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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 9 (1881)

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„„Die Winde, welche auf dem Meere bei Formosa woehen, sind sehr ver- 
schieden von denen anderer Meere. Ein sehr heftig wehender Wind wird A% 
(-fung == Wind) genannt und ein noch stärkerer (Sturm) fai (-fung = Wind). 
Der Kü erhebt und legt sich plötzlich, während der fat andauernd Tag und 
Nacht weht. Stürme, welche während des ersten, zweiten, dritten und vierten 
Monats (von Februar bis Mai) wehen, werden Kü genannt, dagegen heifßsen die 
während des fünften, sechsten, siebenten und achten Monats (Juni bis 
September) wehenden Winde fat; im neunten Monat (Oktober) setzt der Nord- 
wind ein,““ 
In diesem selben Kapitel „Fung-sin“ ist auch eine dem Werke „Hai-wai- 
ki-Jo“ entlehnte Beschreibung eines solchen Orkans gegeben, welcher hier zum 
ersten Male mit dem Wort fai-fung bezeichnet ist. 
„Die Heftigkeit des Fai-fung und der wirbelnden Regengüsse läfst die 
Schiffe sinken und bricht ihre Masten; würde die See gich nicht gleich zu 
Anfang dieses Sturmes gegen den Himmel hin erheben, so würden die Schiffe 
mit glattem Winde segeln, wie heftig er auch sein möchte; er ist ähnlich der 
Metamorphose des „Kun“ in „P‘ung“ (ein fabelhafter Vogel, der mit jedem 
Flügelschlage 3000 li sich in die Höhe schwingt). Donnert es im sechsten 
Monat, so wird kein „tai“ kommen. Es ist sprüchwörtlich (also eine sogen. 
Bauernregel): Ein Donner im sechsten Monat macht drei tfai aufhören, ein 
Donner im siebenten deren neun“. Diese Erwähnung, dafs der Donner einen 
Taifun nicht aufkommen läfst, ist besonders charakteristisch, da Gewitter einen 
solchen gewöhnlich nicht zu begleiten pflegen. 
Ferner wird in denselben Annalen aus dem Werke „Pai-hai-ki-yu“ nach- 
stehende Stelle mitgetheilt. 
„Ein Kü von vermehrter Stärke heifst fat, Dieser hat keine feste Periode 
seines Auftretens; er tritt ein mit heftigem Regen, reifst Bäume aus, wirft 
Mauern um, trägt Dächer ab und spaltet Steine. Je länger er anhält, desto stärker 
weht er; selbst Schiffe, die gut verankert sind, werden zertrümmert; die See- 
leute fürchten sich sehr vor ihm; sobald man jedoch Donner vernimmt, legt er 
sich. Ein plötzlicher Wechsel des Windes in die entgegengesetzte Richtung 
kann man als Vorzeichen eines fai-fung avsehen, z. B. wenn während der 
Sommermonate, in welchen der Wind eine südliche Richtung hat, dieser nach 
Nord umspringt; oder, wenn er im Herbst, Winter und Frühling, wo er sonst aus 
nördlicher Richtung weht, aus Süden zu wehen beginnt. Vom 23. Tage des 
äritten Monats an, gegen Ende April oder Anfang Mai, nach dem Ma-tsu-kü 
(ma = Mutter; tsu = Vorfahr; kü = Sturm), soll der Südwind einsetzen; nach 
dem Pai-Iuw („Weifser Thau“, eine der 24 Abtheilungen oder Sonnenperioden, 
in welche das chinesische Jahr eingetheilt wird, und welche dem Herbst- 
äquinoctium um 14 Tage vorangeht) bis zum dritten Monat (April) soll der Wind 
nördlich wehen. Setzt im siebenten Monat (August bis September) Nordwind 
ein, so ist das Auftreten eines f’ai-fung wahrscheinlich. Um darüber zu urtheilen, 
ob ein Sturm (Kü) ein wirklicher fat genannt werden kann, muß man beachten, 
welche Richtung er zuerst einschlägt, und ob er in seinem Verlaufe diese ändert. 
Ein Wind, der nach und nach aus allen Richtungen des Kompasses weht, heifst 
fai. Wenn er z. B. Anfangs aus Nord weht, so wird er sich zunächst nach 
Ost und dann durch Süd nach West und von da wieder nach Nord drehen. 
Hat er innerhalb eines oder zweier Tage oder in drei, fünf bis sieben Tagen 
diesen Rundlauf noch nicht vollendet, so hört er nicht auf zu wehen, bis dies 
erfolgt ist. Der aus einer und derselben Richtung wehende Kü ist trotz der 
Plötzlichkeit seines Auftretens nur wenig gefährlich; dagegen richtet der fai 
trotz der Langsamkeit seines Fortschreitens grofse Verwüstungen an. Von den 
im Frühling vorkommenden Stürmen ist der Anfang und von den Winterstürmen 
meist das Ende derselben gefürchtet. Abnorme Winde kommen im siebenten 
Monat (August-September) vor; als Vorzeichen derselben gelten das Vorkommen 
von Fischen und Schalthieren an der Oberfläche des Meeres.“ 
Die hier gegebene Beschreibung eines an der Küste von Formosa gegen 
Ende des Sommers wehenden gefährlichen Windes pafst ganz genau auf die 
Eigenschaften eines „Z7yphoon“ oder, wie wir in diesen Annalen bisher, der 
allgemeineren Schreibweise folgend, „Teifun“ geschrieben haben.
	        
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