584
1. Die norwegischen Fjorde und Küstenbänke, zwischen 62° und 64° N-Br,
zeigten im Sommer 1876 überall am Meeresboden Wärmegrade, und zwar von
6°—7° C. bis zur Maximaltiefe von 237 Fad. = 433m (Tab. I sub 1, No. 26).')
2, Auf der Fürö—Island-Bank (Tab. I sub 5) waren die Bodentemperaturen
ebenfalls über 0°, nämlich von 1,3° bis 6° in Tiefen von 264—529 Fad. —
483—967m (No. 47, 45, 43 und 42); nur die nördlichste, der Eismeertiefe nahe
Station No. 48 zeigte am Boden in ca 550m (300 Fad.) eine Temperatur
von — 0,1°.
3. Eine Vergleichung der Stationen No. 45 und 43 in 63° 28‘ bezw.
11‘ N-Br auf der Färö—JIsland-Bank mit No. 37 (1° südlicher) in der Fürö—
Shetland - Rinne zeigt, dafs bei nahezu gleicher Oberflächentemperatur von
ca 370m (200 Fad.) ab in gleicher Tiefe die Temperaturen über der Färö—
Island-Bank bedeutend höher sind, als in der Färö— Shetland-Rinne, z. B. in
ca 600m Tiefe um 7—8°,
Die ersteren Orte gehören der nordöstlichen Zunge warmen Wassers an,
welche der nördliche Atlantische Ocean in das Meer zwischen Island und die
Faröer hineinschiebt, und die durch die Färö— Fsland- Bank an ihren weiteren
Vordringen nach Norden oder Nordosten verhindert wird; die Station No. 37
mit einer Bodentemperatur von — 1,1° zeigt das Verhalten der Temperatur-
vertheilung in dem nördlichen Ausläufer der Färö— Shetland-Rinne in ea 1300m
Tiefe kurz vor dessen Vereinigung mit der Eismeertiefe.
4, Für den südlichen Theil der Fürö—Shetland-Rinne haben die Messungen
der „Lightning“ (1868) und „Porcupine“ (1869) zwischen 49° 48‘—61° 21‘ N-Br
und 3° 44‘—8° 10‘ W-Lg in Tiefen zwischen 660—1170 m (360—640 Fad.)
Bodentemperaturen zwischen —0,3° und —1,4° nachgewiesen. In dem diesem
sogenannten „kalten Gebiete (cold area)“ des Meeres zwischen Nord-Schottland,
den Faröern und den Shetlands-Inseln benachbarten „warmen Gebiete (warm
area)“, dem Nordatlantischen Ocean angehörend, zwischen 59'/,°—60° N-Br und
61/2°—9142° W-Lg, sind in gröfseren Tiefen 6°—7° Wärme in denselben Jahres-
zeiten vorhanden. Aehnliche Ergebnisse hat die Expedition des „Knight Errant“
im August 1880 gefunden (s. „Ann, d. Hydr. etc.“ 1880, pag. 491).
5. Die warme Wassermasse, welche die Tiefe des Wassers der benach-
barten nördlichsten Theile des Atlantischen Oceans südwestlich von der Grenz-
linie Schottland—Faröer— Island einnimmt und dem allgemeinen Gesetze der
Wärmeabnahme des oceanischen Wassers mit wachsender Tiefe folgt, bleibt auf
die oberen Schichten beschränkt, sobald alle Querrücken zwischen Schottland
and /sland überschritten sind; diese selben Querrücken sperren aber auch die
mächtige Masse kalten Wassers (bis unter — 1°) der Eismeertiefe ab und ver-
hindern dieses, in die gröfseren Tiefen des Atlantischen Oceans einzudringen,
dessen Bodentemperaturen in Tiefen von 2000—4000 Fad. (3650— 73800 m)
zwischen 3° und 2’'%A° betragen,
6. Die Grenze zwischen dem warmen und kalten Bodenwasser, d.h. die
Boden-Isotherme von 0°, liegt in dem hier in Betracht gezogenen Mceerestheile
in NO von dem /sland— Färö-Bergrücken.
Die in den beiden Sommer-Kampagnen von 1877 und 1878 von der
norwegischen Nordmeer-Expedition gewonnenen 100 Reihentemperaturen sind
in folgender Tabelle II in ähnlicher Anordnung, wie die von 1876 in Tabelle I,
aus den Originaltabellen Mohn’s nach den einzelnen Meerestheilen zusammen-
estellt.
5 Die Abtheilungen sub 1 und 2 sind von Süd nach Nord, sub 3, 4 und 5
von Ost nach West, und sub 6 von West nach Ost angeordnet.
Die letzte Tiefenangabe bei jeder Temperaturreihe zeigt (wie in Tab. I)
zugleich die Bodentiefe an für den betreffenden, unter der Lothungsnummer
and dem Datum derselben aufgeführten Ort. Die bei den No.’s 300, 345, 346
und 348 in Klammern befindlichen Tiefenangaben bedeuten, dafs an diesen
Stellen kein Grund gelothet worden ist.
Die Daten der Temperaturreihen sub No. 94—254 beziehen sich auf den
Sommer 1877 und diejenigen sub 255—375 auf den Sommer 1878.
4) Ueber die in den norwegischen Fjorden und auch anderswo häufig beobachtete Erscheinung
einer kälteren Wasserschicht zwischen zwei wärmeren oberhalb und unterhalb derselben werden wir
bei der Diskussion der Temperaturmessungen der „ Vöringen®“ in den Jahren 1877 und 1878 nähere
Angaben bringen (s. pag. 588).