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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 9 (1881)

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liche Winde, von Gewitter und Regenböen unterbrochen; nur eine kurze See 
kündet den nahen NE-Monsun an. Dieser wird aber erst in voller Kraft ver- 
spürt, wenn man beim Kap Bojeador ankommt. Hier macht sich auch schon 
westlicher Strom bemerkbar, welcher zunimmt, sobald der Bashee - Kanal 
offen ist, 
Im Bashee-Kanal wehte es hart und lief eine solch unregelmäfsige See, 
dafs das Schiff schwer arbeitete und von allen Seiten, selbst über Heck und 
Bug, die Seo herüberbrach. Ich würde daher rathen, so lange man den west- 
lichen Strom in dem Bashee-Kanal spürt, möglichst nördlich wegzuarbeiten, bis 
zur Breite der Südspitze von Formosa, und dann erst zu versuchen, Ost zu ge- 
winnen, Darauf dicht um Formosa herum; wenn Wind und Wetter es gestatten, 
zwischen dieser Insel und Botel Tobago und Samasana hindurch, immer nahe 
an der Küste hinauf, bis man nördlich von 23° N-Br ist, und dann erst östlicher 
weghalten, um später mit den westlichen Winden, welche man in etwa 27° N-Br 
zu erwarten hat, zwischen 32°—33° N-Br den Meridian von 140° Ost und somit 
den offenen Ocean zu erreichen. Auf meiner Route, welche aufserhalb Botel 
Tobago und Samasana führte, habe ich vom Kuroszwo südlich von Samasana 
keine Spur und nördlich von dieser Insel nur sehr wenig verspürt, obgleich 
ich die Meiaco Sima-Inseln sichtete und mich hier an einem Orte befand, wo 
der stärkste Strom sein soll. Diese Verhältnisse mögen sich übrigens zu anderen 
Zeiten günstiger gestalten. 
Von 27° N-Br und 131° O-Lg an fand ich westliche Winde vor, welche 
bis 180° Länge mehr aus nördlicher, von dort bis zur amerikanischen Küste 
aber viel häufiger aus südwestlicher Richtung wehten und nicht selten bis SE 
holten, Nach dieser Erfahrung halte ich es für rathsam, im Winter den Meridian 
von 180° nicht nördlich von der Breite des Bestimmungsortes zu schneiden. 
Man wird hier stetigeres Wetter, als weiter nördlich antreffen und befindet 
sich, in die Nähe der Küste gelangt, den daselbst anhaltend hoch südlich 
wehenden Winden gegenüber in einer besseren Stellung, um den Bestimmungs- 
hafen erreichen zu können. Südliche Strömung habe ich im Dezember 1880 an 
der kalifornischen Küste nicht vorgefunden, 
4. Bemerkungen über San Franeisco. 
In den Wintermonaten gestatten die Windverhältnisse nur selten, in 
San Francisco unter Segel einzulaufen. Schiffe sind meistens genöthigt, einen 
der Schleppdampfer zu engagiren, welche man um diese Jahreszeit gewöhnlich 
vor der Barre findet. In einem solchen Falle mufs man beim Accord mit dem 
Dampfer-Kapitän sehr vorsichtig sein; man sollte, wenn es irgend möglich ist, 
sinen schriftlichen Kontrakt machen, und wenn das heftige Arbeiten der Schiffe 
bei dem hohen Seegang, welcher hier oft vorhanden ist, solches nicht gestattet, 
loch wenigstens die festgesetzten Bedingungen niederschreiben, und dieses 
Schriftstück von dem Lotsen sowohl als den Steuerleuten als Zeugen mitunter- 
zeichnen lassen. Der Hauptpunkt, worauf es beim Accord ankommt, ist, die 
Klausel zu vermeiden, nach welcher das Schiff neben dem KEinschleppen auch 
die weiteren Schleppdienste durch den engagirten Dampfer beschaffen zu lassen 
verpflichtet ist, und vor Allem verwahre man sich dagegen, dafs spätere Dienste 
nach den sogenannten „english contract-rates“ bezahlt werden sollen. 
Der Führer des Schleppdampfers sucht in der Verhandlung mit dem 
Kapitän des Schiffes diesen immer zu der angeführten oder einer ähnlichen 
Bedingung zu verpflichten, Diese wird bei der einfach mündlichen Ueberein- 
kunft meistens nur beiläufig erwähnt und seitens des Schiffskapitäns, insbesondere 
wenn dieser ungewarnt zum ersten Male hierherkommt, bei dem geräuschvollen 
Arbeiten der Schiffe häufig falsch verstanden oder ganz überhört. Später aber 
wird die Dampfergesellschaft das Einverständnifs des Schiffsführers behaupten 
und auf Grund der in Anspruch genommenen Rechte die Bezahlung über- 
triebener Forderungen zu erpressen versuchen. Das Verfahren dabei ist 
gewöhnlich so, dafs mit der gerichtlichen Klage gegen das Schiff so lange 
gewartet wird, bis dasselbe segelfertig ist. Dann, im letzten Augenblick, wenn 
der Anker gelichtet wird, kommen zwei Gerichtsvollzieher an Bord und zeigen 
dem Kapitän an, dafs er Schulden halber angeklagt sei und das Schiff fest- 
gehalien würde, Nun erst wird ein Termin anberaumt, in welchem der Kapitän
	        
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