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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 9 (1881)

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Passat erst um die Mitte des Monats Dezember ein, und hatten vorher von 
Ende des März bis zum Oktober fast täglich SW- bis WSW-Winde die Ober- 
hand, zeitweise so stark wehend, dafs der Jaluit-Hafen kaum mehr als sichere 
Rhede betrachtet werden könnte. (Sobald der Wind eine nördlichere Richtung 
von West annahm, flaute er ab.) Nach der Aussage der Eingeborenen soll 
dieser Fall zu den grofsen Seltenheiten gehören, dennoch mufs er schon öfters 
stattgehabt haben, da Eingeborene von Greenwichs-Inseln in ihren Kanoes nach 
den Marshall-Inseln verweht sind, was ohne diese südwestlichen Winde gegen 
den gewöhnlichen starken westlichen Strom nicht ausführbar wäre. Auch sind 
in einem anderen Jahre Eingeborene der Insel Guap (Japp) nach Külo-Insel 
bei Jaluit vertrieben, was nur durch dieselben westlichen Winde geschehen 
konnte. Die Vertriebenen wurden sämmtlich von den Einwohnern von Jaluit 
überwältigt, und es leben heute noch einige der Sieger, die von der Katastrophe 
erzählen. Diese Fälle deuten an, dafs die westlichen Winde in den Sommer- 
monaten nicht zu den allergröfsten Seltenheiten gehören. Der Orkan im Jahre 
1874 wehte ebenfalls am schwersten von SW. Dieselbe Bemerkung wurde süd- 
lich von Ponape (Carolinen) gemacht. 
Böen. Die Böen sind hier meistens bösartiger Natur, doch kann man 
bei scharfer Aufmerksamkeit ihre Stärke nach der Schnelligkeit beurtheilen, mit 
der sie aufziehen. Sehr häufig sind die sogenannten Bogenböen, die in Bezug 
auf ihre Stärke am schwersten zu schätzen sind. Ein Schiff unter Segel hat 
daher alle Ursache, sehr vorsichtig zu sein, wenn Böen im Anzuge sind. Die 
von SE einfallenden Böen sind selten stark, halten aber mitunter einige 
Stunden an. 
Einwohner. Als Seeleute sind dieselben in ihrem heimathlichen Klima 
gut verwendbar, und namentlich da, wo Schiffe unter den Inseln nicht ankern 
können, sondern gezwungen sind, unter Segel haltend ab und an zu liegen, 
halten sie die Strapazen viel besser aus, als die Europäer, Sie haben scharfe 
Augen, sind gehorsam und ordnungsliebend. Sowohl in ihrer eigenen Kleidung 
wie überhaupt auf dem Schiffe halten sie stets auf Reinlichkeit, und scheuen 
sich nicht vorm Wetter, so lange sie nur gut behandelt werden. Ein jeder von 
ihnen, selbst die jüngsten, versteht ein Schiff zu steuern, auch giebt es viele 
gute Taucher unter denselben, In Bezug auf Beköstigung sind sie genügsam, 
nur dürfen ihnen Süfsigkeiten nicht fehlen. Erbsen und Bohnen sind nicht 
unbedingt nothwendig. 
Was die am Lande lebenden Menschen betrifft, so sind sie meistens faul 
und hungern lieber, als dafs sie arbeiten. Die hauptsächlichste Schuld hieran 
tragen die Könige (oder Chiefs), an die ein jeder Arbeiter seinen vollen ver- 
dienten Lohn abzugeben hat, ohne den geringsten Genufs oder Dank dafür zu 
erhalten. Es ist daher natürlich, dafs die Leute das Interesse an der Arbeit 
verlieren. In der Ratack-Kette, wo jede Inselgruppe ihr eigenes Oberhaupt 
hat, ist die Lage der Leute besser, und sind sie durchgehends reinlicher, wie 
die in der Ralick-Kette. Die Sprache ist überall dieselbe und varlirt nur hier 
and da in einzelnen Ausdrücken. In Aiüluck z. B. hört man häufig den Ausruf 
„Harrr! Harrr!“ der einen eigenthümlichen feindseligen Klang hat, durch den 
man sich jedoch nicht irre machen zu lassen braucht, da er nichts weiter be- 
deutet, als: „Sie! Hören Sie mal!“ 
Prowiantirung. Zu einer Reise nach der Marshall-Gruppe versehe man 
sich stets reichlich mit Proviant, da zu Zeiten hier nicht das Geringste zu 
haben ist, und wenn Vorräthe da sind, so mufs man seinen Bedarf theuer be- 
zahlen. Wasser ist reichlich vorhanden, und ist dies wohl Herrn A. Capelle 
zu verdanken, denn in früheren Jahren mangelte es daran. Uebrigens ver- 
bessern sich die Zustände von Jahr zu Jahr. 
Fische dürfen hier nicht gegessen werden, ohne dafs sie von den Ein- 
geborenen für gut erklärt sind, da viele derselben giftig sind; ja es kommt 
vor, dafs von Fischen derselben Gattung, die auf verschiedenen Stellen gefangen 
sind, die einen gut, die anderen giftig sind. Durchschnittlich sind %/4 der Fische 
giftig. In der Mille-Gruppe enthalte man sich der Fische ganz und gar.
	        
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