette  dieser  Riff-Inseln  beim  Ansegeln  überhaupt  nur  das  Aussehen
einer  einzigen,  langgestreckten  niedrigen  Insel.  Auch  bei  einer  Annäherung  bis
auf  ca.  2  Sm  entdeckt  man  nur  mit  Mühe  und  höchst  unsicher  ganz  schmale
Lücken  in  der  Vegetation,  welche  die  einzelnen  Inseln  von  einander  trennen
mögen.  Wie  von  S.  M.  S.  „Ariadne“  angegeben,  nimmt  der  östliche  Schenkel
des  Riffes,  auf  welchem  diese  Elizabeth-ln.  liegen,  einen  weit  nördlicheren  Verlauf, ­
  als  die  Karte  angiebt,  etwa  von  SzW  nach  NzO,  und  sind  auch  hier  Lücken
kaum  zu  entdecken.  Auch  die  Einfahrt  nach  dem  an  der  gedachten  Stelle  mit
„Rhede  von  Jaluit“  bezeichneten  Ankerplatz  markirt  sich  in  koiner  Weise,  da
die  Brandung,  weil  sich  die  hier  liegenden  Riffe  vor  einander  schieben,  als  ununterbrochen ­
  erscheint.  Erst  als  über  die  Insel,  auf  welcher  die  deutschen
Niederlassungen  liegen,  weg,  durch  die  Kokosbäume  hindurch,  die  Masten  eines
in  der  Lagune  ankernden  Schoners  und  die  Flaggenstöcke  und  Baulichkeiten  der
Niederlassungen  erkannt  wurden,  sowie  als  die  Mittagsbreito  eine  entsprechende
Position  ergab,  war  die  Einfahrt  mit  Bestimmtheit  gefunden.

1)  Vgl.  hinsichtlich  der  Ansegelung  der  Jaluit-Inseln  Heft  X  dieser  Annalen,  1881,  pag.  527
und  528,  wie  überhaupt  betreffs  der  einzelnen  Inseln  der  Marshn.H-Gruppe  den  Artikel  der  Deutschen
Seewarte  pag.  525—536  mit  Karte  zu  Heft  X.  A.  d.  R.

-)  Diese  Bezeichnung  für  die  auf  dem  südlichen  Xheile  des  Jaluit-Atolls  liegenden  Inseln
ist  in  der  Karte  zu  Heft  X  der  „Ann.  d.  Hydr.  etc.“  1881  nicht  aufgeführt.  A.  d.  R.
            
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