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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 9 (1881)

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Zur Bestimmung der fortschreitenden Bewegung der Depression sind 
also diejenigen Verhältnisse zu untersuchen, welche ein Vorrücken der oberen 
Schichten eines atmosphärischen Wirbels bedingen. Die Ortsveränderung des 
Wirbelcentrums höherer Schichten läfst sich als eine zusammengesetzte Be- 
wegung auffassen, als eine flielsende Bewegung, an welcher die ganze Luft- 
masse einer oberen Schicht des Wirbels "Theil nimmt, oder zweitens als eine 
Fortpflanzung des Wirbelcentrums, indem die innerhalb des Wirbels nicht 
gleichmäfsig zur Ausbildung golangten Winde auf der einen Seite stets ein 
neues Bett für das Centrum der Depression ausgraben, während im Rücken 
derselben andere Luftmassen das ursprüngliche Bett ausfüllen. 
Die fließende Bewegung der oberen Schichten, und die hierdurch bewirkte 
fortschreitende Bewegung der Depression wurde durch Herrn Prof. Dr. Hann 
im Jahrgange 1879 der „Zeitschr. f. Met.“, pag. 38, hervorgehoben, während 
die durch innere Kräfte des Wirbels veranlafste Fortpflanzung des Wirbel- 
centrums durch Herrn Dr. W. Köppen in dessen Artikel „Ueber die mecha- 
nischen Ursachen der Ortsveränderung atmosphärischer Wirbel“ in derselben 
Zeitschrift, 1880, pag. 41 f., dargelegt worden ist und in engem Zusammen- 
hange mit der Vertiefung einer Depression steht. 
Um die beiden gemeinsam wirkenden Ursachen gesondert betrachten zu 
können, mögen die horizontalen Geschwindigkeiten der Winde in drei ver- 
schieden hohen Schichten mit einander verglichen werden. 
Die erste Schicht beginne an der Erdoberfläche und erstrecke sich bis 
zu derjenigen Höhe, in welcher starke Wolkenbildung stattfindet. Die zweite 
Schicht sei die Region der stärksten Kondensation der Wasserdämpfe und reicho 
so weit empor, als überhaupt ein Minimum des Luftdrucks, in horizontalem 
Sinne gemessen, besteht. Die dritte Schicht umfasse die aus der Depression 
amporgestiegenen Lultmassen, welche vermöge des durch Anhäufung entstandenen 
kleinen Maximums in der Höhe seitlich fortgedrängt werden. 
Eine allgemeine fliefsende Bewegung der oberen, relativ warmen Luft- 
schichten, als erste Ursache der Ortsveränderung atmosphärischer Wirbel, ist 
auf den wesentlich anderen Verlauf der Isobaren in der Höhe gegenüber den- 
jenigen an der Erdoberfläche zurückzuführen. Herr Dr. Köppen betont in dem 
angezogenen Artikel zumal den Einfluss der kälteren Luft am Nordrande gegen- 
über der wärmeren Luft auf der Südseite der Depression, welcher im Norden 
nach oben hinauf schnellere Druckabnahme veranlafst und daher ein an der Erd- 
oberfläche geschlossenes Minimum häufig in der Höhe offen erscheinen läfst, 
Hierzu Hefert die vertikale Komponente der Centrifugalkraft noch einen 
kleinen Beitrag, weil dieselbe im SW der Depression vermöge der gröfseren 
rotirenden Geschwindigkeit der Luft, zusammengesetzt aus der Summe der 
Rotationsgeschwindigkeit der Erde und der Stärke des Westwindes, eine Auf- 
lockerung der Schichten bewirkt und daher eine etwas langsamere Abnahme 
des Luftdruckes mit der Höhe erzeugt, als am Nordost-Rande der Depression, 
wo die totale Umdrehungsgeschwindigkeit kleiner ausfällt, weil sie sich aus der 
Differenz der Geschwindigkeit der Erdoberfläche und der Stärke des Ostwindes 
berechnet. 
Eine Depression, welche aus den beiden angegebenen Gründen in der 
Höhe der zweiten, der wolkenbildenden Schicht nach dem Norden zu ganz 
oder theilweise offen ist, bedingt stets einen aus SW blasenden Oberwind; an 
demselben nehmen auch die warmen Luftmassen theil, welche in dem Minimum 
emporgestiegen sind; hieraus folgt also eine Verschiebung der oberen Schicht 
der Depression, wodurch auf der einen Seite ein Fallen der Luft eintritt, 
während auf der abgewendeten Hälfte die Luft der Tiefe vermöge ihres an- 
fänglich stärkeren Druckes in die obere schwache Depression hinein expandirt, 
und so das Minimum auch auf der Erdoberfläche weiter rückt, hinter sich den 
fallenden Luftstrom mit zum Theil heiterem Himmel, vor sich den steigenden 
Luftstrom mit allgemeiner Bewölkung zeigend. 
Aus den Beobachtungen scheint hervorzugehen, dafs die fortschreitende 
Bewegung der Depressionen zumal von der Richtung des Oberwindes abhängt. 
Die Minima und Theilminima, welche in der zweiten Hälfte des Oktober und in 
der ersten Hälfte des Dezember 1880 das Ostseegebiet berührten, bieten einen 
interessanten Vergleich. Am 20. Oktober zogen die Cirruswolken in Berlin in
	        
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