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Ankerplatz von Zarzis. Nach den eingezogeneu Erkundigungen bietet
das Landen zu Zarzis keine Schwierigkeit, da die Tiefen gegen das Ufer hin
sehr regelmäfsig abDehmen; auch ist daselbst die See stets ruhig, so dafs
Kanonenboote nicht weit vom Lande ankern können.
Kanal von Agim (Adjim). Die westliche Einfahrt zu dem Agim-Kanal,
zwischen dem Festlande von Tunis und der Insel Jerbah (Djerbuh), hat nach
den Angaben des „Gladiateur“ sehr unregclmäfsigo Tiefen, zwischen 4,5 bis
20 m wechselnd, da die Strömungen starke Verschiebungen und Unebenheiten
des Grundes verursachen. Der Kanal ist daher nur Schiffen von geringem
Tiefgange zugänglich. Zwischen Bordj el Marsa auf der Insel Jerbah und dom
Festlande sind die Strömungen in dem Kanal von Agim sehr stark und erreichen
eine Geschwindigkeit von 3—4 Sm dio Stunde. Wenn nur die geringste östliche
Briese gegen die Fluthströmung weht, so staut sich die See auf und bildet
einen sich überstürzenden Seegang, welcher Booten gefährlich ist.
Nördlich von dem Agim-Kanal liegt die Insel Cattaya oder Aoura,
gegenüber den beiden Sidi’s (Marabut’s oder Grabdenkmäler) Aoura und Sula
(s. Plan im „Annexe ä la Notice hydr.“, No. 45, Paris 1881).
An der Küste der Insel Jerbah, südöstlich von Bordj el Marsa heifst das
erste Sidi Gouai und das zweite Gabeli. Das einzige Objekt am Festlande, das
Kabelhaus, wird von Sidi Gabeli S 70° W gepeilt. Die Insel östlich von Sidi
Gabeli heifst ebenfalls Cattaya. Auf dem SO-Ende derselben steht noch ein
Sidi, das aus allen Richtungen sichtbar ist und ein gutes Pciluugsobjekt
bildet. Der Kanal nördlich von Cattaya ist nicht zugänglich.
An der Festlandsküste, südwestlich der Insel Cattaya, befindet sich eine
ausgedehnte Bank, die bei Hochwasser Springzeit überfluthet wird. Diese
Bank, von den Lotsen Youriren genannt, erstreckt sich in der Richtung NO
und ist mit der Bank der Insel Cattaya durch eineu 4m-Rüeken verbunden,
der eine Art Barre bildet. Sobald der Einfahrts-Kanal betonnt sein wird, wird
das Einlaufen in die Bai südlich der Insel Jerbah einem Schiffe vom Tiefgang
eines Kanonenbootes keine Schwierigkeiten bieten. Nach dem Passiren bei der
Bank der Insel Cattaya wird man in der Bai überall freies Fahrwasser finden:
im Norden gegen die grofso und schöne Galleiah-Bucht, im Osten gegen Tahella,
wo man sich dem Lande auf 1,5 Sm nähern kann, und im Südwesten gegen die
Bograra-Bucht, wo die Tiefen 8 bi3 10 m betragen.
In der Bai befinden sich entfärbte Stellen, welche den Anschein vou
Untiefen haben; aber der „Gladiateur“ ist über mehrere hinweggefahreu, ohne
dafs das Loth auffallende Aenderungen der Wassortiefen augezeigt hätte. Diese
Stellen sind Flecken nackten Sand- und Schlammgrundes.
Gezeiten und Strömungen. Im Allgemeinen setzt die Fluth sowohl von
Ost als von West in die Bai und die Ebbe in denselben Richtungen hinaus.
Die Höhe der Springfluthen beträgt ca 2 m und die Fluthhöhe zwischen
den Springfluthen 0,75 bis 2 m, je nach dem Mondesalter. Die Hafenzeit ist
4 h 30™".
2. Barre des Iuhambaue - Flusses. Ostkiiste von Afrika. 1 )
(„Notice to Mariners“ No. 155, London 1881). Der Führer des „British India
Steam Navigation Company“ - Dampfers „Abyssinia u , Kapt. J. Smith, be
richtet, dafs die Barre des Inhambane-Ylusses. ca 4 Sm vom Lande entfernt,
sich südlich verschoben haben soll. Wenn man die Einfahrt in WSW bringt,
so erblickt man am Strande der lnalinga■ Halbinsel eine weifse Landmarke, die
unter dem Namen „Pedestal“ daselbst bekannt ist und deren Vorderseite einer
Kapelle ähnlich sieht, und hinter derselben, auf der Spitze eines Hügels, zwei
einzelne Bäume, von welchen der südliche der höhere ist. Zwischen den Bäumen
befindet sich ein weifser Pfeiler, welcher des Morgens besonders deutlich zu
sehen ist.
Hält man die Marke „Pedestal“ südlich frei vom südlichen der beiden Bäume,
so führt diese Richtung über das tiefste Wasser bis zur Barre. Sobald das
Wasser auf der Barre flacher wird, bringe man die Marke ca 2 Strich über den
B. B.-Bug und steuere so lango in dieser Richtung, bis sie ganz frei vom süd
lichen der beiden Bäume und beinahe in Deckpeilung mit einem kleinen Doppel-
>) Vgl. „Africa Pilot“, Part III, London 1878, pag. 173.
Aua. d. Hydr. etc., 1882, Heft II.
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