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In südlicher Breite wehte, wie es zu dieser betreffenden Zeit häufig der
Fall zu sein scheint, der Passat anfänglich aus solch raumer Richtung, dafs
mehr als ein rechtweisender Südkurs eingehalten werden konnte. Als die
Bark jedoch weiter nach Süden vorrückte, wurde die Windrichtung eine
schralere, und südlich von 11° S-Br wehte der Wind aus SSE. Nicht weit
von 23,5° S-Br in 37,8° W-Lg entfernt lag die Grenze des SE-Passats. Bei
einem auf 767,0 mm gestiegenen Luftdruck lief der Wind dort nordöstlich.
Winde des östlichen Halbkreises blieben später noch für längere Zeit die vor-
herrschenden; anhaltende Westwinde wurden unweit 32,5° S-Br angetroffen.
Da diese letzteren nicht stürmisch waren, auch ihre Richtung häufig veränderten,
konnte auch bei ihnen noch ein ziemlich befriedigender Fortgang erzielt werden.
Am 30, Juni kreuzte „Jessonda“ in 64° W-Lg den Parallel von 50° Süd. Es
waren bis dahin 31 Tage seit dem Ueberschreiten des Aequators verflossen,
and man hatte 10° S-Br in 30° W-Lg am 3. Juni, 20° S-Br in 35,7° W-Lg
am 7. Juni, 30° S-Br in 43,2° W-Lg am 13. Juni und 40° S-Br in 52° W-Lg
am 20. Juni geschnitten,
Der nordöstliche Wind, bei welchem „Jessonda“ 50° S-Br überschritt,
führte die Bark auch am 2. Juli durch die Strafse le Maire. Südlich derselben
herrschte an einem Tage noch cin kräftiger Nordwind, bei dem die Bark
68,5° W-Lg erreichen konnte, und später trat an mehreren Tagen NW-Wind
auf, Bei diesem letzteren Winde, der am 5. Juli unweit 57,5° S-Br in
73,5° W-Lg zum Sturme zunahm, sank der Luftdruck stetig, und als derselbe
am 6. Juli mit 738,0 mm seinen niedrigsten Stand erreicht hatte, erfolgte der
zur Zeit des südlichen Winters beim Kap Horn häufige Vorgang des Aus-
schiefsens des Windes nach Süd und längeres Herrschen desselben zuerst aus
der letzteren und später der südöstlichen Richtung, Aehnlich dasselbe geschah
wieder am 11. Juli in etwa 51,6° S-Br und 82,3° W-Lg. Infolge dieser Vor-
gänge bot die Umsegelung des Kap Horn keine grofsen Schwierigkeiten. Am
12. Juli gelangte „Jessonda“ in 82,8° W-Lg wieder nördlich von 50° S-Br.
In höherer Breite als der letzteren waren nur zwölf Tage verbracht. Die
Länge des Kap Horn hatte man am 3. Juli in 56,6° S-Br überschritten.
Auch im Grofsen Ocean nördlich von 50° S-Br traf „Jessonda“ eine
fortgesetzt günstige Gelegenheit. Kräftige Ostwinde waren dort vorherrschend,
and nachdem man 40° S-Br in 77,8° W-Lg am 17. Juli überschritten hatte,
erreichte die Bark am 22. Juli die Bai von Valparaiso. Die Dauer der Reise
von 50° N-Br ab betrug 81 Tage.
Schon am 30. Juli verliefs „Jessonda“ den Hafen von Valparaiso wieder,
um die Reise nach Panama fortzusetzen. Mäfßiger SW-Wind wurde während
der ersten Tage dieser Fahrt angetroffen, und indem derselbe sich allmählich
nach links drehte, ging aus ihm der Passat hervor. Die polare Grenze desselben
lag nicht weit entfernt von 28° S-Br in 75° W-Lg, woselbst der Luftdruck
mit 766,7 mm seinen höchsten Stand erreichte, Der anfänglich sehr kräftige
Passat wurde, nachdem 12° S-Br überschritten worden war, flauer und nahm
auch gleichzeitig eine südlichere Richtung an. Unweit 2° S-Br drehte der
Wind durch Süd nach SSW, und bei dem letzteren Winde überschritt „Jessonda“
am 15. August in 82,2° W-Lg den Aequator, Vorher war 30° S-Br in
73,8° W-Lg am 1. August, 20° S-Br in 79,2° W-Lg am 6. August und 10° S-Br
in 82,7° W-Lg am 10. August geschnitten worden. Unweit 1,5° S-Br beobachtete
Kapt. Plasse eine plötzliche, dauernde Zunahme der Wasserwärme von 21°
auf 23,5° C und auch eine gleichzeitige bedeutende Abnahme im specifischen
Gewicht des Wassers,
In nördlicher Breite, wo die Meerestemperatur allmählich bis auf 27° C
stieg, herrschte ein beständiger, leichter SW-Wind. Nördlich von 4° N-Br,
wo derselbe ganz flau wurde, nahm er eine westlichere Richtung an, und
nachdem man in der Nähe des Bestimmungshafens noch einige Tage in Wind-
stille umhergetrieben hatte, erreichte „Jessonda“ am 25, August einen sicheren
Ankerplatz in der Nähe der Insel Taboga. Die Reisedauer betrug 26 Tage.
5° N-Br hatte man in 79,5° W-Lg am 20. August gekreuzt. Der zwischen
5° S-Br und der Linie nach NW versetzende, etwa 0,5 Sm starke Strom war
in nördlicher Breite sehr voränderlich, überall jedoch nicht stark. Zwischen
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