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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 9 (1881)

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Zur Ergänzung der in der obigen Tabelle zusammengestellten Beob- 
achtungen der Vega - Expedition über die Wassertemperaturen etc, zwischen dem 
Karischen Meere und der Bering-Strafse geben wir hier noch einige Notizen 
über anderweitige in diesen Meerestheilen angestellte Messungen, soweit uns 
dieselben bis jetzt bekannt geworden sind. 
a) Für die Kenntnifs der Tiefen - Temperatur- und Eisverhältnisse des 
Karischen Meeres, welches, auf die Autorität des berühmten russischen Aka- 
demikers K. E. v. Baer hin, bis 1869 als ein „unnah- und unschifbarer Eiskeller“ 
angesehen wurde, sind die Fahrten der norwegischen Schiffe von 1869—1871 
Epoche machend gewesen; — sie haben, so zu sagen, „das Eis gebrochen“, und 
es ist vor Allem Petermann’s grofses Verdienst, zuerst auf diese Fahrten 
aufmerksam gemacht und sie einer eingehenden Diskussion unterzogen 
zu haben.) 
Im Jahre 1869 haben die Kapitäne E. Carlsen (welcher auch später an 
der österreichisch - ungarischen Expedition 1872/74 thätigen Antheil nahm), 
Palliser und Ed. H. Johannesen, i. J. 1870, aufser letzterem die norwegi- 
schen Seefahrer T. Torkildsen, E. A. Ulve, und Leigh Smyth, F. C. 
Mack und P. Qvale und im Jahre 1871 die Kapitäne F, C. Mack, S. To- 
biesen, Ed. H., Chr., und Sören Johannesen, J. N, Isaksen, Joh. J. 
Dörma, W. Simonsen und E. Carlsen, das Karische Meer nach allen 
Richtungen durchkreuzt und auch an seinen Rändern, der Ostküste von Nowaja 
Semlja, der Westküste der Halbinsel Jalmal, und im Süden die Küsten der 
Insel Waigatsch befahren. 
In Bezug auf die KEinzelnheiten ihrer Beobachtungen und Erfahrungen 
können wir hier nur auf die in der ersten Fufsnote angegebenen Quellen hin- 
weisen, Nur dies sei hier erwähnt: Am weitesten nach Norden gelangte 
Sören Johannesen am 11. September 1871 in 77° 15‘N-Br und 72° 20‘ O-Lg, 
nordösilich vom Kap Mauritius, dem NO-Kap von Nowaja Semlja, wo er keine 
Spur von Eis erblickte; den weitesten Punkt nach Osten erreichte Mack am 
12. September 1871 in 82° 20‘ O-Lg in 75° 25‘ N-Br, ohne dafs er auf der 
ganzen 214 Sm langen Strecke zwischen Hoft Hoek an der NO-Küste von 
Nowaja-Semlja bis zu diesem Punkt eine Spur von Eis, sondern nur offenes 
Wasser erblickt hatte). 
Aus den allgemeinen Ergebnissen dieser norwegischen Beobachtungen 
heben wir Folgendes hervor. (Vgl. Petermann’s „‚,Mitth.“ 1871, pag. 104 und 
105, Tafel 5 und 6.) 
Hinsichtlich der Tiefenverhältnisse des Karischen Meeres stellt sich heraus, 
dafs im Allgemeinen die Tiefen nach Norden hin zunehmen. Doch sind zwei 
Ausnahmen zu konstatiren: einmal befindet sich gleich östlich derInsel Waigatsch, 
in 70° N-Br, eine tiefe Stelle von 732m (400 Fad.), die tiefste im ganzen Ka- 
rischen Meer; sodann wird der nordöstliche Theil von ausgedehnten seichten 
Flächen eingenommen, welche wahrscheinlich mit den Einwirkungen der grofsen 
Strom-Aestuarien des Ob und ‚enissei zusammenhängen. 
Für die Temperatur-Verhältnisse der Meeresoberfläche weisen die 
norwegischen Beobachtungen für die Monate Juli und August eine durchschnitt- 
liche Temperatur zwischen 2,5°—5° auf, ganz besonders im südwestlichen und 
nordöstlichen Theil; zwischen diesen beiden Theilen zeigt sich, in der Mitte 
des Karischen Meeres, eine Stelle mit weniger als 2,5° (s. Petermann’s 
Mitth. 1871, Taf. 6) und inmitten dieser sogar eine mit noch geringerer Tem- 
peratur, unter 0° bis — 1°C. „Es liegt nahe, anzunehmen, dafs diese Gestaltungen 
der Meeres-Isothermen bedingt sind im Südwesten durch Einflüsse des Golf- 
stromes, im Nordosten durch solche der erwärmten, aus dem fernen Süden 
kommenden Flufswasser des Ob und Jenissei“ (s. a. a. O0. pag. 105). 
1) S. Petermann’s Geogr. Mitth. 1869, pag. 352, 391; 1870, pag. 194—199 (mit Taf. 11) 
1871 pag. 97—110 (mit Taf. 5 u, 6); 1872, pag. 381, 396 (mit Tafel 19 u. 20). 
2) Doch ist hierbei noch zu bemerken, dafs nicht in allen Jahren im Karischen Meere so 
günstige Eisverhältnisse anzutreffen sind, wie sie diese Seefahrer und auch die Vega - Expedition 
im Sommer 1878 angetroffen haben. In den beiden letzten Jahren 1879 und 1880 waren im Gegen- 
theile diese Eisverhältnisse sehr ungünstig für eine erfolgreiche Navigirung des Karischen Meeres zu 
Zwecken einer commerciellen Seeverbindung zwischen Nord-Europa und den Ob- und Jenissei- 
Mündungen.
	        
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