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Expedition, welcher das Segel-Transportschiff „Guard“ zur Verfügung gestellt
war, ihre Arbeiten von Lissabon aus im Januar 1878; es wurde vom 21. bis
27. dieses Monats der Längenunterschied zwischen Lissabon und dem Fort
St. Jago auf Madeira bestimmt, ferner vom 28, Februar bis 5. März derjenige
zwischen Madeira und Porto grande (St. Vincent), vom 17. bis 23. April der
zwischen diesem Orte und Pernambuco. Infolge eines Bruches „des Kabels
südlich von letzterem Orte konnte die Arbeit erst im Juli von Rio de Janeiro
aus fortgesetzt werden, und wurde vom 1. bis 6. Juli der Längenunterschied
zwischen Rio und Montevideo bestimmt, ferner vom 26. bis 28. Juli der zwischen
Montevideo und Buenos-Ayres. Hiermit endete auch die Kampagne für 1878,
da das Kabel zwischen Rio und Bahia bis in den Spätherbst immer noch nicht
ausgebessert war und die Linien des brasilianischen Staats-Velegraphen wegen
Mangel an geeigneten Instrumenten nicht benutzt werden konnten. Erst im
Mai 1879 wurden die Arbeiten der Expedition auf Befehl des Staatssekretärs
der Marine von denselben Offizieren, wie im vorigen Jahre, wieder aufgenommen
und bis Ende September auch zu Ende geführt. Zunächst wurde der Längen-
unterschied zwischen Greenwich und Lissabon bestimmt. Die telegraphische Ver-
bindung zwischen diesen beiden Orten besteht zunächst aus einer Landlinie von
ca 300 Sm Länge zwischen Greenwich und Portheurnow (bei Penzance), ca 4 Sm
von Kap Landsend entfernt, ferner aus einem 828 Sm langen Kabel von Porth-
surnow bis Carcavellos, an der Tago-Mündung, und endlich einer 12 Sm langen
Landlinie von Carcavellos bis zum Königlichen Observatorium bei Lissabon. Alle
diese Linien wurden von Juli 25—29 zur Bestimmung der Länge von Lissabon
benutzt, welche bisher noch nicht genau festgelegt war.!) Nach Vollendung
dieses wichtigsten Theiles der ganzen Arbeit kehrte Lieut.-Comm. Green nach
Washington zurück und übertrug die Leitung des letzten Theiles der Expedition
dem Lieut.-Comm., Davis, welcher sich mit seinen Gehülfen und den Instrumenten
zunächst nach Rio de Janeiro begab. Vom 12. bis 18, August 1879 wurde der
Längenunterschied zwischen Rio de Janeiro und Bahia bestimmt, ferner von
September 7—11 der zwischen Bahia und Pernambuco und damit die ausgedehnte
Längenmessung zwischen Greenwich einerseits und Pernambuco andererseits zu
Ende geführt. Der Zustand des Kabels zwischen Pernambuco und Pard ge-
ztattete nicht, zwischen diesen beiden Orten telegraphische Signale zu wechseln;
deshalb wurde der Längenunterschied derselben nach Chronometer-Uebertragung
vom 28. bis 30. September 1879 mit Hülfe der telegraphischen Zwischen-
station Maranham bestimmt und damit die Gesammtarbeit dieser Expedition
beendet.
Die Endresultate dieser neuesten amerikanischen Ortsbestimmungen, bei
welchen für die Längen der Meridian des Meridiankreises der Königlichen Stern-
warte zu Greenwich als Ausgangspunkt genommen ist, sind für die einzelnen
Stationen folgende: ?)
I. Portheurnow bei Penzance.
Diese Station wurde nur zur Auswechselung der Zeitsignale zwischen der
Sternwarte zu Greenwich und der Station Carcavellos (12 Sm von der Stern-
warte zu Lissabon) benutzt, und war zu diesem Zwecke vorübergehend durch
Telegraphenleitung mit dem Kabel nach Carcavellos und der Landlinie nach
Greenwich verbunden.
Geogr. Lage: 50° 2‘ 44“ N-Br bestimmt von ;
5° 39‘ 18” W-Lg Colonel Cooke, R. E.
2. Lissabon.
Die Beobachtungs-Station war ein kleines Gebäude, 13,7m östlich von
dem Hauptgebäude der Königlichen Sternwarte in dem Tapada- (oder König-
lichen) Park, ca 2 Sm westlich von der Stadt Lissabon.
1) Ueber die hierbei und bei den anderen Längenbestimmungen angewendeten Apparate, die
Methode der Beobachtungen und die Reduktionen der letzteren vgl. a. a. Ö. pag. 16—30,
2%) Die neben N-Br eingeklammerten Zahlen bedeuten die Anzahl der Beobachtungen von
Sternpaaren, die zur Breitenbestimmung der einzelnen Stationen von Lieut, J. A. Norris benutzt
wurden, und diejenigen neben W-Lg bedeuten die Anzahl der Paare der zwischen je zwei aufeinander
folgenden Stationen telegraphisch ausgetauschten Zeitsignale.