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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 9 (1881)

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nördlicher Breite gefunden hatte. Unweit 4° S-Br wurde das Wetter böig und 
unbeständig, und in etwa 5° S-Br wurde der Westwind stürmisch und der 
Luftdruck nahm um etwa 3mm ab. Diese Erscheinungen in Verbindung mit 
dem drohenden Aussehen der Luft liefsen Kapt. Gennerich einen nicht weit 
entfernten Orkan befürchten, und wurden deshalb die Segel bis auf wenige ein- 
gezogen und Alles auf stürmisches Wetter eingerichtet. Während der Nacht 
vom 27. auf den 28. Mai traf eine aus SSE aufkommende orkanartige Bö das 
Schiff, durch die ein Theil der noch gesetzten Segel zerrissen wurde. Später 
lief der Wind wieder um nach SW und stürmte aus dieser Richtung während 
des ganzen folgenden Tages. Um 4 Uhr Nachmittags des 28. Mai erreichte 
das Barometer mit 755,7 mm seinen niedrigsten Stand. Am 29. Mai besserte 
sich das Wetter etwas, die Stärke des SW-Windes sank auf 5, und auch 
der Luftdruck‘ nahm um 1mm zu. Vor kleinen Segeln wurde dann wieder ein 
südlicher Kurs gesteuert. ‘Die Witterung blieb jedoch regnerisch und “böig, 
und war man augenscheinlich noch nicht aus dem Bereiche des Orkans heraus. 
Am 30. Mai Mittags war der Schiffsort in 6,7° S-Br und. 93,7° O-Lg. Hier 
lief der plötzlich flau werdende Wind um nach SE und begann am nächsten 
Tage aus dieser Richtung bei wieder abnehmendem Luftdruck heftig zu 
stürmen. Am Schlusse dieses Tages war der Barometerstand nur noch 753,9 mm. 
Am 2., 3. und 4. Mai stürmte es bei häufigen Gewittern und Böen und auf 
752,9 mm gesunkenem Luftdrucke ununterbrochen heftig, während der ersten 
beiden Tage aus NE und am dritten Tage aus NW. Erst am 5. Mai trat eine 
endgiltige Besserung ein. Der durch Drehung nach links wieder West gewordene 
Wind setzte seine Drehung im selben Sinne weiter fort, der Luftdruck nahm 
auch langsam zu, und am 6. Mai kam endlich in 11,5° S-Br und 93° O-Lg bei 
einem Barometerstande von 757,0 mm der SE-Passat durch. Auch in diesem 
Falle trat der Orkan an der äquatorialen Grenze des Passats, zwischen ihm 
and dem Gebiete des westlichen Monsuns auf. Aufser „Deike Rickmers“ über- 
standen diesen Orkan noch mehrere andere mit der Seewarte in Verbindung 
stehende Deutsche Schiffe. Unter denselben befanden sich auch „Indra“, 
Kapt. Wilder, und „Levuka“, Kapt. Hansi, und beobachtete man an Bord 
dieser beiden Schiffe den Orkan in gröfster Stärke. Bei „Indra“, welche am 
Mittage des 4, Mai in 11,7° S-Br und 89° O-Lg stand, sprang der Wind um 
2b a, m. von West nach SSE und wehte aus letzterer Richtung für kurze Zeit 
orkanartig. Der Luftdruck nahm dabei bis auf 747,5 mm ab. „Levuka“, deren 
Standpunkt um 12% a. m. des. 4. Mai in 12,1° N-Br und 92° O-Lg war, 
beobachtete orkanartigen. Wind um 6* p. m. aus NNW bei einem niedrigsten 
Luftdrucke von nur 740,8 mm. Alle drei Schiffe überstanden den Orkan, ohne 
bedeutenden Schaden durch denselben zu erleiden, und alle drei fanden am 
6. Mai den SE-Passat, . 
Im Passatgebiete wurde „Deike Rickmers“ bis nach 19,5° S-Br in 
73,5° O-Lg von frischem, beständigem Winde begünstigt; es wurde derselbe 
flauer, als dieser Punkt überschritten worden war, und unweit 21° S-Br 
herrschte an mehreren Tagen nur ganz leiser östlicher Zug. Später falste der 
SE-Wind jedoch wieder kräftig durch, und stieg der Luftdruck dann bis auf 
768,1 mm. Am 19. Mai gelangte „Deike Rickmers“ in 24,8° S-Br und 57° W-Lg 
zur polaren Passatgrenze. Der frische Wind holte dort nordöstlich, drehte am 
nächsten Tage während eines ganz ungewöhnlich heftigen Gewitters durch Nord 
nach SW und im Laufe der folgenden Tage nach SE zurück. Bei veränder- 
lichen, jedoch nicht sehr günstigen Winden legte man den nächsten Theil der 
Reise zurück. Wiederholt mufsten Stürme überstanden werden, doch da der 
Wind seine Richtung häufig veränderte, machte man doch in befriedigender 
Weise Fortschritt nach Westen. Am 2, Juni wurde bei NNW-Wind die Länge 
der Kapstadt überschritten, und am 19. Juni führte heftiger SE-Wind das 
Schiff in 7,2° O-Lg wieder nördlich von 30° Süd. Südlich von dieser Breite 
hatte man 21 Tage zugebracht, und auf der Fahrt über den Indischen Ocean 
war 10° S-Br in 92,9° O-Lg am 3. Mai, 20° S-Br in 72,2° O-Lg am 13. Mai 
und 30° S-Br in 40,5° O-Lg am 29. Mai; wie 90° O-Lg in 12,6° S-Br am 
7. Mai, 60° O-Lg in 23,5° S-Br am 18. Mai und 30° O-Lg in 33° S-Br am 
6. Juni geschnitten worden. Der Mitsegler „Indra“ erreichte 30° S-Br in 
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