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welchem das Bleiloth sich gerieben hatte, fand sich mehrmals, besonders auf
den Küstenbänken. Bei Jan Mayen war der Boden von einem schwarzen
Schlamm, offenbar vulkanischen Ursprungs, gebildet.!') Die Analyse der Boden-
proben, welche der Chemiker Herr L. Schmelck übernommen hat, ist bis jetzt
noch nicht vollendet.
Die mit dem Bagger- oder noch besser mit dem Schleppnetze ausgeführten
Untersuchungen der Beschaffenheit des Meeresbodens ergeben, dafs dieser,
wenigstens auf weite Strecken hin, mit Steinen übersäet ist; die Netze brachten
sehr oft eine Menge von kleineren oder gröfseren Steinen herauf, von denen
die Lothungen keine Kunde geben konnten. Kine sichere Vorstellung von dieser
Ausbreitung der losen Steine am Boden unseres Nordmeeres und ihrer Art
läfst sich schwerlich durch unsere Untersuchungen gewinnen, — dazu waren in
den drei Sommern die Witterung und die Anwendung der Fangapparate zu
ungleich vertheilt, Zur Zeit kann ich nur sagen, dafs die Mehrzahl der Steine
aus Granit, Gueifßs, Hornblende-, Quarz- und Glimmerschiefer bestanden, Auf
den Bänken südlich von den Lofoten fand ich zwei Mal Kreidestücke und
kleine Stücke von Feuerstein, südlich von der Bären-Insel ein Stück Steinkohle,
bei Jan Mayen vulkanische Gesteinsarten, aber auch Glimmerschiefer und
Granit, In hohem Grade mit Steinen bis zu grofsen Dimensionen ühberschüttet
scheint das Meer zwischen Spitebergen und Grönland zu sein. Hier finden sich,
wie anderswo, krystallinische Silikatgesteine am meisten, aber auch große
Kalksteine,“
2. Die Temperaturvertheilung des Nordmeeres zwischen Norwegen —
Bären - Insel— Spitzbergen— Nowaja-Semlja einerseits und Norwegen— Shetland-
Inseln — Färoern-— Island — Ost-Grönland andererseits, d.h. den Raum zwischen
60°—80° N-Br und 35° O-Lg—30° W-Lg enthaltend, von der Oberfläche bis zum
Boden, hat Prof. H. Mohn in drei Abhandlungen in Petermann’s „Geogr, Mitth,“,
1876, pag. 427—438 und Taf. 22; ib. 1878, pag. 1—11 und Taf. 1; Ergänzungs-
heft No, 63 etc. mit 3 Tafeln, eingehend und nach dem bis jetzt anderweitig
vorliegenden Beobachtungsmaterial erschöpfend diskutirt, vorzugsweise auf
Grund der Messungen von Reihentemperaturen während der drei norwegischen
Expeditionen in den Sommern 1876—1878. Kr hat diesen Abhandlungen zur
näheren Erläuterung eine Anzahl von kolorirten Diagrammen hinzugefügt, welche
in verschiedenen Quer- und Längsschnitten die Wärmevertheilung in horizontaler
und vertikaler Richtung durch verschiedene Farben und deren Nuaneirungen
klar und deutlich vors Auge führen. Nach den Temperaturreihen sind zuerst
Kurven gezogen, welche die Aenderungen der Temperatur mit der Tiefe zeigen,
und nach diesen sind die Isothermen für die einzelnen Grade ausgezogen. Herr
Prof. Mohn hat hierzu aufser seinen eigenen Temperaturmessungen die in diesen
Annalen schon mehrfach erwähnten Beobachtungen der englischen „Lightning“-
und „Porcupine“-Expeditionen (1868 und 1869), der dänischen der „/ylia“ und
des „Ingolf“ (1878 und 1879) und für die Meerestheile jenseits des Parallels
von 70° Nord diejenigen verschiedener anderer Expeditionen benutzt, welche
wir in dem folgenden Abschnitte 9 erwähnen werden.
Wir können innerhalb des Rahmens dieser Artikel nur cine kurze, zusammen-
gedrängte Uebersicht dieser für die Kenntnifs der oceanographischen Verhält-
nisse des nördlichen Polarmeeres geradezu epochemachenden Forschungen der
norwegischen Nordmeer- Expedition geben, welche zugleich auch für die
Diskussion ähnlicher Untersuchungen in anderen Oceanen, namentlich‘ dem
Atlantischen, von grofsem Werthe und geeignet sind, manche bisher noch
ungelöste Fragen der oceanischen Physik und der Polarforschung insbesondere
der Lösung näher zu bringen,
Die 20 von Prof. Mohn auf den Einzelrouten der „ Vöringen“ während
der Sommerkampagne 1876 zwischen 62°—66° N-Br und 10° O-Lg—15° W-Lg
gewonnenen Reihentemperaturen sind in nachstehender Tabelle I, für die
betreffenden einzelnen Meerestheile angecordnet,*) wiedergegeben.
‘) Vgl. „Ann. d. Hydr. etc.“, 1879, pag. 199, und 1880, pag. 233.
2) Die Originaltabellen geben diese Reihentemperaturen, wie die der Sommer-Kampagnen
1877 und 1878, lediglich in chranologischer Reihenfolge (vgl. die "’abelle der Lothungen im vorigen
Hefte vag. B21—A923).