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Am 11. Oktober befand sich „Border Chief“ in 48° N-Br etwa 120 Sm
recht Ost von der mitsegelnden Bark „Indra“, Am 27. Oktober stand dieses
Schiff in 34,6° N-Br und 18,5° W-Lg, während „Border Chief“ gleichzeitig in
33,9° N-Br und 15° W-Lg war. Nach dieser Zeit stand das Vollschiff bei süd-
westlichem Winde, ohne zu wenden, nach SSE, während die viel weiter westlich
stehende Bark für längere Zeit über St. B.-Bug segelte. Infolge dieses Ver-
fahrens erreichte „Zndra“ 30° N-Br in 21,8° W-Lg erst am 3. November; also
4 Tage später, als der Mitsegler diesen Parallel überschritt, und ebenso viele
Tage früher gelangte „Border Chief“ auch zum Aequator.
Im Südatlantischen Ocean fand „Border Chief“ bis nach 18° Süd bo-
friedigend frischen Passat. Südlich von dieser Breite war die Windstärke an
mehreren Tagen nur eine geringe, und wurde dieselbe erst wieder eine stärkere,
als der Passat schon bald zu wehen aufhörte. Am 26. November erreichte
man unweit 30,0° S-Br in 28,3° W-Lg dessen polare Grenze. Einen höchsten
Luftdruck von 768,4 mm hatte „Border Chief“ in der Nähe von 27° S-Br beob-
achtet. Südlich vom Passatgebiete wehte der Wind vorherrschend aus nörd-
licher Richtung, Drehungen nach links um den ganzen Kompas fielen nicht vor,
und am 4. Dezember überschritt das Schiff in 40,6° S-Br den Meridian von
Greenwich. Es waren bis dahin 19 Tage in südlicher Breite zugebracht worden,
und man hatte dort 10° S-Br in 30,7° W-Lgy am 19. November, 20° S-Br in
32,4° W-Lg am 22. November und 30° S-Br in 28,3° W-Lg am 26. November
geschnitten.
In östlicher Länge verfolgte „Border Chief“ einen südlichen Kurs, bis
45,5° S-Br erreicht war, und wurde dann recht Ost gesteuert. Man fand dort
fast nur günstige aus nordwestlicher Richtung vorherrschende Winde, bei donen
ein rascher Fortschritt erzielt werden konnte, Zwei heftige Stürme wurden
überstanden. Der erste trat am 20. Dezember in der Nähe von 45° S-Br und
76° O-Lg auf, Er begann aus Nord und erreichte, als der Wind nach West
umgelaufen, der Luftdruck auf 749,4 mm gefallen war, fast orkanartige Stärke.
Da der wild aufgeregten See wegen das tiefbeladene Schiff nicht gut lenzte,
wurde beigedreht. In dieser Lage stürzten aber mehrere solch schwere Brech-
seen über das Schiff, dafs Vordergeschirr, Krahnbalken und ein grofßser Theil
der Verschanzungen zertrümmert wurden, Um sich zu sichern, mufste wieder
abgehalten und platt vor dem Winde weiter gelenzt werden. Um das Schiff
etwas zu erleichtern, wurden später auch noch 50tons von der Ladung ge-
worfen. Der zweite Sturm ereignete sich am 28. Dezember unweit 46° S-Br in
114° O-Lg. Es ging demselben frischer NE-Wind vorher, bei dem das Baro-
meter bis auf 724,0 mm fiel. Als der Wind nach West ausgeschossen war,
setzte aus dieser Richtung der Sturm in orkanartiger Stärke ein; doch war er
nicht von langer Dauer und fügte dem Schiffe keinen Schaden zu. Am
5. Januar 1881 fand „Border Chief“ in etwa 40° S-Br und 139,5° O-Lg kräftigen
Ostwind, gegen welchen gekreuzt werden mufste. Am 9. Januar wurde ein
Anukerplatz in der Nähe des Bestimmungshafens erreicht. Die Reisedauer be-
trug 91 Tage. Während des letzten Reiseabschnittes war die Länge der
Kapstadt in 41,5° S-Br am 8. Dezember, 50° O-Lg in 44,8° S-Br am 15. De-
zember, 80° O-Lg in 44,8° S-Br am 21. Dezember, und der Meridian des Kap
Leeuwin in 46° S-Br am 29. Dezember geschnitten worden.
Das englische Schiff „Herford“, welches 5 Tage vor „Border Chief“ von
London aus in See gegangen war, ging am 9. Januar in der Nähe des Kap
Otway verloren. Auch hatte „Border Chief“ am 6. Januar in 38,8° S-Br und
143,5 O-Lg Signale mit der eisernen Elsflether Bark „Don Guillermo“ gewechselt,
welches von London ausgegangene Schiff 14 Tage länger als „Border Chief“
in See befindlich war. Nachdem der „Border Chief“ in Melbourne eine Ladung
Weizen eingenommen hatte, wurde am 17. Februar die Heimreise nach dem
Kanal angetreten. Leichte östliche Winde verzögerten den Anfang derselben,
und erst am 21. Februar nahm die Reise bei frischem links drehenden Winde
einen befriedigeuden Verlauf. Am 26. Februar überschritt „Border Chief“ in
172,5° O-Lg 50° Süd und segelte man dann, sich in der Nähe dieser Breite
haltend, nach Osten. Längere Zeit herrschende Südwinde drängten das Schiff
jedoch wieder in niedrigere Breiten, so dafs der Parallel von 50° Süd zum
zweiten Male erst wieder am 16. März unweit 109° W-Lg überschritten wurde.