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lehrreiche Nebenbeschäftigung etwas mehr zur Geltung zu bringen, als es bisher
der Fall war. Besondere Vorbereitungen sind nicht nötbig, und es dürfte
z. B. für einen Kapitän, der au der chinesischen Küste fährt, bei einigem
Sammelfleifs ein Leichtes sein, im Laufe eines Jahres 40—50 Normalörter zu
erhalten, die für die Wissenschaft und die Praxis vom gröfsten Werth sein
würden. Für einen ihm unbekannten Sturm, der einmal vor 3 oder 5 Jahren
gcwüthet hat, kann sich der Seemann nicht in derselben Weise interessiren,
wie für den, der ihm vor acht Wochen die Stengen gekostet hat; und bei der
jetzigen schnellen Verbindung mit allen Küstenplätzen wäre es bei hinreichender
Betheiligung ein Leichtes, in wenigen Wochen die Bahn eines jeden gröfseren
Sturmes etwa in der Weise anzugeben, wie es in obiger Liste oder auf der
Tafel 7 geschehen ist.
Aus den Reiseberichten S. M. Aviso „Habicht“, Korv.-Kapt. Kuhn. 1 )
(Mit zwei Skizzen, Tafel 8.)
In der Zeit vom 11. Mai bis 12. Oktober 1881 hat der Aviso „Habicht“
eine Bundfahrt von Apia über die Ellice-, Marshall- und Carteret-Inseln, die
Carolinen, Neu-Britannien, Neu-Irland zurück bis Apia gemacht. Ueber die
während dieser Keise und der Zeit des Aufenthaltes bei verschiedenen der von
ihm besuchten Inseln gemachten Beobachtungen und Erfahrungen hat der Kom
mandant des „Habicht“, Korv.-Kapt. Kuhn, einen ausführlichen Bericht cin-
gesendet, dem wir im Auszuge Nachstehendes entnehmeu.
1. Beschreibung und Lage der Insel Sophia. Ellice-Gruppe.
„Die Insel kam am 17. Mai 8 h a. m. auf eine Entfernung von ca 15 Sm
bei ziemlich bedecktem Wetter in Sicht und wurde um ll h a. m. auf 1,5 Sm
südlich passirt. Diese Insel hat ganz das Aussehen aller übrigen Korallen
inseln; sie ist mit Gebüsch und niedrigen Bäumen dicht bestanden, aus welchen
sehr zahlreiche abgestorbene Kokosstämme hervorragen. Nur eine lebende
Kokospalme war darunter zu entdecken. Die Längenausdehnung der Insel in
der Richtung von SW nach NO wurde auf 1 Sm geschätzt; an manchen Stellen
ragen Riffe ca 1 Kblg hinaus, sonst scheint der Strand überall rein zu sein.
Die Angabe in Findlay’s „South Pacific Directory“, pag. 751, dafs Sophia-1.
unbewohnt sei, ist insofern unzutreffend, als auf der Südseite zwei anscheinend
wohlgebaute Hütten bemerkt wurden, bei welchen eine rothe und weifse Flagge
(ähnlich der englischen Lotsenflagge) gezeigt wurde. In Apia hatte ich auch
schon gehört, dafs sich seit Kurzem einige Ansiedler hier niedergelassen hätten.
Auch wurden am Strande Menschen gesehen. Da indessen von diesen keine
Zeichen, welche den Wunsch einer Kommunikation ausdrückten, gemacht wurden,
auch kein Boot sich zeigte, so nahm ich davon Abstand, ein Boot an Land zu
schicken, da hierdurch bei der hohen Brandung am Strande, welche eine Lan
dung jedenfalls sehr erschwert hätte, ein längerer Aufenthalt entstanden wäre.
Die Lage von Sophia-1. ist von Findlay a. a. 0. angegeben zu 10° 46'S-Br
und 179° 31' O-Lg. Nach der Reduktion vom diesseitigen Mittagsbesteck und
Peilung w r urde die Position der Südspitze der Insel zu 10° 47,8' S-Br und
179° 32,3' O-Lg und nach der Dwarspeilung um ll h a. m. zu 10° 47,7' S-Br
und 179° 31,4' O-Lg gefunden. Die Chronometer waren vor dem Ausgehen in
Apia regulirt worden. Es scheint danach die angegebene Länge richtig zu sein,
die Insel aber in der Breite nach der sehr günstigen Observation des „Habicht“
um 1,7 Sm südlicher zu liegen.“
*) Vgl. »Ami. d. Hydr. etc.“, 1881, pag. 280, 155. In der Notiz No. 6 über die „Günstige
Rmite von Kapstadt bis Melbourne an Januar und Februar“, s. diese Annalen, 1881. pag. 280, miifs
es heifsen: 40° —41° Süd, statt 30° —41° Süd.