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„„Die Winde, welche auf dem Meere bei Formosa woehen, sind sehr ver-
schieden von denen anderer Meere. Ein sehr heftig wehender Wind wird A%
(-fung == Wind) genannt und ein noch stärkerer (Sturm) fai (-fung = Wind).
Der Kü erhebt und legt sich plötzlich, während der fat andauernd Tag und
Nacht weht. Stürme, welche während des ersten, zweiten, dritten und vierten
Monats (von Februar bis Mai) wehen, werden Kü genannt, dagegen heifßsen die
während des fünften, sechsten, siebenten und achten Monats (Juni bis
September) wehenden Winde fat; im neunten Monat (Oktober) setzt der Nord-
wind ein,““
In diesem selben Kapitel „Fung-sin“ ist auch eine dem Werke „Hai-wai-
ki-Jo“ entlehnte Beschreibung eines solchen Orkans gegeben, welcher hier zum
ersten Male mit dem Wort fai-fung bezeichnet ist.
„Die Heftigkeit des Fai-fung und der wirbelnden Regengüsse läfst die
Schiffe sinken und bricht ihre Masten; würde die See gich nicht gleich zu
Anfang dieses Sturmes gegen den Himmel hin erheben, so würden die Schiffe
mit glattem Winde segeln, wie heftig er auch sein möchte; er ist ähnlich der
Metamorphose des „Kun“ in „P‘ung“ (ein fabelhafter Vogel, der mit jedem
Flügelschlage 3000 li sich in die Höhe schwingt). Donnert es im sechsten
Monat, so wird kein „tai“ kommen. Es ist sprüchwörtlich (also eine sogen.
Bauernregel): Ein Donner im sechsten Monat macht drei tfai aufhören, ein
Donner im siebenten deren neun“. Diese Erwähnung, dafs der Donner einen
Taifun nicht aufkommen läfst, ist besonders charakteristisch, da Gewitter einen
solchen gewöhnlich nicht zu begleiten pflegen.
Ferner wird in denselben Annalen aus dem Werke „Pai-hai-ki-yu“ nach-
stehende Stelle mitgetheilt.
„Ein Kü von vermehrter Stärke heifst fat, Dieser hat keine feste Periode
seines Auftretens; er tritt ein mit heftigem Regen, reifst Bäume aus, wirft
Mauern um, trägt Dächer ab und spaltet Steine. Je länger er anhält, desto stärker
weht er; selbst Schiffe, die gut verankert sind, werden zertrümmert; die See-
leute fürchten sich sehr vor ihm; sobald man jedoch Donner vernimmt, legt er
sich. Ein plötzlicher Wechsel des Windes in die entgegengesetzte Richtung
kann man als Vorzeichen eines fai-fung avsehen, z. B. wenn während der
Sommermonate, in welchen der Wind eine südliche Richtung hat, dieser nach
Nord umspringt; oder, wenn er im Herbst, Winter und Frühling, wo er sonst aus
nördlicher Richtung weht, aus Süden zu wehen beginnt. Vom 23. Tage des
äritten Monats an, gegen Ende April oder Anfang Mai, nach dem Ma-tsu-kü
(ma = Mutter; tsu = Vorfahr; kü = Sturm), soll der Südwind einsetzen; nach
dem Pai-Iuw („Weifser Thau“, eine der 24 Abtheilungen oder Sonnenperioden,
in welche das chinesische Jahr eingetheilt wird, und welche dem Herbst-
äquinoctium um 14 Tage vorangeht) bis zum dritten Monat (April) soll der Wind
nördlich wehen. Setzt im siebenten Monat (August bis September) Nordwind
ein, so ist das Auftreten eines f’ai-fung wahrscheinlich. Um darüber zu urtheilen,
ob ein Sturm (Kü) ein wirklicher fat genannt werden kann, muß man beachten,
welche Richtung er zuerst einschlägt, und ob er in seinem Verlaufe diese ändert.
Ein Wind, der nach und nach aus allen Richtungen des Kompasses weht, heifst
fai. Wenn er z. B. Anfangs aus Nord weht, so wird er sich zunächst nach
Ost und dann durch Süd nach West und von da wieder nach Nord drehen.
Hat er innerhalb eines oder zweier Tage oder in drei, fünf bis sieben Tagen
diesen Rundlauf noch nicht vollendet, so hört er nicht auf zu wehen, bis dies
erfolgt ist. Der aus einer und derselben Richtung wehende Kü ist trotz der
Plötzlichkeit seines Auftretens nur wenig gefährlich; dagegen richtet der fai
trotz der Langsamkeit seines Fortschreitens grofse Verwüstungen an. Von den
im Frühling vorkommenden Stürmen ist der Anfang und von den Winterstürmen
meist das Ende derselben gefürchtet. Abnorme Winde kommen im siebenten
Monat (August-September) vor; als Vorzeichen derselben gelten das Vorkommen
von Fischen und Schalthieren an der Oberfläche des Meeres.“
Die hier gegebene Beschreibung eines an der Küste von Formosa gegen
Ende des Sommers wehenden gefährlichen Windes pafst ganz genau auf die
Eigenschaften eines „Z7yphoon“ oder, wie wir in diesen Annalen bisher, der
allgemeineren Schreibweise folgend, „Teifun“ geschrieben haben.