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Wetter und Windrichtung sind in der Nähe der Küste fast immer von
denen auf offener See verschieden; ebenso trifft man an verschiedenen, selbst
nicht weit von einander entfernten Küstenorten fast immer verschiedenes Wetter
an. Oft läuft z. B. ein Schiff mit frischem W- oder SW-Winde nach Rock-1.,
und trifft in der Nähe dieser Insel dann nicht selten einen ebenso starken Wind
aus nordöstlicher Richtung. Beide Winde sind durch einen 1—2 Sm breiten
Kalmengürtel getrennt, in welchem man aufgeregte, durcheinander laufende See
trifft. Ferner weht östlich von Oshima, an der südlichsten Spitze der Provinz
Kii, oft ein leichter E- oder südöstlicher Wind, während nördlich davon, in
dem Kiz-Kanal, gleichzeitig ein scharfer N-Wind weht. Dasselbe findet man
oft beim Umsegeln von Muroto saki, der südöstlichsten Spitze von Sikok.
Die Winde an der Küste südlich von Wilsons-I. sind selten dieselben,
wie die östlich von dieser Insel nach Simonoseki zu wehenden.
Zwischen Wind und Wetter in der Inlandsee und demjenigen an der
Aufsenküste scheint gar keine Verbindung zu bestehen.
Auch in tiefen Landeinschnitten, wie z. B. in der Bucht von Yedo, ist
nur wenig oder gar kein Zusammenhang mit den Witterungsverhältnissen auf
See, so dafs die im Hafen angestellten meteorologischen Beobachtungen nur
geringen praktischen Werth für den Seefahrer haben,
Man mufs in Japan mehr wie in irgend einem anderen Lande die
meteorologischen Verhältnisse im Hafen von denen auf See vollkommen
trennen, und sollen mit Rücksicht auf diese Thatsachen die später angeführten
meteorologischen Daten nur aus den auf See gemachten Beobachtungen zu-
sammengestellt werden.
Die Ursache dieser eigenthümlichen meteorologischen Verhältnisse mag
wohl darin liegen, dafs der Kuro-siwo sein warmes Wasser in die japanischen
Gewässer führt, an deren nördlichem Gebiete es auf einen Gegenstrom von
bedeutend geringerer Temperatur stöfst; ferner sind während des gröfsten
Theiles des Jahres die hohen Berge Japans mit Schnee bedeckt, das Land ist
theilweise vulkanischen Ursprungs, die südlichen Gegenden Japans befinden sich
in der Region der Monsune, während die nördlichen ein ganz anderes Klima
haben, und endlich sind die japanischen Inseln von zwei grofsen Erd-Elementen
begränzt, welche ganz abweichende physisch-geographische Eigenschaften be-
sitzen: im Osten von der grofsen Wassermasse des Stillen Oceans, im Westen
von dem asiatischen Festland mit seinen ungeheuern Ländermassen.
Diese und wahrscheinlich noch andere, bis jetzt noch nicht genügend be-
kannte Faktoren bringen die häufigen, plötzlichen und oft gänzlich unerwarteten
atmosphärischen Störungen hervor, so dafs alle Vorherbestimmungen von Wetter
gegenwärtig noch gänzlich ungewifs und zweifelhaft sind.
Die Ostküste.
Das Wetter. Während der Wintermonate, d.h. vom November bis
April, sind die Winde an der Ostküste Japans in der Regel ablandig, zwischen
Nord und West, bei einem durchschnittlichen Barometerstand von 764,8 mm,
welcher Stand als Zeichen von beständigem, gutem Wetter betrachtet werden
kann. Steigt das Barometer bedeutend über diesen mittleren Stand, so kann
man zunächst auf östlichen Wind mit gutem Wetter von 24- bis 48stündlicher
Dauer rechnen; dann folgen in der Regel Regen und veränderliche Winde mit
fallendem Luftdrucke. Bisweilen fällt derselbe dann bis auf 752mm, wobei
gleichzeitig der Wind sich über N und NW gegen die Sonne dreht. In diesem
Fall kann man mit Sicherheit auf einen Weststurm rechnen, welcher um so
heftiger weht, je tiefer das Barometer fällt.
Oststürme setzen mit hohem Barometerstand und empfindlich kaltem
Wetter ein. Das Barometer steht während des Sfurmes, bis der Wind anf NE
gedreht hat. Fällt dasselbe dann, so steht weiteres schlechtes Wetter in Aus-
sicht. Wenn diese Oststürme, wie es meistens der Fall ist, bei Voll- und Neu-
mond wehen, so sind sie besonders heftig und wühlen eine schwere See an der
Küste auf, Als Regel ist anzuführen, dafs vor Einsetzen der Weststürme das
Barometer fällt, vor Eintreten von Oststürmen aber steigt, $
Nördlich von Kap Kingkasan, nach der Tswugar-Strafse hin, nehmen die
ostnordöstlichen Winde eine südliche Richtung, etwa ESE an, und verursachen