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5—6 Sm von dieser Insel vermutheteu Klippe keine Brandung wahrgenommen
werden, dagegen wurde die etwas westlicher von dieser Stelle, am Rundle-Pafs,
zwischen Wager-I. und Byron-I., gelegene Klippe gesehen.
Schiffen, welche in den Messier-Kanal bezw. die Tarn-Bucht einsteuern
wollen, ist es anzurathen, womöglich Ayautau anzusteuern, d. h, sich östlich zu
halten, da dort keine Untiefen vorhanden sind.
Eden Harbour ist sehr geräumig und leicht anzusteuern, „Ariadne“ he-
nutzte hierzu von Norden kommend in fast geraden Kursrichtungen den schmalen
Kanal östlich von Mid-Channel-I1. Die Passage durch Escape- und Chasm- Reach
erwies sich als ohne Hindernisse.
Der Ankerplatz auf Portland-Rhede, zwischen George-I. und Portland-I.,
ist nach den von „Arzadne“ gemachten Eıfahrungen zu empfehlen, denn während
im Wide-Kanal ein Nordsturm wehte, war unter George-I. glattes Wasser, und
nur verhältnifsmäfsig schwache Böen setzten durch. Der Ankergrund ist vor-
züglich, Sand mit blauem Lehm oder Thon.
Bei Kap Froward markirte sich die oft erwähnte Wetterscheide; westlich
von diesem Kap wehten Regen- und Schneeböen; nach dem Passiren desselben
trat Sonnenschein und schönes Wetter ein.“
5. (D. S.) Ueber das Lotsenwesen in Quebec’) theilt Kapitän
C. Scheibe, Führer der deutschen Bark „OÖOberbürgermeister von Winter“, der
Deutschen Seewarte nachstehende Bemerkungen mit:
„Vor dem Jahre 1861 bestanden unter den regierungsseitig koncessionirten,
sogenannten königlichen Lotsen auf dem St. Lorenz - Strom verschiedene Ver-
einigungen. Gewöhnlich 8 bis 10 Lotsen besafsen gemeinschaftlich einen Logger,
und infolge der Konkurrenz gab sich jede Lotsenvereinigung Mühe, die ein-
kommenden Schiffe aufzusuchen. Im Sommer gingen die Lotsen gewöhnlich bis
zum Kap Gaspe, manchmal aber noch weiter, sogar bis zur St. Paul-Insel
hinaus. Seitdem aber sämmtliche Lotsen eine einzige Korporation bilden und
so die freie Konkurrenz beseitigt ist, trifft man nie früher einen Lotsen, als
bis man sich in unmittelbarer Nähe von Brze-Insel befindet. Hier kreuzen,
wenigstens zur Zeit des Frühjahrs und des Sommers, fast immer drei Lotsen-
schoner im Norden der Insel. Bei nebeligem Wetter geht gewöhnlich einer
derselben weiter westwärts, um diejenigen Schiffe zu besetzen, welche in solchen
Fällen oder zur Nachtzeit beim Passiren der äufseren Lotsenstation (Bic-Insel)
keinen Lotsen getroffen haben. Selten jedoch wird man verfehlen, eines dieser
Lotsenfahrzeuge anzutreffen, wenn man sich nördlich von Bic-Insel in etwa
20—35 Fad. (36—63m) Tiefe aufhält.
Wenn in den Segelhandbüchern und Karten — z.B. in der von Charles
Wilson, London 1877 — behauptet wird, dafs ein einsegelndes Schiff in
der Trinity Bay bei Point de Monts gewöhnlich, bei Father Point aber immer
einen Lotsen erhalten könne, so ist dieses ganz unrichtig und nur eine Ueber-
lieferung aus früheren Jahren, als die Lotsen noch den Schiffen entgegengesegelt
kamen, während dieselben jetzt, wie schon bemerkt, ruhig auf ihrer Station
warten, bis die Schiffe an sie herankommen.
Die Schiffe einiger Dampferlinien erhalten nach einer Vereinbarung mit
der Lotsengesellschaft schon bei Father Point einen Lotsen, wofür aber ein
Zuschlag zum Lotsengeld zu zahlen ist.
In Bezug auf die zahlreichen Nebelsignalstationen am Meerbusen von
St. Lorenz und am St, Lorenz-Strom ist nicht zu verkennen, dafs viel in dieser
Hinsicht gethan ist; doch würde es von aufserordentlichem Interesse für die
Schiffahrt sein, wenn die Signalschüsse auf so wichtigen Küstenpunkten, wie
Point de Monts und Kap Rozier, nicht blos stündlich, sondern öfter, wenigstens
alle halbe Stunde — wie auf Green Biquette-Insel — abgefeuert würden, Auf
diese Weise würden dieselben während eines Schneesturmes oder Nebels bei
steifer Briese von weit gröfserem Nutzen sein, als dieses jetzt der Fall ist,
Wir passirten z, B. Point de Monts auf der Hinreise bei einer mäfsigen Bram-
segelkühlte und unsichtigem Wetter in einem Abstande von höchstens 5 Sm,
Ohne auch nur ein einziges Mal einen Kanonenschufs zu hören.“
\ S, „Nachr. f, Seef,“, 1881, No. 1131.