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Von Kingkasan ab müssen Dampf- und Segelschiffe auf Kap Kiori zu
steuern und das Land bis Miyako festhalten. Längs dieses Küstentheils läuft
der Oya-siwo (kalter Strom s. „Hydr. Mitth.“, 1873, pag. 33 und 35 und 1874,
pag. 237) in südöstlicher Richtung und gelegentlich mit grofser Geschwindig-
keit; dickes Wetter und starke Schneestürme kommen hier sehr häufig vor;
cs kann nicht dringend genug darauf hingewiesen werden, dafs man dicht unter
Land halten mufs, erstens, um die volle Wucht des Stromes zu vermeiden, und
dann auch, um das Besteck nach Landmarken möglichst oft kontroliren zu
können.
Dampfschiffe müssen vom Verlassen des Kaps Tayomane (jap. Kunaya
saki) das Land bis Kap de Vries halten, wobei die vor Kap Kuro (Kuro saki)
liegenden Untiefen in genügende Rechnung zu zichen sind; von Kap de Vries ist
direkt auf Siriya saki zu steuern. Jetzt haben die Schiffe einen genauen Ab-
gangsort, ein nicht hoch genug zu schätzender Vortheil, wenn man die Unregel-
mäfsigkeit der Strömungen und den Umstand berücksichtigt, dafs das Land oft
Jlurch Schneestürme und dickes Wetter gänzlich verdeckt wird. Einmal wird
das Schiff bedeutend weiter sein, als es glaubt, während es ein anderes Mal
vielleicht um ebensoviel hinter dem gegifsten Besteck zurück ist.
Segelschiffe müssen sich ebenfalls unter Land halten, wodurch sie den
Oya-siwo vermeiden, welcher in südlicher Richtung von Kap Yuimo nach
Kap Tayomane, und von dort bis Kap Kingkasan in südsüdöstlicher Richtung
in einer Stärke bis zu 2 Sm per Stunde läuft. In der Höhe letztgenannten
Kaps trifft der kalte Strom augenscheinlich auf den Kuro-siwo und läuft dam
zwischen diesem und dem Lande, bis er sich mit dem warmen Strom vereinigt,
wodurch starke Stromkabbelungen verursacht werden.
Man sieht hier zwei mächtige Meeresströmungen von bedeutend ver-
schiedener Temperatur, zuerst in unmittelbarer Nachbarschaft neben einander,
und endlich eine Vereinigung ihrer Gewässer. Dieser Umstand ist zweifellos
die Hauptursache der so schr unbeständigen Witterung, des überaus plötzlichen
Wechsels derselben, sowie der lästigen Sommernebel,
Seit Errichtung der Leuchtfeuer auf Siriya saki und Kingkasan ist die
Navigirung dieser Küste bedeutend erleichtert worden. Trotzdem aber kann
man mit Rücksicht auf das häufige dicke Wetter, auf das Schneetreiben im
Winter, wie auf die fast permanenten Sommernebel, ferner auf die gänzliche
Unregelmäfsigkeit und Unzuverlässigkeit der Gezeitenströmungen, den Ort des
Schiffes nicht oft genug bestimmen. Keine sich hierzu darbietende Gelegenheit
sollte daher versäumt werden. Als Thatsache ist zu bemerken, dafs die Strö-
mungen im Sommer viel stärker sind als im Winter,
Wenn Segelschiffe Siriya saktı passirt haben und nach Hakodate bestimmt
sind, so ist es rathsam, bei Gegenwind unter der Küste Nipons bis nach Low-J.
aufzukreuzen, dann über die Zsugar-Strafse hinüber zu liegen, bis man Kap
Blunt in östlicher Richtung peilt, und von hier dann nach Hakodate Head anuf-
zukreuzen.
In der Teugar-Strafse setzt der Strom stets in ostnordöstlicher Richtung,
während die Stärke desselben von der Jahreszeit und der Stärke des in der
chinesischen See wehenden Monsuns abhängig ist.
Für Winterreisen gilt also vor allen Dingen die Regel, das Land zu
halten. Die Gefahr, auf die in Lee befindliche Küste zu kommen, ist nicht sehr
grofs, denn wenn es auch anfangen sollte aus Osten zu wehen, so wird der
Wind doch bald auf NE oder SE gehen und dem Schiff gestatten, vom Lande
frei zu liegen. Die stärksten Winde wehen aus NE, aus welcher Richtung auch
die schwerste See zu erwarten ist.
Während des Sommers, d.h. zu der Zeit, zu welcher der SW-Monsun in
der chinesischen See frisch eingesetzt hat, sind die Strömungen an der Küste
viel stärker als im Winter. Während dieser Jahreszeit werden von Yokohama
nach Norden gehende Schiffe ihre Distanz bis Kap Znaboye immer um ca 10 Sm
überschätzen und überall an der Küste starke Stromkabbelungen vorfinden.
Dampfschiffe können auch in dieser Jahreszeit den oben gegebenen An-
weisungen folgen, Segelschiffe müssen aber mehr auf ihrer Hut sein. Die Regel,
sich möglichst unter Land zu halten, gilt allerdings auch hier, So lange Schnee
auf den Bergen liegt, ist die Küste in Lee nicht zu befürchten, Im März und
Ann, d. Hydr., 1881, Hoft 1I (Februar).