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25. September gelangte man in 79,9° W-Lg wieder nördlich von 50° S-Br.
Es waren 30 Tage verflossen, seit man dieselbe Breite im Atlantischen Ocean
verlassen hatte. „Bodild“, welcher beim Kap Horn fast nur Ostwinde an-
getroffen hatte, erreichte 50° S-Br in 87,5° W-Lg schon am 3. September,
Beim Aufsteuern nach Norden fand „Varuna“ auch zunächst nur un-
günstige NW-Winde, Als man nach 42° S-Br gelangt war, veränderte der
Wind seine Richtung durch Süd nach SE, und konnte später bei Wind aus
dieser Richtung der letzte Theil der Reise zurückgelegt werden, Man schnitt
410° S-Br in 77,2° W-Lg am 1. Oktober und ankerte am 4. Oktober auf der
Rhede von Valparaiso. Die Reise war in 112 Tagen vollendet worden.
5. Reise der Bremer Bark „Alice Rickmers“, Kapt. H. Andresen.
Am 24. September 1880 überschritt die auf einer Reise von Cardiff
nach Singapore begriffene Bark „Alice Rickmers“ den Parallel von 50° Nord.
Nahezu gleichzeitig segelte damals der am Mittage des 25, September etwa
70 Sm in südöstlicher Richtung von „Alice Rickmers“ entfernt stehende eiserne
Mitsegler „Fürst Bismarck“ nach Süden, und unter nahezu denselben Verhält-
nissen, wie sie schon der Reiseauszug dieses Schiffes brachte, verlief dann auch
ein grofser Theil der Reise zur Linie von „Alice Rickmers“. Am ‚7. Oktober,
als beide Schiffe den Passat erhielten, stand „Alice Rickmers“ in 32,8° N-Br
und 19,6° W-Lg fast genau 150 Sm in westlicher Richtung vom „Fürst Bis-
marck“, Nach dieser Zeit gewann, vielleicht als Folge des westlicheren Stand-
punktes, die hölzerne Bark gegen die eiserne, und als jene am 17, Oktober in
10,3° N-Br und 24° W-Lg den Passat verlor, geschah dasselbe zwar auch bei
dem Mitsegler; doch befand sich der dann in 11,2° N-Br und 25,7° W-Leg.
Bei „Alice Rickmers“ drehte der Wind rasch durch Süd nach SW, um aus
letzterer Richtung für längere Zeit beständig zu herrschen. Am 22. Oktober
war man nach 16,1° W-Lg in 3,6° N-Br gelangt. Hier wurde bei Südwind
gewendet und drei Tage später in 21,6° W-Lg der Aequator erreicht. Es
waren bis dahin 31 Tage verflossen, seit man den Kanal verliefs, und während
dieser Zeit hatte man 40° N-Br in 20,2° W-Lg am 4. Oktober, 30° N-Br in
20,6° W-Lg am 8. Oktober, 20° N-Br in 25° W-Lg am 13. Oktober und
10° N-Br in 24,3° W-Lg am 17. Oktober geschnitten, Der Mitsegler „Fürst
Bismarck“ erreichte südliche Breite in 24,8° W-Lg am 28. Oktober.
Im Südatlantischen Ocean wehte frischer, beständiger Passat, dessen
Gebiet sich bis nach 22,4° S-Br in 27,5° W-Lg ausdehnte. Auf kurze Wind-
stille, die man unweit dieses Punktes beobachtete, folgte später noch wieder
für längere Zeit flauer östlicher Wind, bis endlich in der Nähe von 34° S-Br
und 25° W-Lg Westwind durchkam. Dieser Wind wurde bis zum ersten
Meridian hin kaum wieder unterbrochen. Am 19. November ging „Alice
Rickmers“ in 38,8° S-Br von westlicher in östliche Länge über. Man hatte
bis dahin 25 Tage in südlicher Breite zugebracht. Während dieser Zeit war
10° S-Br in 27,5° W-Lg am 29. Oktober, 20° S-Br in 28,8° W-Lg am
li. November und 30° S-Br in 24,5° W-Lg am 9. November überschritten
worden. Etwa zwei Wachen später als „Alice Rickmers“ kreuzte auch der
„Fürst Bismarck“ in 39,7° S-Br den ersten Meridian.
Beim Ablaufen der Länge wurde von „Altce Rickmers“ als südlichste
Breite 41,6° Süd in 59° O-Lg berührt. Man fand fast nur aus günstiger
Richtung wehende Winde, an denen häufiger ihre zu geringe Stärke, als über-
grofse Heftigkeit auszusetzen war. Ein nennenswerther Sturm war nur der-
jenige, welcher am 7. und 8. Dezember in der Nähe von 40,5° S-Br und
65° O-Lg angetroffen wurde. In demselben wehte es aus West in Böen fast
orkanartig. Am 12, Dezember, nahezu gleichzeitig mit dem Mitsegler, erreichte
„Alice Rickmers“ in 35,5° S-Br den Meridian von 80° O-Lg. Es waren dann
23 Tage verflossen, seit man östliche Länge erreicht hatte,
Der frische Westwind, welcher „Alice Rickmers“ über 80° O-Lg führte,
drehte nach kurzer Zeit südlich und ging später, ohne dafs eine Störung in der
Fahrt vorfiel, in den Passat über. Unweit 30,5° S-Br in 82,8° O-Lg wurde die
Windrichtung eine südöstliche, und bei frischem Winde konnte dann in der
nächsten Zeit eine weite Strecke in rascher Fahrt durchsegelt werden. Als man
nach 9,5° S-Br in 88,2° O-Lg gekommen war, hörte der Passat zu wehen auf,