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Nachdem man geankert hat, kommt erst der zweite Hafenmeister, holt
den Gesundheits-Pafs und stellt die üblichen Fragen über Reise u. s. w. Dann
kommt die Zollvisite, durchsucht das Schiff, nimmt das Manifest zu sich und
läfst einen bewaffneten Zollsoldaten an Bord, welchem das Schiff, so lange es
im Hafen bleibt, ein anständiges Logis und die Kost gewähren mufs. Sind
diese Formalitäten erfüllt, so kann der Schiffsführer an Land fahren, mufs sich
aber, hier angekommen, erst dem Hafenmeister vorstellen; alsdann kann er
seinen Geschäften nachgehen. Zum Löschen des Ballastes und um später wieder
zu laden ist ein Erlaubnifsschein erforderlich. Ist das Schiff entlöscht, so wird
es durchsucht, ebenfalls wenn es später wieder segelfertig ist. Bei allen Visiten
soll laut Gesetz der Kapitän zugegen sein, doch läfst sich der Uebelstand dieser
wiederholten Plackereien durch Zahlung von 10 bis 12 Dollars abschwächen
oder auch ganz verhindern.
Kann man von der Schiffsbesatzung, wegen dringender Arbeiten an Bord,
keine Bootsmannschaft entbehren, oder fürchtet man Excesse derselben am Land,
so engagire man zur Bemannung des Schiffsbootes vier Eingeborene, Diese
Leute sind zuverlässig, machen sich als Wegweiser oder Dolmetscher am Lande
nützlich und ferner, indem sie morgens die für den Tag erforderlichen frischeu
Lebensmittel mit vom Lande bringen. Der Lohn beträgt 1%4 Dollar pro Tag
für 4 Mann.
Ballast und Steinkohlen werden in offenen Leichtern (cascas), ähnlich
den kleinen Weserbockschiffen, an Land gebracht. Diese Fahrzeuge laden
ca 25 Tonnen. Sie liegen schon bei wenig Seegang schlecht längsseite und
erfordern dicke gute Fender, Die Balken dieser Leichter, in halber Raumhöhe
angebracht, ragen etwa 2 Fufs an jeder Seite über die Beplankung hinaus. Auf
diesen Enden ist längs des ganzen Fahrzeuges Bambusrohr befestigt, und diese
Vorrichtung dient sowohl als eine Art Laufbrücke aufsenbords, um darauf das
Fahrzeug vermittelst Stangen vorwärts zu schieben, wie auch als Schwimmer
und Schlingerklampen. Bei konträrem Winde können die Fahrzeuge selten das
Schiff erreichen, sondern müssen mit Leinen längsseite geholt werden. Die
Leichter dagegen, in denen. alle übrige Ladung an und von Bord gebracht
wird, sind gute manövrirfähige Schoner (conchas) von 25 bis 35 Tonnen Trag-
fähigkeit. Sie haben mittschiffs einen Aufbau, um mehr leichte trockene Güter
laden zu können,
Für das Fortschaffen von Sandballast zahlt man 18 Cts., für Steine
10 Cts, pro Tonne, Der Stauer liefert den Ballast unentgeltlich in die Leichter,
doch hat das Schiff die dazu erforderlichen Schuten und Körbe zu besorgen.
Für das Stauen von Zucker zahlte ich 15 Cts. pro Tonne. Bambusrohr kostet
8 Doll. pro 100 Stück. Dieses mul einige Tage vor Beginn des Ladens an
Bord genommen werden, damit es trocknen kann, denn es wird in einem Flofs
längsseite gebracht. Handkörbe kosten 75 Cits. das Dutzend. Garniermatten
sind theurer und kleiner, als in Hongkong.
Der trockene Zucker, welcher nach San Francisco verladen wird, mifst
35,45 Kubikfufs englisch, somit etwas mehr als 1 Kubikmeter die englische
Gewichtstonne. Der Zucker wird in Mattensäcken verschifft, welche im Durch-
schnitt '!/s Picul spanisch gleich 70 Pfund englisch enthalten. Demnach ist
1 Tonne von 20 Ceots (16 Pieul) gleich 32 Säcken.
Nach San Francisco bestimmte Schiffe müssen unter Lloyds Aufsicht
laden, Dieses kostet inkl. Certifikat 42 Doll., welche vom Ablader zu zahlen
sind, wenn die Chartepartie nicht ausdrücklich anders bestimmt.
Tonnengelder sind seit dem 1. Oktober 1880 von 8 Cts. auf 28 Cts. pro
Tonne erhöht worden, um für die Mehreinnahme Brücken zu bauen, an denen
dio Schiffe liegen können. Der Betrag wird für Netto-Tonnen erhoben. Für
Ein- und Ausklariren wurden 25 Doll. berechnet, für Stempelpapier, Lade- und
Segelvisite 2 Doll., für den Arzt 1 Doll. pro Tag.
3. Reise von Manila nach San Francisco (22. Oktober 1880
bis 1. Januar 1881).
Das Einsetzen des NE-Monsuns findet gewöhnlich mit stürmischem und
unbeständigem Wetter statt, und Teifune sind zwischen 15° und 23° N-Br um
diese Zeit nicht selten. Unter der Küste von Luzon findet man flaue veränder-