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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 9 (1881)

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6. (D. S.) Ueber einen Besuch in Georgetown (Ascension), 
auf der Reise von Manila nach England, berichtet Kapt. W. Vorsatz, Führer 
der deutschen Bark „FF. H. Drews“, in seinem, bei der Deutschen Seewarte ein- 
gegangenen meteorologischen Journale, wie folgt: 
„Am 3. Juni 1881, um 4'/4 Uhr Nachmittags, ankerten wir in Georgetown 
in 18m (10 Fad.) Tiefe, ungefähr 1 Sm vom Lande entfernt. Der Zweck unseres 
Anlaufens war der, uns mit einigen fehlenden, aber nothwendigen kleinen 
Gegenständen, hauptsächlich Pumpleder, zu versehen. Auch hoffte ich, einige 
Erfrischungen, wenn auch nur sülse Kartoffeln, auftreiben zu können. Ich fand 
mich aber in jeder Weise getäuscht. Als ich am Lande war, war der Gouverneur 
der Insel schon von seinem Bureau nach seiner Wohnung gegangen, und ohne 
eine besondere Erlaubnifs von ihm konnte ich nicht das Geringste erhalten, 
Seine Wohnung ist ein ziemliches Stück den Berg hinauf belegen. Der an Bord 
unseres Schiffes gewesene Quarantäne-Beamte, ein recht gefälliger Mann, führte 
mich dahin. Ich trug dem Gouverneur vor, dafs unser Schiff, auf der Reise 
nach England begriffen, stark lecke und wir Mangel an Pumpleder hätten. Ich 
bat ihn, mir dieses, sowie einige Erfrischungen zukommen lassen zu wollen. Er 
erwiderte mir, dafs ich keine Kartoffeln, Früchte u. s. w. erhalten könne, weil 
sie selber kaum genug hätten. (Dasselbe hatten uns auch schon die an Bord 
gewesenen Beamten mitgetheilt.) Des Pumpleders wegen aber wolle er mir 
morgen Bescheid geben, wenn ich gegen 10 Uhr Vormittags ans Land käme 
und er sich überzeugt hätte, dafs genügend von demselben vorhanden sei. Ich 
dankte höflich für die Freundlichkeit; da ich aber keine Lust verspürte, auf 
dieses Ungewisse hin das Schiff bis zum nächsten Mittage oder vielleicht noch 
länger aufzuhalten, so fuhr ich bald darauf an Bord. Um 9 Uhr Abends 
lichteten wir den Anker und setzten die Reise fort.“ 
7. Ueber die Stromversetzungen im Indischen Ocean zwischen 
Batavia und Port Elisabeth im Juni und Juli 1881 berichtet Kapt. z. See 
Zirzow, Kommandant S. M.S. „ Vineta“, dafs auf dieser Reise der Aequatorial- 
strom nur sehr schwach angetroffen wurde, dagegen eine sehr starke, nördlich 
setzende Driftströmung, die in der „India Sea Directory“ als eine Folge des 
SW-Monsuns bezeichnet wird. Ebenso wie von S. M. S. „Leipzig“ (s. „Ann. d. 
Hydr. ete.“, 1879, pag. 571) ist auch von S. M.S. „ Vineta“ gefunden, dals die 
Wassertemperatur keinen genügenden Aufschlufs über das Vorhandensein des 
Agulhas-Stromes giebt. Eine plötzliche und bedeutende Abnahme der Wasser- 
temperatur wurde erst dicht unter der Küste beobachtet, wobei gleichzeitig 
eine östliche Stromversetzung konstatirt wurde, 
8. (D.S.) Ueber eine Wasserhose an der Westküste von Mexico, 
in der Nähe von Mazatlan, berichtet Kapt. Ringe von der Deutschen Bark 
„Jupiter“ Folgendes: 
„Seit 7 Uhr Morgens den 24, Oktober 1880, während wir gegen leichten 
östlichen Wind der Rhede von Mazatlan zu kreuzten, bildeten sich im SW 
Wolken, welche nach SE hinüber zogen. Um 7!/2 Uhr fand ein Gewitter mit 
etwas Regen statt, und bildete sich zu gleicher Zeit eine Wasserhose. Der Wind 
hielt sich, wie vorher, auf ESE und Ost. Ein westlich, 5 Sm entfernt stehendes 
Schiff bekam bald darauf den Wind von West, uud die Luft sah in dieser 
Richtung drohend aus, während bei uns der Wind veränderlich wurde. Wir 
legten das Schiff auf B. B.-Halsen nach Süd, um in einer besseren Position zu 
sein, wenn der Wind nach West holen sollte, und nahmen die kleinen Segel 
and das Grofssegel ein. Das oben erwähnte Schiff verschwand im Regen; 
gleich darauf wurde es auch bei uns dick von Regen, und der Wind fiel von 
Süd ein, alle Segel backlegend, welche wir jetzt bis auf die Marssegel und den 
Klüver einnahmen, und drehte sich darauf zweimal mit der Sonne von Süd 
durch West nach Nord u. s. w. durch alle Striche des Kompasses, bald flau, 
bald steif einfallend. Um 10'/2 Uhr Vormittags setzte sich der Wind in Nord fest 
und wehte dann aus dieser Richtung mit heftigen Windstöfßsen von der Stärke 8 
bis 9, die starken Regen und grofse Hagelkörner mit sich führten. Einzelne 
Schlossen hatten einen Durchmesser von 5cm. Gegen 12 Uhr Mittags nahm 
der Wind ab, und die Luft klarte zuerst in Ost auf. Um 4 Uhr Nachmittags 
war es fast windstill mit nur wenigen Wolken am Himmel. Darauf kam leichter 
östlicher Wind durch, der nach Sonnenuntergang auf Nord lief. Um 10 Uhr 
Abends ankerten wir unter der Insel Creston auf 12 Faden (21,6m) Tiefe,“ 
Ann. d. Hydr., 1881, Heft XI (November).
	        
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