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767,1 mm die polare Passatgrenze gefunden wurde, Nachdem sie über-
schritten worden war, herrschte zunächst an einigen Tagen leichte östliche
Mallung und später für längere Zeit ein frischer SE-Wind. Als dieser letztere
zu wehen begann, war der Luftdruck auf 772,8 mm gestiegen. Der günstige
SE-Wind begleitete das Schiff ganz bis nach 44,5° N-Br in 27° W-Lg. Nicht
weit von diesem Punkte entfernt drehte der Wind am 28, April durch Süd
nach SW, und bei westlichen Winden konnte man dann den noch übrigen
Theil der Reise zurücklegen, Am 4. Mai erreichte „Anna“ die Mündung des
Kanals. Die Dauer der ganzen Reise betrug 120 Tage. Von diesen waren 27
im Nordatlantischen Ocean zugebracht worden, und hatte man dort 10° N-Br in
38° W-Lg am 12. April, 20° N-Br in 44,3° W-Lg am 16. April, 30° N-Br
in 44,3° W-Lg am 22. April und 40° N-Br in 34° W-Lg am 26. April
geschnitten.
4. Reise des Bremer Vollschiffes „Friedrich“, Kapt. L. Brüggemann.
Am 19. Februar 1881 verliefs bei frischem Ostwinde das von Bremen
nach New-Orleans bestimmte Vollschiff „Friedrich“ die Kanalmündung. Der
günstige Wind hielt auch im Atlantischen Ocean an, und als sechs Tage ver-
flossen waren, befand das Schiff sich in 35,5° N-Br und 22,5° W-Lg. Hier
nahm der Ostwiud ein Ende, und westliche Winde, die indessen auch bo-
friedigenden Fortgang nach Süden erlaubten, traten an seine Stelle. Ungünstiger
war der südlich von 27,5° N-Br in 25,8° W-Lw angetroffene frische SW-Wind,
welchen Kapt. Brüggemann in der Weise ausnutzte, dafs er bei demselben
über B. B.-Bug segelte. Am 6. März drehte unweit 23° N-Br in 24,3° W-Lg,
bei einem Barometerstande von 764,0 mm, der flau gewordene Wind durch Nord
nach NNE, und war damit der Passat erreicht. In ruhiger, befriedigender
Fahrt segelte „Friedrich“ dann bis zum 16. März nach 14,5° N-Br in 48° W-Lg.
Unweit dieses Punktes holte der frische Wind hoch südlich, und bei einer
Luftdruckabnahme von etwa 2mm erfolgte eine Drehung des Windes nach
rechts durch alle Striche der Rose, Das Schiff machte dabei ganz befriedigenden
Fortgang nach Westen gut, und war der später folgende flaue Passat einem
raschen Fortgange ungünstiger, als diese Störung. Am 23. März gelangte
„Friedrich“ in Sicht der Insel Desiderade, wo an zwei Tagen flaue westliche
Mallung beobachtet wurde. Recht kräftige Winde begünstigten anfänglich die
Fahrt durch das Karaibische Meer; dagegen wurde die Fahrt durch den Wind-
ward-Kanal, zwischen Hayti und Jamaika, durch dort angetroffene Westwinde
ziemlich verzögert. Nördlich von der letzteren Insel wurden wieder frische
Nordwinde angetroffen, und bei südöstlichem Winde umsegelte „Friedrich“ am
4. April das Kap San Antonio. Am 8. April passirte „Friedrich“ die Barre
des Mississippi, nach einer Reise, deren Dauer von Lizard ab 49 Tage betrug.
Während derselben war 40° N-Br in 19° W-Lg am 23. Februar, 30° N-Br in
26,6° W-Lg am 1. März und 20° N-Br in 27,7° W-Lg am 8. März; ferner
30° W-Lg in 18,8° N-Br am 9. März, 50° W-Lg in 15,7° N-Br am 17. März
und 60° W-Lg in 16,6° N-Br am 23. März geschnitten worden.
Am 22, Mai erreichte der auf der Reise nach dem Heimathshafen
begriffene „Friedrich“ wieder die offene See. Es herrschte damals im Golf von
Mexiko nur mäfsiger, beständiger Passat, der jedoch raum genug war, um das
Schiff, ohne dafs gewendet wurde, nach 23,8° N-Br in 82° W-Lg zu führen.
Am 28. Mai erreichte „Friedrich“ 80° W-Lg in 24,5° N-Br. Von hier ab
traf man flauen, südlich laufenden Wind, und da auch gleichzeitig eine starke,
nach Norden setzende Strömung beobachtet wurde, konute man schon am
31. Mai die Enge von Bemini durchsegeln, Im offenen Ocean drehte der Wind
bald nach SW, und wurde nach dieser Zeit der ganze Weg zum Kanal bei
fast stets günstigen, aber häufig unerwünscht flauen Winden zurückgelegt. Von
Sturm oder auch nur stürmischen Winden wurde keine Spur angetrofien, Am
25. Juni gelangte „Friedrich“ in die Nähe von Lizard, Die Reisedauer betrug
34 Tage, Während derselben war 70° W-Lg in 33,3° N-Br am 4. Juni,
60° W-Lg in 35,5° N-Br am 7. Juni, 50° W-Lg in 37,8° N-Br am 11. Juni
und 30° W-Ly in 43,5° N-Br am 20. Juni geschnitten worden,