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April wehen bisweilen auf offener See starke östliche Winde, während gleichzeitig
unter Land leichte nördliche Winde mit Regen angetroffen werden. Fallendes
Barometer und hohe auflandige Dünung sind die Anzeichen des draufsen
wehenden Windes. Der Wind wird jedoch bald auf NW gehen, wodurch das
Schiff aus seiner unangenehmen Lage befreit ist.
Bei Kap Kingkasan geräth man gewöhnlich plötzlich in den Nebel hinein.
Die japanischen Küstennebel haben ihre eigene und eigenthümliche Physiognomie.
Sie bilden eine dicke, scharf abgegrenzte Wand, so dafs z. B. das Vordertheil
des Schiffes bereits in dicken Nebel eingehüllt sein kann, während am Hinter-
theil desselben noch klarer Himmel und heller Sonnenschein ist. Die Nebel-
bank erscheint dem Seefahrer wie eine scharf abgegrenzte, dem Auge undurch-
dringliche hohe Mauer; nur kurze Zeit noch ist ihm vergönnt, dem freundlichen
Sonnenschein Lebewohl zu sagen, Vom hellsten schönsten Wetter. läuft das
Schiff plötzlich in das Reich der Finsternifs, durch welches es sich nur zu oft
den Weg nach Hakodate suchen mufs, Sowie sich das Schiff dieser Nebelbank
nähert, mufs der Ort derselben noch einmal und möglichst genau bestimmt, und
bis zum letzten Augenblick kontrolirt werden. Man halte sich dann unter Land
und steuere von Punkt zu Punkt bis nach Kap Kiorzi, von wo aus direkt auf
Siriya saki Kurs zu nehmen ist. Der Ausguck ist zu verstärken, die Auf-
merksamkeit zu erhöhen, da der Nebel über Land oft auf einige Sekunden aus
einander geht und gelegentlich einen Blick auf dasselbe gestattet. Das Loth,
der Widerhall der Dampfpfeife, das Geräusch der Brandung können werthvolle
Aufschlüsse über die Entfernung vom Lande geben,
Zwischen Miyako und Siriya saki sind die durch das Log gefundenen
Distanzen mit grofser Vorsicht aufzunehmen, Bekommt man Siriya sakt nicht
in Sicht, so sei man vorsichtig in Ansteuernng der Tsewugar-Straßse. Befindet
man sich wirklich vor derselben, so wird man ca 10—12 Sm nördlich von
Siriya sakt starke, oft sehr geräuschvolle Stromkabbelungen antreffen, Befindet
man sich in diesen Stromkabbelungen, hat sich ferner die Wassertemperatur
bedeutend geändert, und stimmt endlich das gegifste Besteck so ziemlich über-
ein, so kann man annehmen, dafs man Siriya saki passirt hat, und nun mit der
nöthigen Vorsicht die Zsugar-Strafse ansteuern.
Ein anderes Merkmal, dafs man sich vor der Strafse befindet, ist das
Vorhandensein von allerlei schwimmenden Gegenständen, wie Theile von Bäumen,
Pflanzen, Treibholz u. s. w., welche von der Ebbe von der Küste abgeführt
und von Wind und Strom weiter getragen sind. Man trifft solche gewöhnlich
in der Höhe der Insel Yezo an.
Hat man auf See Windstillen oder östliche Winde gehabt, und nehmen
diese beim Einlaufen in die 7swugar-Strafse eine nördliche Richtung an, so kann
man auf klares Wetter bei Kap Blunt rechnen, welches Kap immer angesteuert
werden sollte. Von diesem aus kann man unter die Küste von Yezo gehen.
Unter Land wird die See merklich ruhiger werden, da man sich hier aufserhalb
des durch die Strafse laufenden Stromes befindet.
In zweifelhaften Fällen muls man auch hier Loth, Dampfpfeife und Ge-
räusch der Brandung zu Rathe ziehen. Wenn es stark aus Osten weht, so
ist die ganze Strafse in Nebel eingehüllt.
Die Westküste,
1. Westküste von Nipon. Während der Wintermonate, von November
bis Ende März, sind starke westliche und nordwestliche Winde vorherrschend,
welche fast ohne Unterbrechung auf einander folgen. Nur bisweilen, bei Voll-
und Neumond, kommt ein Tag mit gutem Wetter vor. Diese permanenten
starken Winde bringen natürlich eine sehr hohe See hervor, welche sich in
kolossaler Brandung an der Küste bricht. Die Stürme setzen meistens ganz
plötzlich ein und sind gewöhnlich von grofsen Schneemassen begleitet. Bisweilen
nur kündigt eine schwere Dünung die Annäherung eines Sturmes an. Ist einmal
auf die Dauer von 24 oder 36 Stunden schönes Wetter, so nimmt der Wind in
der Regel eine östliche Richtung an, und das Barometer steigt sehr hoch.
Plötzlich beginnt dann ein leichter Schneefall, der Wind geht auf Süden, dann
auf Westen, während gleichzeitig mit der Geschwindigkeit der Drehung des
Windes der Schneefall sich verstärkt; das Barometer fällt schnell, der Wind