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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 9 (1881)

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Beabsichtigt mau, einen Hafen aufzusuchen, so darf keine Zeit verloren 
werden, denn ist man erst im Bereiche des 'T’eifuns, so ist das Wetter so dick, dafs, 
namentlich bei hoher Küste, in kurzer Zeit vom Lande nichts mehr zu sehen 
ist, und ein Versuch, unter diesen Verhältnissen Land zu machen, wäre mit 
der gröfsten Gefahr für das Schiff verbunden. Hat man sich für die zweite 
Alternative entschieden, so sollte ein Schiff ca 20 Sm vom Lande ab beidrehen 
und das Weitere abwarten. 
—_ Erfahrungsmäfsig setzen die Teifune .an der Ostküste fast immer aus 
östlicher Richtung ein; sowie sich das Schiff im äufsersten Wirkungskreis der- 
selben befindet, bricht der Sturm mit ganzer Gewalt aus ESE oder SE ein; 
der Wind dreht dann über Süd auf SW und weht hier in wenigen Stunden ab, 
An der Ostküste wird also in den meisten Fällen das Schiff sich in dem rechten 
(östlichen) Halbkreis befinden und mufs deshalb über St. B. beidrehen. Dieses 
Manöver erscheint zuerst, mit Rücksicht auf die Nähe des Landes, gewagt, doch 
wird man sich bald von der Richtigkeit derselben überzeugen. Freilich wird 
ein über B. B. beiliegendes Schiff beim Beginn des Sturmes direkt auf Land zu 
liegen, bald aber infolge der Drehung des Windes wieder von demselben ab- 
kommen, Da sich der Wind rechts herum dreht, wird das Schiff immer luven 
müssen, wodurch man den grofsen Vortheil hat, dafs die See mehr von vorne 
kommt, wodurch die Bewegungen des Schiffes bedeutend leichter werden. Die 
Gefahr, durch die See über den Achtersteven gedrängt zu werden, ist nicht 
vorhanden, und jeder Weg, den das Schiff durch das Wasser macht, entfernt 
Jasselbe vom Sturmcentrum. 
Wenn hingegen ein im rechten Halbkreis befindliches Schiff über B. B.- 
Halsen beidrehen würde, so wird es allerdings zunächst vom Lande abliegen und, 
wenn der Wind dann aber über Süd auf SW geht, auf dasselbe zu liegen müssen. 
Zunächst ist es unmöglich, zu halsen, da der Wind am heftigsten aus SE—SW 
weht und eine schwere See aufwühlt. Da man beständig abhalten mufe, so 
wird man bald dwarssce sein und das Schiff schwer arbeiten. Man kann über 
Jen Achtersteven getrieben werden, und jeder Weg vorwärts bringt das Schiff 
Jem Sturmcentrum näher. 
Sollte ein Schiff an der Ostküste in-den linken (westlichen) Halbkreis 
gyerathen, was selten vorkommen wird, so kann man sicher annehmen, dafs das 
Centrum einen nördlichen Kurs läuft. Liegt jetzt ein Schiff über B. B.-Halsen 
bei, so mufs es bestrebt sein, so wenig Weg wie möglich vorwärts zu machen; 
cs sind nur so viel Segel zu setzen, um das Schiff an den Wind zu halten, denn 
jeder Weg vorwärts ist eine Annäherung an das Centrum. Sei das Centrum 
uun passirt oder nicht, die Bahn desselben mufs unter allen Umständen möglichst 
vermieden werden, da in dieser die See natürlich am meisten aufgeregt ist. 
Die Teifune wehen, je nach ihrem örtlichen Umfange und der Lage des 
Schiffes zum Centrum, in 4-—8 Stunden ab. Bisweilen, aber selten, lassen sie 
einen südwestlichen oder nordwestlichen Sturm von ca achtstündiger Dauer 
zurück. Innerhalb des Bereichs des Teifuns fällt das Barometer sehr schnell, 
steigt aber auch ebenso schnell, sowie das Centrum passirt ist. Die Richtung, 
in welcher das Centrum fortschreitet, liegt zwischen Ost und ENE, mit einigen 
Ausnahmen, in welchen es 1—2 Strich westlich von Nord läuft, Der Strom 
setzt das Schiff während eines Teifuns fast imıner nach Osten. 
Die fortschreitende Bewegung des Centrums scheint bis Kap Sima eine 
sehr schnelle zu sein. Während die Cyklone des indischen und atlantischen 
Oeceans erfahrungsgemäfs eine Geschwindigkeit von 1—8 Sm die Stunde haben, 
hat man in Japan Teifune beobachtet, welche die Strecke vom Ku-Kanal über 
die Provinz Kit hinweg nach Kap Sima — eine Entfernung von 110 Sm — 
in 6 Stunden zurückgelegt haben, was eine Geschwindigkeit von 18—19 Sm die 
Stunde ergiebt, Sonderbarer Weise scheint die Geschwindigkeit nach Passiren 
von Kap Sima abzunehmen, bisweilen bleibt das Centrum dort sogar einige 
Zeit stehen, Die Thatsache, dafs von Osten kommende Schiffe in der Höhe 
dieses Kaps oft in einen Teifun hineinlaufen, spricht wenigstens für diese 
Muthmafsung, 
Die Teifune an der Ostküste scheinen dem Lauf des Kuro-siwo zu folgen; 
sie’ nehmen einen geraden Kurs von der van Diemen-Strafse nach dem südlich- 
sten Punkt der Provinz Kız und von dort nach Zro 0 sakı. Das hohe Land seheint
	        
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