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Ebbe beginnt zunächst nach SzE und SSE zu setzen. Die Gezeitenströmung
ändert sich gegen den Lauf der Sonne. Meistentheils ist 2 bis 3 Stunden Still-
wasser, danach beginnt die Strömung zuerst schwach, gewöhnlich !/3 bis 1 Sm,
und von der vierten Stunde ab 3 Sm pro Stunde zu setzen. Hiernach kann
der eigentliche Zeitpunkt der Stromkenterung und der Zeitpunkt von Hoch-
und Niedrigwasser nicht genau festgestellt werden. Die mittlere Fluthhöhe
beträgt 0,9m, bei Nippzeit 0,3 bis 0,5m und bei Springzeit 1,7 bis 1,8m.
Physikalische Untersuchungen im adriatischen und sicilisch-ionischen
Meere im Sommer 1880.
In dem X. Hefte dieser Annalen, 1880, pag. 499, haben wir eine vor-
Jäufige kurze Notiz über die von den Herren Julius Wolf und Joseph
Luksch, Professoren an der K. K. Marine-Akademie zu Fiume, im Sommer 1880
ausgeführte Untersuchungsfahrt im adriatischen und sicilisch-ionischen Meero
gebracht. Gegenwärtig liegt uns eine ausführliche Bearbeitung der während
derselben von den beiden erwähnten Gelehrten erlangten physisch-oceanischen
Untersuchungsergebnisse vor,!) aus‘ welcher wir Nachstehendes mittheilen.
Es möge zuvor noch bemerkt werden, dafs diese Forschungen (nament-
lich in Betreff der Beobachtungen auf hoher See) eine Fortsetzung und
Erweiterung der von denselben Physikern in den Jahren 1874—1877 in der
Adria gemachten Arbeiten) sowie eine Ausdehnung derselben auf das sicilisch-
ionische Meer bilden. Die Expedition wurde auf der hierzu in munificenter
Weise mit Bemannung und Ausrüstung für die Dauer eines Monats zur Ver-
fügung gestellten Privatjacht „Hertha“ des Fürsten von und zu Liechten-
stein in der Zeit vom 21. Juli bis 14. August 1880 ausgeführt, mit thätiger
Förderung und Unterstützung von Seiten der ungarischen Marine-Behörden,
Die Expedition verliels „Fiume“ am 21. Juli 1880 und nahm ihre Fahrt
durch den Kanal von Farasina im Quarnero, alsdann mitten durch das adriatische
Meer (also in hoher See) und durch den Nord-Kanal längs der Küste von
Epirus bis Corfu, wo die Jacht vom 24. bis 26. Juli verweilte; von hier ging
die Fahrt quer über den Kanal von Otranto bis zum Kap St. Maria di Leuca,
sodann quer über den Eingang zum Golf von Taranto und längs der Ost- und
Südküste von Calabrien bıs zur Rhede von Messina (28. Juli) und von dort
längs der Ostküste von Sicilien über Catania bis südlich von Syracus (831. Juli
und 1. August); von hier aus wurde in einem westöstlichen Schnitte das
zonische Meer durchkreuzt bis Zante (5. und 6. August) und von da nach Corfu
(7. und 8, August). Die Heimreise von August 11 bis 14 erfolgte von Corfu
aus auf der Route durch den Nord-Kanal bis zum Kap Glossa (Linguetta) an
der Küste von Albanien und von da durch das adriatische Meer und die dal-
matinischen Kanäle bis Fiume, wo die Expedition am 14. August beendet wurde,
Es wurden auf dieser Reise an 124 Stationen Beobachtungen und
Messungen angestellt, dabei 28 Reihentemperaturen von der Oberfläche bis zum
Meeresboden, 89 Bestimmungen des specifischen Gewichts und Salzgehaltes an
der Oberfläche und in 2,5m Tiefe, sowie 28 Reihen für dieselben Faktoren bis
zu einer Maximaltiefe von ca 700m, ferner 22 Bestimmungen von Grundproben
und endlich 4 Versuche über die Durchsichtigkeit des Seewassers.
Wie aus diesen Angaben ersichtlich, bestand die Hauptarbeit der Expedition
der Herren Wolf und Luksch im Sommer 1880, ebenso wie in den Jahren
1874—1877, in Messungen der Temperatur und des Salzgehaltes des Seewassers
in verschiedenen Tiefen, welche zugleich Anhaltspunkte für den indirekten
Schlufs auf das Vorhandensein von Strömungen gewähren; direkte Strömungs-
messungen sind nicht gemacht worden theils wegen der so grofsen Schwierig-
keiten derselben in hoher See, theils wegen. des der Expedition gesteckten
kurzen Zeitraumes.
1) Als besonderer Abdruck aus der Beilage zu „Mittheilungen aus dem Gebiete des See
wesens“, 1881, Heft VIII und IX, Wien 1881, veröffentlicht.
2) S. „Ann, d. Hydr. etc.“, 1879, pag. 319—324.