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wieder an. Bei veränderlichen Westwinden suchte man Länge gut zu machen,
ein Bemühen, welches von nur geringem Erfolg gekrönt war. Nachdem man
wieder nördlich von 30° N-Br gelangt war, mufsten mehrere heftige Stürme
überstanden werden, Einer der heftigsten derselben war jener, welchen man
am 2. April in der Nähe von 35,5° N-Br und 54° W-Lg erlebte. Es war ein
orkanartiger Weststurm, bei dem der Luftdruck bis auf 750,5 mm sank, und der
sich besonders durch die Stärke und Häufigkeit der elektrischen Entladungen
auszeichnete. Ein zweiter sehr schwerer Sturm war der am 15. April unweit
39,5° N-Br und 65° W-Lg überstandene. Dieser wehte, bei auf 742,4 mm
gesunkenem Barometerstande, aus südlicher Richtung, war aber nicht von solch
langer Dauer wie der erstere. Am 25. April ankerte „Louisa & Augusta“ in
der Nähe von Sandy Hook. Es waren 64 Tage verflossen, nachdem man den
Kanal verlassen hatte, und während dieser Zeit war 40° N-Br in 18,8° W-Lg
am 25, Februar, 30° N-Br in 23° W-Lg am 3. März und dieselbe Breite zum
zweiten Male in 46,7° W-Lg am 26. März; ferner 30° W-Lg in 22,8° N-Br am
9, März, 50° W-Lg in 32,8° N.Br am 31. März, 60° W-Lg in 38,4° N-Br am
14. April und 70° W-Lg in 39,9° N-Br am 283. April geschnitten worden.
An demselben Tage, an welchem dieses Schiff den Kanal verliefs, geschah
es auch von dem nach Neworleans bestimmten Bremer Schiffe „Friedrich“. Zur
Passatregion steuernd, erhielten beide Schiffe ungefähr gleichzeitig den Passat,
doch traf ihn „Friedrich‘ in 23° N-Br und 24,3° W-Lg um 4 Grad südlicher
an, als der Mitsegler. Nachdem man ihn gefunden hatte, verfolgte „Friedrich“
einen entschieden südlichen Kurs, und die Folge davon war, dafs, als „Lowisa
und Augusta“ am 10. März in 22,5° N-Br und 31,5° W-Lg jene schon erwähnte
Störung des Passats antraf, der gleichzeitig in 17° N-Br und 3834,7° W-Lg
stehende „Friedrich“ davon ganz unberührt blieb.
„Friedrich“ durchsegelte bei in befriedigender Stärke wehendem Passat
den Ocean, gelangte am 23. März zu den kleinen Antillen und erreichte am
8. April, 17 Tage früher als der Mitsegler, seinen respektiven Bestimmungsplatz.
8. Reise der Bremer Bark „Blücher‘“, Kapt. H. Schütte,
Am 10. März 1881, sieben Tage nach dem Antritt der Reise von der
Weser aus, befand sich die nach Philadelphia bestimmte Bark „,Blücher“ in der
Nähe von Fair Island. Bei den von hier aus angetroffenen oft stürmischen
Westwinden konnte zunächst nur ein langsames Fortschreiten nach Westen
erzielt werden. Befriedigender wurde die Fahrt erst, nachdem man am 25. März
in der Nähe von 52,5° N-Br und 22,5° W-Lg östliche Winde antraf. Westlich
von 43° W-Lg verursachten Gegenwinde jedoch wieder einen längeren Aufenthalt.
Am 3. April wurde unweit 46° N-Br und 43° W-Lg ein nur kurzer, aber
äufserst heftiger Weststurm überstanden, bei dem der Luftdruck bis auf 720,5 mm
abnahm. Auch nach diesem Sturme blieben die Verhältnisse ungünstig und
waren, als Folge davon, nicht weniger als zehn Tage erforderlich, um von 42°
nach 43° W-Lg zu gelangen. Etwas rascher verlief die Fahrt, nachdem man
die Bank von Neufundland überschritten hatte, und am 2. Mai erreichte die
Bark die Mündung des Delaware. Die Reisedauer betrug 53 Tage. Man hatte
während dieser Zeit 30° W-Lg in 50,5° N-Br am 27. März, 50° W-Lg in 42°
N-Br am 18, April, 60° W-Lg in 39° N-Br am 24. April und 70° W-Lg in
39,3° N-Br am 30. April überschritten.
Am 15. März, fünf Tage später als „Blücher“ bei Fair Island stand,
verliels bei frischem NNW-Winde das nach Newyork bestimmte Bremer Schiff
„Hedwig“ den Kanal. Der Mittelroute folgend, traf dieser Mitsegler in der
nächsten Zeit eine entschieden günstigere Gelegenheit als „Blücher“, und als
am 3. April diese Bark in 46° N-Br und 43° W-Lg jenen schweren Sturm
überstand, befand sich das Vollschiff schon in 42,8° N-Br und 47,5° W-Lg.
Man beobachtete hier den Sturm in nur geringem Maflse. Am 25, April, nach
41 tägiger Reise, erreichte „Hedwig“ die Bai von Newyork.
Am 10. Juni verließ „Blücher‘“ die Delaware-Mündung wieder, um nach
Bremen zurückzukehren, Im Gegensatze zur Ausreise wurden jetzt auf der
Heimreise häufig östliche Winde angetroffen. Es waren dieselben jedoch fast
immer nur von kurzer Dauer, und da die westlichen Winde doch im Allgemeinen
die vorherrschenden waren, nahm die Reise einen befriedigenden Verlauf,