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dort gewesen ist; für das erste Mal dürfte es sich jedoch stets empfehlen, einen
Lotsen zu nehmen.“
4. Untiefe (Wanderer) nordwestlich von Tongatabu. Tonga-
oder Freundschafts-Inseln. Nach der „Fiji Times vom 14. September d, J.
hat Kapt. Gordon, Führer des R. Y.S.S. „Wanderer“, auf der Reise von den
Tonga- nach den Fiji-Inseln eine Untiefe gesehen und passirt, welche nicht in
den Karten eingetragen ist. Sie ist in der Richtung NO—-SW ca 6 Sm lang;
das Wasser auf derselben hatte eine auffallend grüne Farbe; auf ihr ward hohe
Brandung bemerkt (vgl. unten).
Die geographische Lage dieser Untiefe ist nach Observation 20° 51,0‘ S-Br
und 175° 26,5‘ W-Lg.
Nach Ansicht des Kapt. Gordon ist es auffallend, dafs eine so grofse
Untiefe nicht schon früher gesehen worden ist. !)
Nach derselben Zeitung vom 1. Oktober d. J. hat Kapt. Fraser, Führer
des Kutters „Alarm“, auf seiner letzten Reise von Tongatabu, diese Untiefe
untersucht und darüber, wie folgt, berichtet:
„Am Sonntag, den 25. September d. J., verlief ich Tongatabu um
6% 30=in a, m.; mit frischer Ost-Briese wurde um 8* 30» a. m. die Spitze des
Atataa-Riffes passirt und WNW gesteuert, um in Sicht der Untiefe zu gelangen.
Um 10% 40=is a, m. kam sie in der That vom Topp aus in Sicht, und zwar die
Südspitze derselben ca 1 Strich an B. B. voraus (WzN). Wir segelten bis auf
180m Abstand heran und steuerten dann NWzN längs der flachen Stelle
angefähr 1 Sm, wo beigedreht wurde. Nachdem ein Boot ausgesetzt war,
welches auf der Untiefe lothen sollte, wurde in einem Abstande von ca 90m
längs der östlichen Seite derselben 3 Sm weit gesegelt, dann die Nordspitze
umsteuert und längs der westlichen Seite in südöstlicher Richtung gesegelt, um
das Boot wieder aufzunehmen. Das Boot hatte die Untiefe an verschiedenen
Stellen von Ost nach West überfahren, konnte jedoch mit 46 m Lothleine den
Grund nicht erreichen. Darauf segelte das Schiff selbst über die flache Stelle,
und man konnte ebenfalls den Grund nicht sehen. Dem Anschein nach ist
diese Untiefe ein deutlich begrenztes, gesunkenes Riff, welches besonders scharf
nach Süden zu ausläuft; aus einiger Entfernung gesehen, scheint Brandung auf
demselben zu stehen. Das nördliche Ende ist ca 1 Sm breit. Das Boot war
über mehrere dunkle Stellen gefahren, welche vom Topp aus wie Steine aus-
sahen.“
Diese Untersuchung hat somit erwiesen, dafs diese flache Stelle in solcher
Tiefe liegt, dafs sie für die Schiffahrt ungefährlich ist und von den gröfsten
Schiffen übersegelt werden kann.
5. Ueber die während der Reise S. M. S. „Luise“?) von Porto Grande
(St. Vincent) bis Bahia im Oktober 1881 angetroffenen Wind- und Strom-
verhältnisse berichtet der Kommandant Korv.-Kapt. Stempel Folgendes:
„Die auf dieser Reise angetroffenen Winde entsprechen im Allgemeinen
den in Tafel V Heft VIII der „Ann. d. Hydr. etc.“, 1877, für Oktober ange-
gebenen Richtungen,®) nur war der SE-Passat südlich vom Aequator sehr süd-
lich und raumte nicht mit der gröfseren Südbreite. Während der NE-Passat
und der SW-Monsun flau und durch zeitweise Stillen unterbrochen war, wehte
der SE-Passat ziemlich frisch, im Durchschnitt Stärke 5.
Im Kalmengürtel und in der Region der vier- und siebenstündigen Regen-
böen (Pilot charts, Oktober) wurde verhältnifsmäfsig sehr günstiges Wetter
angetroffen, anhaltende Stille gar nicht, und solche von zweistündiger Dauer
nur selten; Regenböen von achtstündiger Dauer fanden nur beim Uebergang
vom NE-Passat in den SW-Monsun während zwei Tagen statt, sonst nur Regen-
schauer von höchstens einstündiger Dauer an sieben Tagen (davon drei Tage
im SE-Passat). Im nordwestlichen Theil des SW-Monsuns wurden sehr tiefe
schwarze Regenwolken bemerkt; die über das Schiff hinwegziehenden Böen
brachten stetzg westlicheren Wind mit sich. und wehte es in den Böen höchstens
1) In dieser selben Gegend sind allerdings schon früher einige Untiefen, aber von geringerer
Ausdehnung, gesehen worden (vgl. „Ann, d, Hydr. etc.“, 1877, pag. 238 und 239).
2) S. Reisechronik pag. 695,
3 S. „Ann. d. Hydr. etc,“, 1877, pag. 372—374.