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Schleppdampfer nur dann in der Flufsmündung anzutreffen sind, wenn sie gerade
ein Schiff stromabwärts gebracht haben, so mufs, falls man sich schleppen lassen
will, ein Dampfer telegraphisch von der Stadt her bestellt werden. Aber auch,
nachdem dieses geschehen ist, kann man mit Vortheil von einer sich darbieten-
den Gelegenheit Gebrauch machen, um den Flufs aufzusegeln, denn der Schlepp-
lohn wird in einem solchen Falle von da an gerechnet, wo der Dampfer das
Schiff aufnimmt. Das Reglement für die Schleppdampfer bestimmt:
von dem Cangis-Flusse die volle Taxe,
von den vier Armen %/4 Taxe,
von dem East Reach */zs Taxe, und
von der Korallenbank % Taxe.
Die volle Taxe von Cangis nach Saigon oder zurück beträgt
für ein Schiff von 650—700 Reg.-T. 145 Doll.
#* % % „ 700—750 2 150
» » „ 750—800 155
% ® ” „ 800—850 „ 160
Herabkommend kann man nur für die ganze Strecke einen Dampfer
bekommen. Das Lotsgeld beträgt 7! Cts. pro Reg.-Tonne für Schiffe in Ballast
and 10 Cts. für beladene Schiffe. Die Lotsen sind zuverlässig.
Die in den Segelanweisungen erwähnte Ablieferung von Waffen und
Munition gilt gegenwärtig nur für Küstenfahrer und Dschunken, Doch soll
man im Flusse des Tags über die Flagge zeigen und mufs sich etwaigen
Visitationen seitens der Kriegsschiffe und des Opiumfarmers unterwerfen,
Proviantliste und Manifest sind mir bei Ankunft nicht abverlangt worden.
Da Saigon auf angeschwemmtem Boden erbaut ist, mithin gröfsere Bauten
ein sicheres Fundament erfordern, so sind Steine oder Steinballast oft sehr in
Nachfrage. Es empfiehlt sich daher, für nach hier bestimmte Schiffe nur Stein-
ballast zu nehmen, welcher nicht allein kostenfrei aus dem Schiffe genommen
wird, sondern oft auch noch zu verwerthen ist. Dahingegen hat man für das
Landen und Löschen von Sandballast 40 Cts. pro Tonne zu zahlen.
Von Hongkong werden oft quaderförmige Pflastersteine (Granit) verschifft.
Die Fracht für dieselben, bei kostenfreier Lieferung an und von Bord, beträgt
2 Doll. pro Tonne. Diese Steine wurden bisher für Rechnung der Regierung
eingeführt; mithin waren Schiffe, welche damit beladen waren, obschon sie
etwas Fracht machten und Ballast ersparten, von den einkommenden Hafen-
abgaben frei, Gegenwärtig mufls man sich iudessen hüten, in Hongkong der-
artige Frachtabschlüsse zu machen, ohne genaue Erkundigungen einzuziehen,
denn zur Zeit meiner Anwesenheit war der Strafsenbau in Saigon an Privat-
uanternehmer kontrahirt, und infolge dessen wurden die mit einigen hundert
Tonnen Steinen einkommenden Schiffe als beladene angesehen und mußten
volle Abgaben, sage 2 Fres. pro Reg.-Tonne, bezahlen.
Da aufser Rohprodukten in der Kolonie wenig erzeugt wird, so ist es
rathsam, wenn möglich, sich in anderen Häfen mit Allem zu versehen. Lebens-
mittel und Schiffsbedürfnisse werden meistens von Hongkong, Holz von Singapore
eingeführt. Alles ist hier fast um die Hälfte theurer, als in den genannten
Häfen. Garnierholz, Holz zu Ventilatoren für Reisladungen und selbst Garnier-
matten dürften in Singapore bedeutend billiger sein. In der Küstenfahrt wird
der Reis gröfstentheils in Mattensäcken verladen, dagegen nach Europa nur
noch ausnahmsweise in solchen verschifft.
Stauer sind zwar genug zu haben; da die Leute aber nur das Stauen für
Küstenfahrt kennen, so ist es rathsam, für die Fahrt nach Europa die Arbeiten
in Bezug auf Garnierung und Stauung selbst zu überwachen und anzuordnen
oder mit der eigenen Mannschaft auszuführen.
Reparaturen jeder Art können im Nothfall in Saigon beschafft werden.
Genaue Ermittelungen über die Kosten lassen sich kaum anstellen, weil man
bei gröfseren Arbeiten um den Beistand der Marinewerften nachsuchen mufs;
dieses soll sehr kostspielig sein.
Seit Kurzem ist für die Kolonie an Stelle der bisherigen Marineadministration
die Verwaltung eines Civilgouverneurs getreten. Von diesem Wechsel verspricht
man sich einen Aufschwung der Produktion und des Handels. Auch hat sich
ersterer, was den Reisbau anbelangt, schon geltend gemacht. Früher ward